UNO: Noch nie so viel Hunger in Syrien seit Kriegsbeginn

In Syrien gibt es nach Angaben der Vereinten Nationen so wenig zu essen wie nie zuvor seit Beginn des Bürgerkriegs. Dem Welternährungsprogramm (WFP) zufolge haben 12,4 Millionen Menschen Probleme, sich zu ernähren – 4,5 Millionen mehr als vor einem Jahr. Das WFP drängte deshalb am Freitag auf eine Verlängerung einer UNO-Regelung, die es erlaubt, Hilfsgüter über die Türkei auch in syrische Regionen zu bringen, die nicht von der Regierung kontrolliert werden.

Die entsprechende UNO-Resolution läuft am 10. Juli aus, sofern sie nicht verlängert wird. Die UNO-Vetomacht Russland, die Syriens Machthaber Bashar al-Assad stützt, hat jedoch signalisiert, dass sie die Schließung des letzten Grenzübergangs für Hilfslieferungen bevorzugt. Stattdessen möchte Moskau Hilfstransporte über die Hauptstadt Damaskus abwickeln, die von al-Assad kontrolliert wird. „Millionen Leben stehen auf dem Spiel“, sagte WFP-Sprecher Tomson Phiri in Genf.

Dem WFP zufolge hat sich die Lage zugespitzt, weil viele Menschen bereits mehrfach innerhalb Syriens fliehen mussten und jetzt kein Geld mehr für zudem deutlich teurer gewordene Lebensmittel haben. Demnach stiegen die Preise im vergangenen Jahr um 247 Prozent. Besonders dramatisch sei die Lage im Nordwesten. Dort seien 2,4 Millionen Menschen darauf angewiesen, dass Lebensmittel, Medizin und andere lebenswichtige Hilfsgüter über die nahe türkische Grenze kommen, sagte Phiri. Lieferungen aus Damaskus in von der Opposition gehaltene Gebiete seien derzeit keine Alternative.

Die Hilfsorganisation Amnesty International warnte davor, dass bei einer Schließung des Übergangs mehr als eine Million Menschen von Nahrung, Wasser, Corona-Impfstoffen und lebensrettenden Medikamenten abgeschnitten werden. Das Gebiet um die Stadt Idlib ist nach mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg das letzte große Rebellengebiet Syriens. Zuspitzen könnte sich die Ernährungslage auch im von Kurden kontrollierten Nordosten, der als „Brotkorb“ des Landes gilt. Dort fällt die Ernte in diesem Jahr wegen einer Dürre schwach aus.

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