Behörden räumen nach US-Schulmassaker Fehler der Polizei ein

Die texanischen Behörden haben nach dem Schulmassaker in der Kleinstadt Uvalde mit 21 Todesopfern Fehler der Polizei eingeräumt. Der Leiter der Behörde für öffentliche Sicherheit, Steven McCraw, sagte am Freitag, es sei die „falsche Entscheidung“ gewesen, das Klassenzimmer, in dem der Schütze sich befand, nicht früher zu stürmen. Gouverneur Greg Abbott, der mit den neuen Erkenntnissen unter Druck geraten ist, erklärte, er sei „in die Irre geführt“ worden.

Er habe der Öffentlichkeit die Informationen weitergeben, die ihm nach dem Blutbad in der Volksschule geschildert worden seien. „Die Informationen, die mir gegeben wurden, erwiesen sich zum Teil als ungenau, und ich bin absolut wütend darüber“, sagte der Republikaner in einer Pressekonferenz – bei der er eigentlich nur über finanzielle Hilfe für Opfer reden wollte, aber von der Presse gedrängt wurde, sich zum Thema der Fehlinformation zu äußern. Abbott hatte am Mittwoch mit der Aussage Aufsehen erregt, dass alles hätte noch viel schlimmer kommen können – „Der Grund, warum es nicht schlimmer war, ist, dass die Strafverfolgungsbehörden taten, was sie taten“, hatte er gesagt.

Kurz vor seine Pressekonferenz am Freitag hatte die zuständige texanische Sicherheitsbehörde schwere Fehler bei dem Einsatz am Dienstag eingeräumt. So wurde etwa bekannt, dass bereits zu einem frühen Zeitpunkt 19 Polizisten im Flur vor dem Klassenraum postiert gewesen waren, in dem der 18-jährige Schütze sich mit den Kindern verschanzt hatte. Diese unternahmen den Angaben nach mehr als 45 Minuten lang keine Versuche, in den Raum einzudringen und den Schützen zu stoppen – der in dem Klassenzimmer 19 Kinder und zwei Lehrerinnen tötete.

„Im Nachhinein war es natürlich nicht die richtige Entscheidung“, kommentierte McCraw das am Freitag, „dafür gibt es keine Entschuldigung“. Die Einsatzkräfte seien zwischenzeitlich davon ausgegangen, dass der Angreifer kein „aktiver Schütze“ mehr sei und dass keine weiteren Kinder mehr in Gefahr seien. „Der Einsatzleiter vor Ort dachte zu diesem Zeitpunkt, dass es von einem aktiven Schützen zu einem verbarrikadierten Individuum übergegangen ist.“

In den USA werden Polizisten ausgebildet, bei Amokläufen oder Schusswaffenangriffen an Schulen so schnell wie möglich den Täter auszuschalten, um weitere Todesopfer zu verhindern. Ein anderes Vorgehen wird beispielsweise bei Geiselnahmen angewandt.

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Behördenchef McCraw machte nun detaillierte Angaben zum zeitlichen Ablauf des Schulmassakers. Demnach drang der Angreifer am Dienstag um 11.33 Uhr in die Schule ein und feuerte umgehend „mehr als 100 Schüsse“ ab. Nur zwei Minuten später, um 11.35, betraten die ersten drei Polizisten die Schule. Zwei von ihnen wurden leicht verletzt, als der Schütze auf sie feuerte.

In der Folge trafen immer mehr Polizisten ein, um 12.03 waren bis zu 19 Beamte im Schulgang, wie McCraw sagte. Die ersten Mitglieder eines Sondereinsatzkommandos trafen um 12.15 Uhr ein. Erst um 12.50 Uhr stürmten die Einsatzkräfte schließlich das Klassenzimmer und erschossen den Angreifer.

In der Zwischenzeit hatten Schulkinder aus zwei miteinander verbundenen Klassenzimmern mehrfach den Notruf gewählt. Um 12.03 Uhr rief eine Schülerin bei der Polizei ein und sagte, sie befinde sich in Klassenzimmer 112. Um 12.10 Uhr rief das Mädchen erneut an und sagte, es gebe zahlreiche Tote. In einem weiteren Anruf um 12.16 Uhr sagte die Schülerin, dass acht bis neun Mitschüler am Leben seien.

Um 12.43 Uhr und 12.47 Uhr bat eine Schülerin über den Notruf, „bitte jetzt die Polizei zu schicken“, wie McCraw sagte. Um 12.50 Uhr sind demnach auf der Aufnahme Schüsse zu hören, um 12.51 Uhr ist dann zu hören, wie Polizisten die Kinder aus dem Klassenzimmer bringen.

Die Behörden korrigierten zudem Angaben über Veröffentlichungen des Schützen auf Facebook. „Ich möchte etwas richtig stellen, was zu Beginn der Ermittlungen gesagt wurde“, betonte McCraw. So habe der 18 Jahre alte Schütze seine Tat nicht – wie Abbott ebenfalls erzählt hatte – kurz vorher öffentlich auf Facebook angekündigt. Stattdessen habe er private Nachrichten über einen Messenger-Dienst abgesetzt. McCraw berichtete außerdem, dass der Angreifer bereits vor dem Massaker in Gruppenchats bei Instagram über den Kauf von Waffen sprach und die Tat in dem Netzwerk zumindest andeutete.

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