„Unser Ziel ist echte Veränderung für Österreich“

ÖVP-Parteiobmann Sebastian Kurz über seine Erwartungen an den Wahltag, den untergriffigen Wahlkampf und das Neue an der Volkspartei

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Wo immer Sebastian Kurz in der Öffentlichkeit auftritt, ist eines gewiss: Ohne Selfie mit dem ÖVP-Bundesparteiobmann und Außenminister geht gar nichts. Der 31-jährige Wiener ist seit 1. Juli Chef der neuen Volkspartei, deren Funktionäre in den letzten Tagen vor der Wahl noch einmal alles in die „Überzeugungsschlacht“ werfen.
Wo immer Sebastian Kurz in der Öffentlichkeit auftritt, ist eines gewiss: Ohne Selfie mit dem ÖVP-Bundesparteiobmann und Außenminister geht gar nichts. Der 31-jährige Wiener ist seit 1. Juli Chef der neuen Volkspartei, deren Funktionäre in den letzten Tagen vor der Wahl noch einmal alles in die „Überzeugungsschlacht“ werfen. © ÖVP/Glaser

Im Wesentlichen beenden die Parteien am Freitag den Wahlkampf, eingeläutet wurde das Finale Donnerstagabend mit der Diskussion der Spitzenkandidaten der Parlamentsparteien im ORF. ÖVP-Obmann Sebastian Kurz resümiert im VOLKSBLATT-Gespräch den Wahlkampf und sagt, was er sich vom Wahltag erwartet.

VOLKSBLATT: Wie froh sind Sie, dass der Wahlkampf nun zu Ende geht?

SEBASIAN KURZ: Wir sind immer für einen kurzen und intensiven Wahlkampf eingetreten. Dass die SPÖ dabei einen Dirty Campaigning Angriff nach dem anderen startet, ist sehr schade. Der Wahlkampf direkt bei den Menschen macht mir aber großen Spaß, ich lerne täglich etwas Neues.

Der Wahlkampf wird in die Geschichte als einer der schmutzigsten eingehen, gab es trotzdem auch schöne Momente?

Es gab und gibt sehr viele schöne Momente. Wir haben uns immer bemüht, uns auf die eigenen Inhalte zu konzentrieren und unsere Ideen und Vorschläge für Österreich in den Vordergrund zu stellen anstatt die anderen schlecht zu machen. Besonders begeistert bin ich von den vielen Freiwilligen und der breiten Bewegung. Wir haben mehr als 200.000 Unterstützer gewinnen können. Ich bin extrem dankbar, dass so viele Menschen im ganzen Land mithelfen, mitarbeiten wollen und Teil unserer Bewegung sind. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Viele unserer Unterstützer opfern einen großen Teil ihrer Freizeit, um sich politisch zu engagieren.

Was kann man tun, um künftig  solche Untergriffe —die ja die Politik als Ganzes in Verruf bringen — zu unterbinden?

Das Problem ist, dass diejenigen, die das in Auftrag geben, meistens ungeschoren davonkommen, weil sie die Verantwortung abstreifen. Bisher wurden Mitarbeiter, die darin involviert sind, karenziert, um nach der Wahl wieder eingestellt zu werden.  Es gibt aber keine Rechenschaft für jene, die das beauftragen und finanzieren. Deshalb bin ich dafür Dirty Campaigning zukünftig unter Strafe zu stellen. Das heißt, dass strukturelle Herabwürdigung des politischen Gegners und bewusstes Verbreiten von Falschmeldungen verboten werden sollen.

Wie bewahrt man in einem Wahlkampf mit unzähligen TV-Konfrontationen die Konzentration?

Es gibt in diesem Wahlkampf viele TV-Konfrontationen und ich sehe das positiv. Denn dadurch wird auch deutlich, wer für welchen politischen Stil steht. Ich habe meine ganze politische Laufbahn versucht, mit Sachthemen zu überzeugen und mich nicht am Anpatzen des Gegners zu beteiligen. Leider machen das nicht alle so. Ich bin deshalb überzeugt: wir brauchen einen neuen politischen Stil in Österreich.

