Van der Bellen ruft zu mehr Dialog und Menschlichkeit auf

In seiner Corona-bedingt virtuellen Neujahrsansprache vor dem Diplomatischen Corps hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Dienstag zu mehr Dialog, Zusammenarbeit und Menschlichkeit aufgerufen. Effektiver Dialog sei vor allem in den vielen Konfliktgebieten wünschenswert und auch die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass das Virus nur gemeinsam bekämpft werden könne, so Van der Bellen in der Rede, die live aus dem Maria-Theresien-Zimmer in der Hofburg übertragen wurde.

Das Jahr 2020 habe klar vor Augen geführt, wie wichtig internationale Zusammenarbeit und dass „Isolation eine Sackgasse“ sei, sagte der Bundespräsident zu den in Österreich akkreditierten Botschafterinnen und Botschaftern, die die Ansprache via Stream verfolgten.

Nach anfänglichen nationalen Alleingängen habe auch die EU „erfolgreich zusammengehalten“ und Bemerkenswertes geleistet, so Van der Bellen unter Verweis auf das 750 Mrd. Euro schwere Wiederaufbauprogramm, den neuen Rechtsstaatlichkeitsmechanismus und das „ehrgeizige“ neue Klimaziel bis 2030.

Weltweit sei aber in der Klimapolitik in den vergangenen fünf Jahren zu wenig passiert. Die Klimakrise sei die „größte Herausforderung der Menschheit in diesem Jahrtausend“, noch größer als die Pandemie. „Es wird ein Wettlauf mit der Zeit. Aber wir können ihn gewinnen. Wir müssen ihn gewinnen, wollen wir diesen Planeten für uns Menschen gut bewohnbar halten“, betonte der Bundespräsident.

Die Coronakrise habe bewiesen, dass „wir Menschen zu viel mehr fähig sind, als wir vielleicht dachten“, konstatierte Van der Bellen. „Jetzt ist die Zeit, in der wir überlegen sollten, wie wir unsere Welt verbessern können (…) – in unseren Gesellschaften, zwischen unseren Ländern oder im Umgang mit Flüchtlingen und Migranten. Können wir den Trend zur Unversöhnlichkeit und Aggression brechen? Durch Dialog und Zusammenarbeit, intern, bilateral und multilateral, voneinander lernen und miteinander wachsen?“, fragte er. Jede Situation sei anders, aber überall würde ein Mehr an Gespräch helfen, zeigte sich das Staatsoberhaupt überzeugt.

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Auch in Sachen Flüchtlingspolitik müsse mehr geschehen, um die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK), die heuer ihr 70-jähriges Bestehen feiert, wirksamer umzusetzen. Bilder von „im Winter schutzlos ausgesetzten Menschen“ auf der griechischen Insel Lesbos oder in Bosnien-Herzegowina würden ihn „zutiefst beschämen“. „So etwas darf es in Europa nicht geben“, appellierte Van der Bellen an mehr Menschlichkeit.

Auch der Apostolische Nuntius, Erzbischof Pedro López Quintana, der als Doyen des in Österreich akkreditierten Diplomatischen Corps Grußworte an den Bundespräsidenten richtete, sprach von der Notwendigkeit eines „aufrichtigen und respektvollen Dialogs und einer Zusammenarbeit, die in der Lage ist, uns angesichts der schwerwiegenden Bedrohungen, die sich für unseren Planeten abzeichnen und die die Zukunft der jüngeren Generationen belasten, zu vereinen“.

Die diplomatische Tätigkeit solle dazu dienen, eine „‚Kultur der Begegnung‘ zu fördern, die so notwendig ist, um die Unterschiede und Spaltungen zu überwinden, die so oft die Verwirklichung der erhabenen Ideale und Ziele der internationalen Gemeinschaft behindern“, erklärte der Nuntius. Diplomaten verstehe er dabei als „Baumeister dies Friedens und einer besseren Welt“, mit der Verpflichtung, sich für Zusammenarbeit und die Suche nach einer Lösung für alle einzusetzen: „Impfstoffe für alle, insbesondere für die Schwächsten und Bedürftigsten in allen Regionen des Planeten.“

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