US-Berichtssaison als Vorbote der Rezession

Die Corona-Pandemie trifft die US-Wirtschaft mit voller Wucht – die Arbeitslosigkeit steigt bereits rasant, Experten rechnen mit einem tiefen Konjunktureinbruch. Abgesehen von wenigen belastbaren Daten wie den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe handelt es sich bisher lediglich um Prognosen, die angesichts der unübersichtlichen Situation stark abweichen. Auch Chinas Wirtschaft schwächelt massiv.

Verlässlichere Hinweise darauf, wie schlimm es in den USA tatsächlich werden könnte, dürfte nun die Berichtssaison der US-Unternehmen liefern. Der Zahlenreigen für das erste Quartal deckt mit dem März zwar nur den ersten Monat ab, in dem die Corona-Krise die USA so richtig lahmlegte. Diese ersten Auswirkungen werden aber bereits kräftig auf die Bilanzen vieler Konzerne durchschlagen. Große Beachtung werden zudem Aussagen zum restlichen Geschäftsjahr finden.

Den Auftakt machen traditionell die US-Banken, die diesmal zwar nicht wie 2008 Auslöser der Krise sind, aber trotzdem abermals im Zentrum stehen. Für wie prekär die großen Geldhäuser die Lage halten, zeigte sich am Dienstag bereits am Branchenführer JPMorgan Chase. Der Finanzriese erlitt einen 70-prozentigen Gewinneinbruch – Rückstellungen in Höhe von 8,3 Milliarden Dollar (7,57 Mrd. Euro) für drohende Kreditausfälle in der Corona-Krise drückten das Ergebnis.

Den Konkurrenten Wells Fargo erwischte es noch schlimmer – hier brach der Gewinn sogar um 89 Prozent ein. Die Corona-Pandemie hat in weiten Teilen der USA zu Ausgangsbeschränkungen geführt – zahlreiche Geschäfte und Fabriken mussten geschlossen werden. Bereits jetzt können viele Amerikaner ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, angesichts drohender Firmenpleiten und Massenarbeitslosigkeit müssen sich die Banken auf eine Lawine von Kreditausfällen vorbereiten.

Am Mittwoch und Donnerstag legen mit Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley weitere Schwergewichte des US-Finanzsektors ihre Zahlen vor – auch hier erwarten Analysten starke Einbußen. Dabei liefern die Ergebnisse für das Auftaktquartal nur einen Vorgeschmack darauf, wie stark die Belastungen noch werden könnten. Den Geldhäusern steht das größte Ungemach erst noch bevor – der Wirtschaftsabschwung und die Nullzinspolitik der US-Notenbank dürften sich erst im laufenden Quartal richtig niederschlagen.

Chinas Wirtschaft ist indessen wegen der Coronavirus-Pandemie erstmals seit rund 30 Jahren geschrumpft: Befragte Analysten erwarten für das erste Quartal einen Rückgang von 8,2 Prozent im Vorjahresvergleich. Für das ganze Jahr rechnen sie mit einem kleinen Wachstum von 1,7 Prozent.

Das wäre die niedrigste Rate seit dem Tod von Parteiführer Mao Zedong im Jahr 1976. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat für China, wo das Coronavirus zuerst ausgebrochen war, ein Wachstum von sogar nur 1,2 Prozent prognostiziert.

Die 14 von AFP befragten Analysten schätzen den Rückgang im ersten Quartal unterschiedlich ein – die Prognosen reichen von 4,6 Prozent weniger bis zu einem Minus von 15 Prozent. Xu Xiaochun von Moody’s Analytics etwa sagte, der Rückgang sei “enttäuschender als erwartet”. Die chinesischen Arbeiter seien langsamer an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt als zunächst gedacht. Zudem drücke die schwache Nachfrage nach chinesischen Gütern weltweit die schnelle Erholung.

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