Sie wünschen sich ein klares Wahlergebnis: Was heißt das in Zahlen?

Es geht am 15. Oktober nicht um Zahlen und Prozente, sondern darum, für Österreich eine neue Chance zu eröffnen, eine Chance auf echte Veränderung. Wir sind überzeugt, dass wir diese Veränderung schaffen können und würden uns freuen, in diesem Sinne für unser Land Verantwortung zu übernehmen. Unser Ziel ist es, am 15. Oktober als Erster durchs Ziel zu gehen, um echte Veränderung in diesem Land zu erreichen.

Ihr Credo lautet: Österreich braucht eine echte Veränderung, was muss sich ändern?

Es braucht eine neue politische Kultur in unserem Land, weg von Minimalkompromissen und politischem Tauschhandel hin zu klaren und mutigen Entscheidungen und wirklichen Veränderungen. Ich will ein Österreich des Wohlstands und der Sicherheit. Wohlstand für alle Regionen und möglichst alle Menschen, egal ob jung oder alt, egal ob in der Großstadt oder auf dem Land. Mir ist es wichtig, dass wir Probleme offen ansprechen und den Mut haben auch unpopuläre Dinge in Angriff zu nehmen.

Viele Menschen haben Angst vor Veränderungen, was sagen Sie ihnen?

Es braucht niemand Angst zu haben. Wir wollen einen Staat, der für die Menschen da ist und nicht umgekehrt, so wie das jetzt teilweise der Fall ist. Deshalb lautet unser Motto: Bewahren, was Österreich ausmacht und verändern, was uns wieder stark macht. Nicht für irgendwelche Rankings, sondern für uns alle.

Was ist so erstrebenswert für einen 31-Jährigen Bundeskanzler der Republik Österreich zu werden?

Es macht mir große Freude, etwas zu verändern und zu bewegen. Ich habe früh begonnen, mich politisch zu engagieren und war jahrelang während meiner Studienzeit ehrenamtlich politisch tätig. Es gibt aus meiner Sicht nichts Spannenderes als sich im Sinne der Bürgerinnen und Bürger um bestmögliche Rahmenbedingungen für die Zukunft unseres Landes zu bemühen. Ich will die Menschen überzeugen und viele dazu motivieren, bei der Nationalratswahl am 15. Oktober mit der Volkspartei einen neuen Weg für Österreich einzuschlagen.

Wie werden Sie den Wahltag verbringen?

Ich werde am Vormittag zusammen mit meiner Familie wählen gehen und den Tag gemeinsam mit ihnen verbringen. Am Nachmittag treffe ich dann mein Team. Zusammen werden wir auf die erste Hochrechnung warten.

Und was steht am Tag nach der Wahl am Programm?

Uns steht eine Richtungsentscheidung bevor und ich will meine ganze Energie dafür aufwenden, um das Vertrauen der Österreicherinnen und Österreicher zu gewinnen. Nach der Wahl liegt viel Arbeit vor uns. Denn Österreich braucht eine starke Bundesregierung, die Veränderung auch wirklich umsetzen kann. Wenn wir das Vertrauen bekommen, werden wir dazu Gespräche mit allen Parteien führen.

Bildlich gesprochen hat die Volkspartei unter Ihrer Obmannschaft die Fenster weit geöffnet. Was ist hereingekommen? 

Die Öffnung der Volkspartei und der Start unserer Bewegung waren mir besonders wichtig. Wir konnten bislang viele herausragende Persönlichkeiten für diesen neuen Ansatz gewinnen. Auf der Bundesliste sieht man besonders gut, dass unsere Kandidaten eine Mischung sind  aus Experten ohne Parteibuch und Personen, die sich bereits für die Volkspartei engagiert haben. Auf der Liste befinden sich Personen wie Josef Moser, Gaby Schwarz oder Maria Großbauer. Ich  könnte noch viele andere nennen. Sie sind alle Experten in ihrem Bereich und gemeinsam mit bewährten Kräften schaffen wir so ein attraktives Angebot für die positive Veränderung in unserem Land.