Unsere Welt wird neu vermessen

Linzer Ars Electronica Festival 2020 macht die Corona-Pandemie zum Thema und soll sich von 9. bis 13. September, ausgehend vom JKU-Campus, rund um den Globus erstrecken

Das weitläufige Areal rund um die „Kepler Hall“ auf der JKU wird im Herbst zur Festival-Spielwiese.
Das weitläufige Areal rund um die „Kepler Hall“ auf der JKU wird im Herbst zur Festival-Spielwiese. © Ars Electronica/Robert Bauernhansl

„Die Ars Electronica findet heuer nicht trotz, sondern gerade wegen Corona statt.“ Mit diesen Worten umreißt Gerfried Stocker, Künstlerischer Leiter des internationalen Linzer Medienfestivals, in einem Satz eigentlich bereits das ganze Konzept des diesjährigen Events, das von 9. bis 13. September – so es die Pandemie zulässt, wohlgemerkt – stattfinden soll.

Programm, Struktur und Organisation tragen dieser unsicheren Situation dementsprechend Rechnung: „Wir werden im Herbst erstmals zu einer Ars Electronica laden, die nicht nur in Linz, sondern an weiteren 120 Orten weltweit und parallel dazu auch im Netz stattfindet“, so Stocker am Montag bei der Präsentation des neuen Festivalkonzeptes. Unter dem Titel „In Kepler’s Gardens. Eine Reise zur Vermessung der ,neuen’ Welt“ soll dabei, ausgehend vom neuen Hauptsitz des Festivals am Campus der Johannes Kepler Universität (JKU), die aktuelle Krise Motor für Innovation und Kreativität werden. Dabei im Fokus: die drängendsten Fragen unserer Zeit, u.a. wie die Krise uns Menschen als Individuen und als Gesellschaft prägen und verändern wird.

Könnte ein „Vorbild für Kulturfestivals“ werden

Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer streute dem neuen Konzept Rosen: „Es ist wirklich gelungen, das Festival auf neue Beine zu stellen. Organisatorisch kann es sogar ein Vorbild für andere Kulturfestivals in Zeiten der Pandemie werden.“

Ein Jahr nach dem großen 40-jährigen Jubiläum geht die Ars Electronica heuer auf Reisen – nämlich zu und mit vielen Communities, die begonnen haben, nicht nur über die aktuellen Probleme nachzudenken, sondern bereits an konkreten Ideen und Lösungen arbeiten. „Kepler’s Gardens“ dient nämlich zugleich auch als Metapher für das Organisationsprinzip des Festivals: An 120 Orten weltweit werden mit Partnern aus dem über die Jahre aufgebauten internationalen Netzwerk reale Events für ein reales Publikum mit realen Künstlern und Wissenschaftlern stattfinden. Dabei geht es vor allem um neue Formen und Möglichkeiten der Fusion und Koexistenz von analog und digital, von real und virtuell. Der erste Festivaltag wird dabei ausschließlich online über die Bühne gehen.

Digitales Reisebüro in viele exotische „Gärten“

In den 120 „Kepler’s Gardens“ rund um den Globus erprobt sich das Festival als ein digitales Reisebüro, das Besucher aus aller Welt zu inspirierenden „Gärten zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft“ bringen soll. Solche „Ars Electronica Gardens“ werden etwa in Barcelona, Brüssel, Tokyo, Boston, Buenos Aires, Seoul, Basel, Athen, im Silicon Valley, Johannesburg, Los Angeles und Auckland (um nur einige zu nennen) geschaffen und wir können alle online daran teilhaben. Martin Honzik, Managing Director des Festivals, trifft es auf den Punkt: „Es wird alles ein riesengroßes Experiment.“

Am Donnerstag wird dann die Linzer Innenstadt in den Fokus gerückt. Im OK im OÖ Kulturquartier wird die Cyber Arts-Schau gezeigt. Präsentiert wird eine Auswahl der besten Medienkunstwerke des Jahres. Darüber hinaus wird es einen Schwerpunkt zu VALIE EXPORT geben. Neben der Kunstuniversität, die sich u.a. intensiv mit der Entwicklung unterschiedlicher Projekte und Ausstellungsformate befasst, wird auch das Ars Electronica Center mit seinem „Deep Space“ wieder ein zentraler Festivalschauplatz sein.

Am Wochenende erstrahlt schließlich der JKU-Campus im Scheinwerferlicht.

Temperaturmonitoring und „Contact tracing“

Hier sollen etwa Temperaturmonitoring bei den Eingängen, eine Form von „Contact tracing“ und Abstände durch künstlich geschaffene Inseln auf den weitläufigen Parkanlagen für die nötige Sicherheit sorgen. In thematisch ausgerichteten Arealen können sich die Besucher das Festivalprogramm gewissermaßen „servieren lassen“. Auf insgesamt drei Bühnen wird Programm geboten, das Vorträge und Präsentationen, Performances und Konzerte umfassen wird.

In den rund um den Park gelegenen Uni-Gebäuden werden Konferenzen durchgeführt und Ausstellungen gezeigt, die dieses Jahr jedoch ausschließlich im Rahmen geführter Rundgänge besucht werden können. Ein Fixpunkt wird wieder „create your world“ sein – eine coronataugliche Spielwiese für experimentierfreudige Kinder und Eltern. Ebenfalls am JKU-Campus lässt sich heuer wieder das „AIxMusic Festival“ nieder. Künstlerische Projekte und Performances steuert dabei auch die Anton Bruckner Privatuniversität für Musik, Schauspiel und Tanz bei. Ein weiteres Highlight ist die „Große Konzertnacht“ mit Markus Poschner und dem Bruckner Orchester.

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