Unter Wasser und an Land

Autor Kurt Palm im Linzer Stifterhaus über seinen Roman „Monster“

Kurt Palm im Linzer Stifterhaus
Kurt Palm im Linzer Stifterhaus © Roland Laimer

Von Christian Pichler

Am Ende rollt ein Tsunami über die Ufer des Rottensees, ein Monsterfisch hat darin gewütet. Aber leben nicht ohnehin die echten Monster, solche in Menschengestalt, an Land? Kurt Palms kürzlich erschienener Roman „Monster“: eine prachtvolle, tarantinoeske Schlachtplatte, ein kurzweiliges Leseabenteuer mit real-gesellschaftlichem Hintersinn.

Eine Knochenarbeit

Zweieinhalb Jahre habe er an „Monster“ geschrieben, sagt Palm, eine Knochenarbeit: „Wenn ich höre, jemand hat es in zwei Tagen gelesen, ist das hart für mich. Aber natürlich auch ein großes Kompliment.“ Der Roman vom Verlag Deuticke als Nachfolger des erfolgreichen und von Harald Sicheritz verfilmten Romans „Bad Fucking“ angepriesen, Palm hatte seinen Sanctus dazu gegeben. Obwohl, „eine Fortsetzung wär’ gar nicht möglich“, sagt Palm, endet doch auch „Bad Fucking“ in einer Apokalypse.

Am Donnerstag las der 1955 in Vöcklabruck geborene Schriftsteller, Regisseur und Filmemacher im Linzer Stifterhaus, mehr noch redete er und erzählte frei. Über das Altstoffsammelzentrum Seewalchen, wo er gerne Leuten zuhört, über die Schönheit des alten Wortes „ausgreifen“, das Sprachpuritanern als nicht literaturtauglich gelten könnte. Über ein Gasthaus am Attersee, wo jedes Jahr am 20. April Eiernockerl mit Salat feilgeboten werden. „Führers“ Lieblingsspeise, um symbolträchtige 8,8 Euro.

Kurt Palm lebt in Wien und in Litzlberg am Attersee. Der Rottensee das Abbild im Roman, ebenso einige Figuren gerade nur bis zur Kenntlichkeit entstellt. Palm nennt als Beispiel einen bekannten Investor, bei dem er lange nachgedacht habe: „Wie bring i den ums Eck?“ Die Eingebung kam, plötzlich habe das tschetschenische Vampirpärchen (das auch noch lesbisch ist) an seine Tür geklopft.

Palm ein Entertainer, unbedingt ein politischer Mensch und Autor. Das Ibiza-Video werde nicht substanziell etwas verändern, sagt er, die Dämme längst gebrochen: „De Kuah is aus’m Stoi.“ Nicht rückgängig zu machen die sprachliche Verrohung, gesellschaftstauglich etwa die zynische Schöpfung „Ausreisezentrum“.

„Glücklich ist, wer vergisst“, lautet der Titel des Theaterstücks, an dem Palm arbeitet. Der Arbeitstitel werde wohl bleiben, mutmaßt er, und verkündet froh: Die dramatische Fassung von „Monster“ wird am 5. November als Uraufführung im Wiener Theater Rabenhof gezeigt.

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