Ungreifbares, Unsichtbares, Selbstaufgabe

Energie AG zeigt bis 16. März Ausstellung „Talentiert & etabliert“

Moritz Matschke auf Reisen
Moritz Matschke auf Reisen © Otto Saxinger

„Der Storch hat mich an Orte geführt, an die ich nicht gefahren wäre und an die ich auch nicht mehr fahren würde.“ Moritz Matschke, Absolvent der Linzer Kunstuni, hat 2018 das Traumstipendium der OK Friends und der Energie AG bekommen und damit sein Projekt „Zug Vogel Mensch“ umgesetzt. Ausgestattet mit GPS-Logger machten sich Matschke und anfangs drei Störche auf Richtung Süden. Den Reiseleiter machte die Weißstörchin Twix und bestimmte damit die Route.

„Es ging auch darum, nicht vorbereitet zu sein“, erklärt Matschke, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln dem Storchen-Weg folgte. Entstanden sind Fotografien, Objekte und Videos, die im Foyer der Energie AG in Linz zu sehen sind. Sie sind Teil der Ausstellung „Talentiert und etabliert“, die bis 16. März, werktags 9 bis 16 Uhr, besucht werden kann und die das Schaffen junger Künstler in den Mittelpunkt stellt, die höchst unterschiedliche Ansätze verfolgen, die der starke persönliche Einsatz aber eint.

Die Wertigkeit der Dinge auf dem Prüfstand

Anna Pech ist die Traumstipendiatin 2019 und widmet sich mit „Leises Rauschen“ dem Thema „Fast Fashion“. Auf der ganzen Welt gekaufte Billigmode wird von Pech detailgetreu nachgeschneidert, mit dem Originallabel versehen und dann – zurückgegeben. Der Konzern bekommt ein handgefertigtes, wertvolles Kleidungsstück, der nächste Konsument vielleicht auch, und niemand wird es merken. Was der Künstlerin — und dem Besucher der Ausstellung — bleibt, ist eine Fotografie, auf der sich Original und Klon gegenüberstehen und die die Wertigkeit von Dingen, die Macht des Marktes eindringlich hinterfragt.

Maria Bichler macht sich selbst zum Kunstwerk, gibt sich dafür her und auf. Denn Vergänglichkeit ist das Prinzip von „Eat the Artist (Vogelfutter #1), das im Botanischen Garten in Linz entstanden ist. Eine sie selbstporträtierende Büste hat Bichler aus Vogelfutter geformt und der Tierwelt zur Verfügung gestellt. Acht Monate hat es gedauert, bis sie weggefuttert war, der Prozess dokumentiert in zehn Fotos. Auch ein Selbstporträt aus Butter steht zum Verspeisen bereit, jenes aus weißer Schokolade soll unangetastet bleiben, die Künstlerin macht sich in einem Video darüber her. Bichler hat 2019 den mit der Kunstuni Linz gemeinsam vergebenen Energie AG Kunstförderpreis erhalten.

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Gewinnerin des Klemens Brosch-Preises für junge Talente war vergangenes Jahr Astrid Safron. Sie ist mit sieben Glasarbeiten vertreten, in allen begibt sie sich tief in die Welt der Naturwissenschaften. Zeichnungen von Pflanzen, teils auf mikroskopischer Ebene, stellt sie neben Ansichten von Tieren, gibt dem Kleinen überdimensionalen Platz, eine „Wertschätzung des Unsichtbaren“, so die Künstlerin. Sehr nahe kommt der Betrachter vier Wildbienenarten, deren Porträts eine Wand zieren.

Quasi „eingerahmt“ werden die Arbeiten der jungen Künstler von Werken des Vizerektors der Linzer Kunstuni, Frank Louis. Seine Keramiken und Fotografien sind geprägt von Humor und dem Versuch, das Ungreifbare fassbar zu machen. So kommen seine Wölkchen in „Cumulus mediocris“ aus Steinzeugton nicht gerade leicht daher. Flugzeugsicherheitsgurte verhindern zusätzlich ein versehentliches Aufsteigen. Seine „Ernte“, Heuballen aus Ton mit Mistgabeln, hat er sicherheitshalber mit einem unter Strom gesetzten Weidezaun abgesichert.

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