„Unkraut abschneiden bringt nichts,…“

„... man muss das Übel bei den Wurzeln packen.“ So lautet salopp ausgedrückt einer der Grundsätze der Homöopathie, die nicht die Symptome bekämpft, sondern die Ursache. Die Linzer Homöopathin und im hausärztlichen Notdienst tätige Andrea Hofer (45) setzt sich für ein Zusammenwirken der alternativmedizinischen Behandlungsmethode und der Schulmedizin ein.

Die Linzer Ärztin Andrea Hofer hat sich der Homöopathie verschrieben. © Hofer

Sie selbst habe sich vor zehn Jahren das letzte Mal schulmedizinisch behandelt. „Nachdem mir ein Zahn gezogen worden war, habe ich zu einem Schmerzmittel gegriffen“, sagt Hofer. Ansonsten sei Homöopathie ihre erste Wahl und das schon seit rund 25 Jahren.
Als Medizinstudentin kam Hofer zum ersten Mal mit Homöopathie in Berührung. Ein Vortrag entfachte in der gebürtigen Haslacherin ein Feuer dafür, das nicht mehr aufgehört hat zu brennen.

Hofer besuchte schon während ihrer Ausbildung Kurse und erwarb nach dem Turnus das Homöopathie-Diplom, das von der Ärztekammer anerkannt wird. Nach drei Jahren in einer süddeutschen Klinik, die auf Homöopathie spezialisiert ist, und einem Aufenthalt in einer indischen Homöopathie-Klinik gründete sie vor zehn Jahren ihre eigene Praxis und erfreut sich seither regen Zulaufes durch Patienten. Gleichzeitig ist sie auch beim hausärztlichen Notdienst im Einsatz, wo sie ganz klassisch nach schulmedizinischen Kriterien arbeitet.

Ganzheitliche Betrachtung

Die Vorteile der Homöopathie liegen für Hofer auf der Hand: „Homöopathie betrachtet den Menschen ganzheitlich und bekämpft nicht die Symptome, sondern die Ursachen. Unkraut abschneiden bringt nichts. Man muss es herausreißen.“ Die berühmten Globuli stimulieren die Selbstheilungskräfte des Organismus und haben keine Nebenwirkungen. Bei der Diagnose geht der Arzt auf verschiedenen Ebenen auf die Befindlichkeiten des Patienten ein: woher kommen die Schmerzen und welcher Art sind sie, wann tauchen sie auf, wie ist die psychische Situation, der Schlaf, welche Lebensmittel werden vertragen usw..
Homöopathische Mittel werden in hohen und niedrigen Potenzen verabreicht. Niedrige Potenzen helfen, so Hofer, gut gegen Akuterkrankungen wie Angina oder Bronchitis, hohe Potenzen kommen bei chronischen Beschwerden (Migräne, Magen-Darm-Probleme, Hauterkrankungen, wiederkehrende Erkrankungen wie Blasen- oder Mittelohrentzündungen…) zum Einsatz.

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Auch typische Frauenleiden, Beschwerden in Schwangerschaft und Stillzeit, Infektanfälligkeit, psychische Erkrankungen wie Erschöpfungszustände, Burnout, Depressionen und ADHS bei Kindern können gut behandelt werden. Eine homöopathische Hausapotheke sollte Globuli in niedrigen Potenzen enthalten, mit denen gegen gängige Krankheiten wie Infekte und Erkältungen vorgegangen werden kann. Viele Eltern würden mit Kindern zu ihr kommen, um Antibiotika zu vermeiden, sagt Hofer. Sehr gute Erfolge verzeichne die Homöopathie auch als Zusatzbehandlung bei schweren Erkrankungen des Darms, Rheuma oder Krebs. Begleitend zu Chemotherapie oder Bestrahlung könne man eine deutlich bessere Lebensqualität für die Patienten erzielen, so Hofer. Die Indikation muss jedenfalls stimmen: „Ein Herzinfarkt oder ein akuter Blinddarm lassen sich natürlich nicht homöopathisch behandeln.“

200 Jahre Erfahrung

Bei der Bestimmung des jeweils anzuwendenden Mittels sei ein wichtiger Grundsatz das Ähnlichkeitsprinzip, so Hofer: „Man gibt die Mittel, die ein ähnliches Krankheitsbild hervorrufen.“ Die Symptome, die ein Wirkstoff hervorruft, wurden anhand von aufwendigen Arzneimittelprüfungen bestimmt. Ein einfaches Beispiel: Zwiebel sorgen für Tränenfluss und kommen dementsprechend homöopathisch angewendet bei Allergien zum Einsatz, um so Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Immer wieder werden neue Stoffe ausgetestet, die Präparate zu 80 Prozent aus Pflanzen gewonnen, zu 15 Prozent sind tierischen Ursprungs, zu fünf Prozent mineralisch. Neben Bekanntem findet sich in der Homöopathie auch Exotisches wie Tintenfischsaft gegen typische Frauenleiden (PMS, Menstruationsbeschwerden), Bienengift (Schwellungen und Hautausschläge).

Den Vorwurf, Placebo-Medizin zu betreiben, lässt Hofer nicht gelten. „Studienergebnisse zeigen, dass die Erfolge der Homöopathie deutlich über Placebo-Niveau liegen.“ Das Problem sei, dass die Wirkungsmechanismen in chemischer Hinsicht bis heute nicht endgültig geklärt werden konnten. Wie auch in der Schulmedizin, so Hofer, beruhen viele Behandlungsformen auf Erfahrungswerten. „Homöopathie kann auf 200 Jahre Erfahrung verweisen und arbeitet nach klaren Gesetzen in der Anwendung.“ Es werde zwar geforscht, in der Homöopathie fehle es jedoch an den Mitteln, tiefer zu gehen und noch mehr wissenschaftliche Belege zu liefern.

Der Umgang mit Homöopathie ist sehr unterschiedlich: Während die alternative Behandlungsform in Österreich von manchen Ärztekreisen immer noch stark bekämpft wird – erst unlängst wurde ein Ausbildungsangebot (Wahlfach) an der Uni Wien gestrichen-, sei man etwa in der Schweiz schon sehr viel weiter, weiß Hofer: Dort werden homöopathische Behandlungen seit 2012 — nach einer groß angelegten Studie über Komplementärmedizin, die große Erfolge in diesem Bereich nachwies, und der obligatorischen Volksbefragung — bereits von den Kassen bezahlt. In Deutschland hat jeder die Möglichkeit, nach einer Ausbildung als Homöopath zu praktizieren, in Österreich sind nur Ärzte dafür zugelassen.

Das sorge auch bei den Patienten für entsprechende Sicherheit, betont die Medizinerin. In Indien seien homöopathische Behandlungen ein wichtiger Faktor im Gesundheitswesen. Dort gebe es eigene Kliniken, die nur homöopathisch behandeln. In Österreich hingegen sind Homöopathen fast ausschließlich im niedergelassenen Bereich tätig, Homöopathie komme aber auch in manchen Abteilungen in Krankenhäusern zur Anwendung. Homöopathie sei zudem kostengünstiger als Schulmedizin, so Hofer. Sie zeigt sich hoffnungsvoll: „Gerade junge Mediziner stehen der Homöopathie zunehmend aufgeschlossen gegenüber.“

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