Urlauber stürmten über Pfingsten Teststraßen und Hotels

Die Ferienhotellerie hat über Pfingsten trotz lästiger Corona-Vorschriften und kühlen Wetters einen guten Start hingelegt. Nach sechseinhalb Monaten Lockdown ist die Reiselust der Menschen offenbar groß genug, um einiges in Kauf zu nehmen. Auch die Betriebe zeigen Kampfgeist. Seit gut einer Woche dürfen sie wieder Gäste empfangen. „Besser offen als gar nicht“, sagte die Branchensprecherin in der Wirtschaftskammer Österreich, Susanne Kraus-Winkler, im Gespräch mit der APA.

Nerven kosteten jedenfalls Tausende von Coronatests vor Ort, die zum Teil mit überlaufenen Teststraßen und somit langen Wartezeiten einhergingen. Denn Urlaub inmitten der Pandemie macht man heuer mit der 3-G-Regel: Wer nicht bereits gegen Corona geimpft oder von der Krankheit genesen ist, muss getestet sein, um sich in eine touristischen Bleibe einbuchen zu können. PCR-Tests gelten 72 Stunden, Antigentests 48 Stunden. Die Regel gilt auch in der Gastronomie – Lokalbesuche sind darüber hinaus derzeit nur eingeschränkt, bis 22.00 Uhr, möglich. Die Unternehmen hoffen aber auf baldige weitere Lockerungen der behördlichen Corona-Vorschriften, etwa auf eine Verlegung der Sperrstunde auf zumindest 24.00 Uhr, aber auch auf eine Abkehr von der 20-Quadratmeter-Regel im Wellnessbereich und eine Verkleinerung der Abstandsregel von zwei Metern auf einen Meter.

„Viele Betriebe, die klassische touristische Angebote für den Inlandsmarkt und die Nahmärkte wie Deutschland und die Schweiz haben, waren über Pfingsten zwischen 70 und 100 Prozent ausgelastet“, berichtete die Obfrau des WKÖ-Fachverbands Hotellerie. „Gerade in Regionen mit Wellness-, Thermen- und Ferienhotels war sehr viel los.“ Auch die kommenden Wochenenden seien dort sehr gut gebucht.

„Es waren auch sehr viele Deutsche da, was uns sehr gefreut hat“, betonte Kraus-Winkler. „Viele sind ja Stammkunden.“ Ein Innsbrucker Hotelier berichtete zudem von starken Buchungen aus der Schweiz und aus Italien. „Da ist wirklich Bewegung in die Märkte gekommen“, meinte die Branchensprecherin zufrieden. Für die Rückreise brauchen die Deutschen einen Coronatest und eine Internetregistrierung bei den deutschen Behörden. „Das dürfte relativ gut geklappt haben, ich habe nichts davon gehört, dass es Staus gegeben hätte.“

„Die 3-G-Kontrolle bei der Ankunft der Gäste hat gut funktioniert – ein bisschen schwieriger war das Nachtesten“, räumte Kraus-Winkler ein. Rund die Hälfte der Bundesländer habe berichtet, dass es bei den Teststraßen zu langen Wartezeiten gekommen sei, was sehr schwierig gewesen sei. „Viele Urlauber mussten eineinhalb Stunden warten“, so die Hotelierssprecherin. „Aber grosso modo ist alles sehr gut verlaufen.“ Die großen Betriebe hätten das mit den eigenen Teststraßen „gut organisiert“.

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Grundsätzlich seien alle mit der Situation in den Hotels – vor allem in der Ferienhotellerie – sehr zufrieden. Sie waren im Schnitt „sehr gut gebucht“. Das mit den Selbsttests hingegen sei „durchwachsen“ gelaufen. Die Teststraßen seien zum Teil „extrem ausgelastet“ gewesen, da es „einen Ansturm gegeben“ habe. „Aber dadurch, dass es die Selbsttests in den Betrieben gab, gab es eine Abfederung“, relativierte die Branchenvertreterin.

