US-Industrie im April mit schärfstem Einbruch seit 1919

Die Corona-Krise hat die US-Industrie ins Mark getroffen. Wie die Notenbank Fed am Freitag in Washington mitteilte, brach die Produktion im April gegenüber dem Vormonat um 11,2 Prozent ein. Das ist der stärkste Rückgang seit Erhebungsbeginn vor 101 Jahren im Jahr 1919. Analysten hatten im Mittel einen Rückgang um 12,0 Prozent erwartet.

Die Warenproduktion des Verarbeitenden Gewerbes fiel noch stärker um 13,7 Prozent, auch das ein Rekordrückgang. Die Autoproduktion brach um 70 Prozent weg. Im Bergbau nahm die Aktivität ebenfalls stark ab. Der Ausstoß der Versorger ging dagegen nur leicht zurück. Die Kapazitätsauslastung der Industrie brach um 8,3 Prozentpunkte auf 64,9 Prozent ein.

Der Kampf gegen die Corona-Krise hat Lieferketten unterbrochen und die Nachfrage in den Keller gedrückt. Viele Experten rechnen erst in der zweiten Jahreshälfte mit einer Belebung. Im wichtigen Bundesstaat New York zeichnet sich zumindest ein Ende der Abwärtsspirale ab: Der entsprechende Konjunkturindex der regionalen Notenbank kletterte im Mai spürbar.

“Der Anstieg der Industriestimmung im Großraum New York kann auf erste Lockerungsmaßnahmen zurückgeführt werden”, sagte Helaba-Experte Ulrich Wortberg. “Noch aber liegt der Index tief im Minusbereich, so dass eine Konjunkturerholung nicht abgeleitet werden kann.”

Die Industrie, die etwa elf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft beiträgt, war bereits vor der verschärften Coronakrise schlecht in Form. Dazu trugen die Probleme des Flugzeugbauers Boeing mit seinem Modell 737 MAX ebenso bei wie der Preiskrieg der Öl-Staaten Russland und Saudi-Arabien, der den amerikanischen Förderfirmen mit der kostspieligeren Fracking-Technik zu schaffen macht.

Wie ist Ihre Meinung?