Urlaub: Deutschland in EU vorne

Österreich im europäischen Mittelfeld – Estland und Ungarn bei Erholung Schlusslichter

Die Arbeitszeit – und somit der Blick auf die Uhr – sieht in jedem EU-Land anders aus.
Die Arbeitszeit – und somit der Blick auf die Uhr – sieht in jedem EU-Land anders aus. © Andrey Popov - stock.adobe.com

Von Andreas Huber

Im Zuge der laufenden Diskussion über das Arbeitszeitgesetz und dem Zwölf-Stunden-Tag, ist auch der Blick über den österreichischen Tellerrand hinaus interessant. Wie viel arbeiten die Österreicher denn im Vergleich zu anderen europäischen Ländern? Wie haben andere EU-Länder den Urlaubsanspruch geregelt? Eine im November 2017 aktualisierte WKO-Statistik aus dem Datenerhebungsjahr 2016 gibt hier diesbezüglich nähere Einblicke.

Wer sich als EU-Bürger und Kosmopolit sein Arbeitsland nach der Höhe des Urlaubsanspruches sowie der Arbeitszeit und Work-Life-Balance aussuchen möchte, der sollte auf den ersten Blick möglicherweise Deutschland ins Auge fassen: Mit 30 Urlaubstagen im Jahr und einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 37,7 Stunden scheinen die Deutschen im oberen Spitzenfeld der WKO-Statistik auf.

Mehr Feiertage, weniger Urlaub – und umgekehrt

Schlusslicht ist Deutschland hingegen bei der Anzahl an Feiertagen – hier zählt man nur sieben anstatt dem EU-Schnitt von 9,2. Die meisten Feiertage findet man übrigens in Bulgarien; hier sind es ganze 16 an der Zahl. Spanien ist mit 14 Feiertagen im Jahr ebenso begünstigt. Allerdings: Beide Länder haben im Gegenzug nur 20 beziehungsweise 22 Urlaubstage zur Verfügung. Diesbezüglich lässt sich ein direktes Verhältnis dieser beiden Komponenten beobachten. Aber es gibt auch hier eine Ausnahme: Kroatien hat mit 30 Urlaubstagen jährlich auch elf Feiertage im Kalender stehen; Wermutstropfen ist hier eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Österreich hat ebenso elf Feiertage und liegt auch sonst mit einem Jahresurlaub von 25 Tagen und einer Wochenarbeitszeit von 38,8 Stunden geringfügig über dem EU-Schnitt von 38 Wochenstunden und 24 Urlaubstagen.

Einen Jobwechsel nach Estland oder Ungarn strebt man laut Statistik wohl eher nicht so schnell an: Sie gehören zu den Ländern mit dem niedrigsten Urlaubsanspruch auf europäischer Ebene – dieser liegt bei 20 Tagen. Obendrein haben sie zudem mit durchschnittlich 40 Wochenarbeitsstunden und jeweils nur acht Feiertagen auch hier ein Work-Life-Ungleichgewicht. Polen ist nach Estland und Ungarn nur geringfügig weniger belastet: Arbeitnehmer haben im direkten Vergleich jedoch mit neun Feiertagen einen freien Tag mehr im Jahreskalender stehen.

Frankreich mit geringster Wochenarbeitszeit

Wer in Frankreich lebt und arbeitet, darf sich über die geringste Wochenarbeitszeit im EU-Raum freuen: 35,6 Stunden stehen einem durchschnittlichen Wert von 25 Urlaubstagen gegenüber. Mit acht Feiertagen ist aber auch Frankreich dahingehend nicht gerade begünstigt. Trotzdem: Mit 1616,2 Stunden Sollarbeitszeit arbeitet man in Frankreich um gut 120 Stunden im Jahr weniger als im – überall leicht über dem EU-Schnitt liegenden – Österreich mit 1738 Stunden. Auch Dänemark und Schweden sind nach Frankreich mit 1635 beziehungsweise 1664 Jahressollstunden vorne dabei. Zum Vergleich: In den am meisten belasteten Ländern Ungarn und Estland arbeitet man laut WKO-Statistik 1856 Stunden im Jahr, Polen ist mit 1848 Stunden nur ganz knapp dahinter zu finden.

Eurozone mit geringerer Arbeitszeit als EU-Schnitt

Interessant ist auch noch die Erwähnung der Eurozonen-Länder im Durchschnitt: Mit einer Wochenarbeitszeit von 37,7 Stunden, 25,4 Urlaubstagen und einem Jahressoll von knapp 1700 Stunden liegt man hier nicht nur klar unter den österreichischen Werten, sondern auch noch unter dem EU-Schnitt.