Unternehmen fordern Entlastung für steigende Energiepreise

Die steigenden Energiepreise stellen eine enorme Belastung für die heimische Industrie da und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit. Das berichtet die Wirtschaftskammer (WKÖ) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz und untermauert ihre Position mit einer Umfrage unter knapp 950 ihrer Mitglieder. Die WKÖ fordert die Politik auf, sich unverzüglich mit der Situation auseinanderzusetzen und Maßnahmen zur Entlastung der heimischen Industrie zu setzen.

Als Unternehmer fühle er sich „wie im Schützgraben, von allen Seiten beschossen“, erklärte Robert Schmid, Mitglied der Bundessparte Industrie in der WKÖ und Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Schmid Holding. Im vergangenen Jahre habe die Industrie eine Vielfalt an Herausforderungen zu spüren bekommen. Auch die CO2-Bepreisung sei eine davon. Hier würden die Preise plötzlich „in den Himmel wandern“ und bei den Zertifikaten gebe es eine „totale Knappheit“. Die Preise für Strom hätten sich pro Energieeinheit „vervielfacht“ und auch das Thema Gas sei zunehmend zum Problem geworden.

Laut Umfrage sehen 83 Prozent der befragten Unternehmen den Anstieg der Energiekosten als „problematisch“ oder „sehr problematisch“. Die steigenden Energiepreise würden die Herstellungskosten verteuern, zusätzlich zu den ebenfalls stark gestiegenen Rohstoffpreisen. Das belaste die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und habe negative Auswirkungen auf die Investitionen im Kerngeschäft aber auch in Forschung und Entwicklung und den Klimaschutz. Rund 81 Prozent der Befragten würden sich deshalb die vorübergehende Senkung energiebezogener Steuern und Abgaben wünschen.

Das Problem der Knappheit bei Strom und Gas sieht Schmid auch in der Zukunft, „der Bedarf an elektrischer Energie wird immer größer und größer“. Der Strom müsse aber irgendwoher kommen, dafür brauche es entsprechende Anlagen und Leitungen. Zugleich würde Spekulation auf den Energiemärkten die Preise immer weiter erhöhen. Die Folge sei eine „massive Kettenreaktion“ weil durch steigende Strompreise auch die Preise für Vorprodukte wie Stahl und Zement steigen und damit auch der Ausbau der erneuerbaren Energien, beispielsweise Windkraft, teurer werde.

„Die Situation ist tatsächlich dramatisch“, sagte auch Thomas Salzer, stellvertretender Obmann der Bundessparte und Geschäftsführer der Salzer Papier GmbH. Er warnt davor, dass Industriebetriebe ins Ausland abwandern und hierzulande viele Arbeitsplätze verloren gehen. „Es kann nicht sein, dass wir nur über Ziele in 30 oder 40 Jahren nachdenken, ohne auch nur die geringsten Ansätze zu haben, wie wir diese Ziele erreichen sollen“, so Salzer. Er fordert Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) auf „sich aus ihrem Elfenbeinturm zu begeben“ und ihre „Verantwortung endlich wahrzunehmen“.

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Die WKÖ fordert von der Politik unter anderem, die Trennung der Strompreiszonen zwischen Deutschland und Österreich neu zu evaluieren, den nationalen Dekarbonisierungsfonds für energieintensive Industrien, der bereits 2020 im Ministerrat beschlossen worden sei, umzusetzen, weitere steuerliche Entlastungsmodelle zu prüfen und Technologieoffenheit zu gewährleisten. Hier verweist die WKÖ vor allem auf Gas als „Brückentechnologie“ und klimafreundlichere Alternative zu Kohle. Außerdem sollen der Wasserstoffausbau und der Ausbau der erneuerbaren Energie vorangetrieben werden und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Darüber hinaus brauche es eine Strompreiskompensation, ähnlich wie in Deutschland. Eine solche hatte zuletzt auch schon die Industriellenvereinigung gefordert. Für die nationale CO2-Bepreisung fordern die Branchenvertreter eine „wettbewerbskonforme Ausgestaltung“.

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