„Unglaublich zarte Farben“ treffen auf überbordende „Extreme“

Giacomo Meyerbeers Oper „Le Prophète“ (Der Prophet) im Linzer Musiktheater

Jeffrey Hartman spielt und singt Jean de Leyde.
Jeffrey Hartman spielt und singt Jean de Leyde. © Robert Josipovic

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war Giacomo Meyerbeer so ziemlich der erfolgreichste Komponist. Lange Zeit jedoch wurde er dann verschmäht, seit den 1970er Jahren interessiert man sich langsam wieder für ihn.

Das Musiktheater Linz bringt nun seine dritte, überbordende und aufwühlende Oper „Le Prophète“ (Der Prophet) zur Aufführung, die 1849 in Paris ihre viel beachtete, pompöse Premiere feierte.

Ende in einem „Albtraum von Zuspitzungen“

Erzählt wird die Geschichte des charismatischen Gastwirtes Jean aus dem niederländischen Leyden, der im 16. Jahrhundert mehr oder weniger durch Zufall an die Spitze der sozialrevolutionären, reformatorischen Täuferbewegung gespült wird und die später in einem „Albtraum von Zuspitzungen“ für ihn, seine Geliebte und seine Mutter ende, wie Regisseur Alexander von Pfeil gestern beim Pressegespräch näher ausführte: „Es ist ein Monstrum von einer Geschichte. Sie erzählt im Grunde vom Weltuntergang, von Menschen, die sich selbst zerstören.“

Für von Pfeil ist es die erste Begegnung mit Komponist Meyerbeer, ebenso wie für den musikalischen Leiter Markus Poschner: „Es ist die erste Oper, die ich von ihm dirigiere. Und ich muss sagen, ich habe selten eine temperamentvollere Partitur in den Händen gehalten als diese hier. Sie besitzt neben unglaublich zarten Farben auch wirkliche Extreme. Wir spielen sie in Linz als brandneue Ausgabe.“

Diese dauere gut drei Stunden, wie er zudem mitteilte. Was das Bühnenbild betrifft, so kündigt der dafür zuständige Piero Vinciguerra einen großen, aber geschlossenen und leeren Raum an, der die Menschen wahrhaft zu unterdrücken scheint: „Wenn man nach der Vorstellung aus dem Theater herausgeht, soll man glücklich sein, dass es einem nicht so ergeht.“

Premiere wird die französische Oper (mit deutschen Übertiteln) in fünf Akten am 22. September im Großen Saal feiern.

Wie ist Ihre Meinung?