Van der Bellens Wahlkampf noch „mit angezogener Handbremse“

Politik-Berater Thomas Hofer sieht Bundespräsident Alexander Van der Bellen derzeit noch in einem „Wahlkampf mit angezogener Handbremse“. Wie zu erwarten gewesen sei, versuche der Amtsinhaber, den Wahlkampf hinauszuzögern, meinte Hofer im APA-Gespräch. Dass Dominik Wlazny (alias „Marco Pogo“) am Freitag bekannt gab, die notwendigen Unterstützungserklärungen erreicht zu haben, überrascht Hofer nicht. Wlazny habe die Chance, „im linken Spektrum ein bisschen zu knabbern“.

Wlazny ist der Erste, der öffentlich gemacht hat, die 6.000 Unterschriften beisammen zu haben, die Voraussetzung für eine Hofburg-Kandidatur sind. Aus kommunikationstechnischer Sicht ist das laut Hofer durchaus geschickt, handle es sich doch um ein Signal, dass der Musiker „nicht nur Spaßkandidat“ sei. Denn genau das sei Wlaznys Problem, dass er „die ganze Zeit zwischen Spaß und Ernst pendelt“, meint Hofer. Der Bierpartei-Chef habe allerdings eine gewisse Organisationsstruktur und durchaus die Chance, ein paar Stimmen von Van der Bellen abzuholen, denn das linke Feld sei nicht so mit Kandidaten überfüllt wie das rechte, wo es „schon einen gewissen Kannibalisierungseffekt“ gebe.

Realistische Chancen auf die 6.000 Unterschriften räumt der Politik-Experte neben Van der Bellen und dem FPÖ-Kandidaten Walter Rosenkranz auch noch dem Ex-Politiker (FPÖ und BZÖ) und jetzigen Blogger Gerald Grosz, dem MFG-Vorsitzenden Michael Brunner und dem Rechtsanwalt und Ex-„Krone“-Kolumnist Tassilo Wallentin ein. Wallentin, zwischenzeitlich als FPÖ-Kandidat gehandelt, hatte zuletzt seinen Willen zur selbstständigen Kandidatur bekundet, unterstützt von Magna-Gründer Frank Stronach. Mittlerweile gebe es schon „ein gewisses Überangebot“ in dem durchaus trächtigen Bereich von „Systemverdrossenen“ und Unzufriedenen, erklärte Hofer. Mit Wallentin sei nun noch einer dazugekommen, der in einem ähnlichen Wählerteich fischt.

So sei es auch zu erklären, dass die FPÖ trotz der turbulenten Zeiten wegen der Causa Jenewein nun „die Schotten dichtmacht“ und „professionelles Krisenmanagement“ betreibe, sagte Hofer. Es gehe darum, dem freiheitlichen Kandidaten Rosenkranz nur ja nicht durch interne Streitigkeiten den Wahlkampf zu versemmeln. Für Rosenkranz sei es wiederum eine gewisse Gratwanderung, wie er sich verhält, denn einerseits könne er sehr wohl in den Wählerbereich der ÖVP „hineinstrahlen“, andererseits könnte das Buhlen um Aufmerksamkeit im rechten Bereich zu einem recht schrillen Wettbewerb führen.

Amtsinhaber Van der Bellen tue derzeit jedenfalls das, was man erwarten durfte, findet Hofer: „Er versucht, diesen Wahlkampf hinauszuzögern, weil er weiß, dass jede tagespolitische Aufladung schwierig ist für ihn“, verwies Hofer auf Van der Bellens Doppelrolle als amtierender Präsident und Kandidat. Zwar habe Van der Bellen zuletzt „nuancierte Kritik an Regierung angebracht“ – was auch notwendig gewesen sei, um aus dem Eck des Regierungsverteidigers rauszukommen, analysierte Hofer. Dennoch sei es noch ein „Wahlkampf mit angezogener Handbremse“.

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Dass Van der Bellen nicht an TV-Duellen mit den anderen Kandidaten teilnehmen will, sei aus dessen Sicht total verständlich, meint Hofer. Denn der Amtsinhaber wolle „nicht auf Augenhöhe mit den anderen“ wahrgenommen werden. Zudem habe Van der Bellen durchaus die Tendenz, dass „wenn’s hitzig wird, er schon auch die Contenance verlieren kann“, erinnerte Hofer an frühere emotionale Reaktionen. So hatte Van der Bellen bei seiner ersten Kandidatur etwa vor laufenden TV-Kameras einem Kontrahenten den Scheibenwischer gezeigt. Dass er die TV-Debatten nicht macht, „wird ihm vorgehalten werden“, ist sich Hofer sicher, aber dies sei bloß ein „Kollateralschaden“. Eine gewisse Gratwanderung sei das allerdings schon, denn Van der Bellen müsse eine Mobilisierung seiner Wählerschaft schaffen.

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