Unterstützte Kommunikation

Es kann verschiedenste Gründe geben, warum sich Menschen nicht in der Lautsprache artikulieren können – sei es durch eine angeborene Behinderung oder durch eine erworbene, wie ein Schlaganfall. Anlässlich des morgigen Europäischen Tags der Logopädie verweist der Verband der LogopädInnen für Oberösterreich auf die Unterstützte Kommunikation, die man sich zu Hilfe nehmen kann.

Jeder Mensch hat das Bedürfnis, sich mitzuteilen. Wenn es aber nicht möglich ist, dies mit Wörtern zu tun, gibt es die Unterstützte Kommunikation als Hilfsmittel, um sprachliche Defizite auszugleichen, erläutert Karin Bodingbauer, Logopädin und Fachkraft für Unterstützte Kommunikation.

Logopäden arbeiten aufgrund ihrer Ausbildung eigenverantwortlich und sind befähigt, Beeinträchtigungen der Sprache, des Sprechens, der Atmung und des Schluckens, der Stimmgebung, der Mundfunktionen und des Hörvermögens zu untersuchen, zu diagnostizieren und zu behandeln.

Die Experten suchen dann für ihre Klienten die jeweils passenden Hilfsmittel aus, das können etwa einfache Bildkärtchen sein, oder auch Apps für ein Tablet. Es gibt aber auch Computersysteme, die man mit den Augen- oder dem Mund steuern kann.

Ein Kind ohne Lautsprache muss erst entdecken wie spannend es ist, mit Hilfe der Unterstützten Kommunikation mit anderen Menschen in Interaktion zu treten. Es darf lernen, auch ohne Lautsprache seine Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen, damit ergibt sich eine ganz andere Teilhabe am Leben und viel mehr Selbstbestimmung für Betroffene.

Menschen, die durch einen Schlaganfall oder andere degenerative Erkrankungen ihre Lautsprache verloren haben, können mit einfachen Symbolbildkarten oder auch mit komplexen elektronischen Hilfsmitteln Wege angeboten werden, sich wieder mitzuteilen.
„Je früher ein Klient Unterstützung bekommt, desto rascher hat er wieder erfolgreiche Kommunikationserfahrungen und weniger Frustrationen, weil ihn die anderen nicht verstehen“, weiß Bodingbauer.

Keine einheitliche Finanzierungshilfe

Die Unterstützte Kommunikation kann in jedem Alter und bei jedem Schweregrad der Kommunikationsbeeinträchtigung genutzt werden. Derzeit scheitert es meist aber an der fachlichen Ausbildung und den finanziellen Möglichkeiten, denn in Österreich gibt es für die assistierenden Technologien weder eine einheitliche Finanzierungshilfe noch einen Rechtsanspruch, klagt der Verband der LogopädInnen für Oberösterreich.

„Das Wissen, dass Kommunikationshilfsmittel die Lautsprachentwicklung eines Kindes nicht aufhalten, sondern nur unterstützen, ist Ärzten und Eltern leider noch zu wenig bewusst“, so Bodingbauer. Und im Bereich des erworbenen Sprachverlust bei den Erwachsenen steckt das Wissen über die technischen Möglichkeiten ohnehin noch in den Kinderschuhen. Fortbildungen für die Logopäden in diesem Nischenbereich sind auch dem Verband ein wichtiges Anliegen.

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