Die Regierung stellte Hunderttausende von Selbsttests zur Verfügung. Kärnten etwa habe 240.000 Tests bekommen und 150.000 seien in drei Tagen über die Straßenmeistereien verteilt worden, in der Steiermark seien 500.000 Tests über die Regionalstellen der Wirtschaftskammer verteilt worden. „Die waren schnell vergriffen“, weiß Kraus-Winkler. Da es „manchmal nicht genug“ Tests gab, hätten die größeren Hotels welche nachgekauft. „Es sind schon große Mengen, die hier verteilt wurden – sie wurden teilweise auch für die Nachtestungen verwendet“, strich die Tourismusobfrau hervor.

Die Tests unter vier Augen im Hotel gelten nur innerhalb der Betriebsstätten. Will man in ein auswärtiges Restaurant, braucht man einen „offiziellen“ Antigentest, etwa aus einer Apotheke oder öffentlichen Teststraße bzw. einen digital kontrollierten Selbsttest, also mit Videoaufnahme und Code. „Man hofft, dass sich das jetzt einspielen wird“, so die Hoteliersvertreterin. „Alles, was uns hilft offenzuhalten, muss uns gut und recht sein.“

In der Wiener Stadthotellerie ist die Situation aber leider nach wie vor „dramatisch“. „Wien hat natürlich die größten Probleme gehabt, da es keine Auslastung zusammengebracht hat“, bedauerte Kraus-Winkler. Salzburg, Graz, Linz und Dornbirn wiederum hätten von „erfreulichen“ Buchungen berichtet.

Die Lage in der Bundeshauptstadt dürfte sich bald weiter verschärfen. „Ende Mai haben in Wien noch nicht alle aufgesperrt, doch im Juni werden 70 bis 75 Prozent aller Betriebe geöffnet sein und dadurch wird es natürlich noch dramatischer“, befürchtet die WKÖ-Branchenobfrau. Denn dann gibt es mehr Hotels und mehr Betten für unverändert wenig Kunden. Derzeit haben ihrer Einschätzung nach erst um die 60 Prozent offen – vor allem die Innenstadthotels bzw. auf Geschäftsreisende ausgerichtete Betriebe. Jene, die auf Spezialgruppen wie Messe- oder Seminarbesucher fokussiert sind, haben es in der Pandemie naturgemäß besonders schwer.

„Es wird Wien nur gelingen, halbwegs gut durch den Sommer zu kommen, wenn sie Gäste aus Drittstaaten haben“, strich Kraus-Winkler hervor. Allerdings sei diese Woche „UK geschlossen worden“, britische Urlauber können also nicht mehr einfach kommen. Weiters wurden „alle Flüge nach China bis 30. Oktober gecancelt“. „Die Frage ist, ob es Gäste aus dem arabischen Raum geben wird, denn die Emirates fliegt ja“, hofft die Hotelierssprecherin wenigstens auf diesen für die heimische Beherbergungsbranche wichtigen Herkunftsmarkt außerhalb der EU.

Die Sommerbuchungen in der Großstadt sind noch den Umständen entsprechend mager – die Hotels in Wien hätten „zwischen 10 und 30 Prozent ‚on the books‘“ und hofften, „im Schnitt über die Betriebe wenigstens 30 bis 40 Prozent zu erreichen“, so die Touristikerin. In der Ferienhotellerie wiederum seien die Buchungsanfragen „jetzt einmal sehr stark raufgegangen“.

Derzeit können nur Urlauber aus europäischen Ländern kommen – mit Ausnahme einiger Hochinzidenzgebiete wie Niederlande, Kroatien, Zypern oder Litauen. Einreisende aus diesen Gebieten müssten zehn Tage in Quarantäne, mit der Option sich nach fünf Tagen freizutesten, beides zu lang für eine Ferienreise. „Also, die fehlenden Niederländer tun uns sehr weh im Sommer“, bekräftigte Kraus-Winkler. Bei den Urlaubern aus dem Ausland bilden sie in Normaljahren die zweitstärkste Herkunftsnation hinter Deutschland. Grundsätzlich sei die Nachfrage für den Sommer gut,„ aber natürlich da und dort noch etwas vorsichtig abwartend wegen der Reisebestimmungen“, hielt die Branchensprecherin fest. Es werde voraussichtlich „extrem kurzfristig gebucht“.

(Das Gespräch führte Birgit Kremser/APA)

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