Wiens Vizebürgermeisterin Vassilakou zieht sich bald zurück

Wiens Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilaou (Grüne) geht – demnächst. Sie erklärte am Sonntag bei einem kurzfristig einberufenen Pressetermin, dass sie bei der (2020 anstehenden, Anm.) Wien-Wahl nicht mehr kandidieren wird. Das Regierungsamt will sie spätestens bis Frühsommer 2019 an den neuen Spitzenkandidaten übergeben. Wer dies wird, soll bis November entschieden werden.

Überraschend war der heute verkündete Schritt nicht unbedingt. Dass die 49-Jährige, die seit 2010 Vizebürgermeisterin ist, nicht noch einmal als Spitzenkandidatin fungieren wird, war allgemein erwartet worden. Dass sie sich bereits jetzt outen musste, liegt am neuen Modus, mit dem die Grünen den ersten Listenplatz besetzen. Interessenten haben nur mehr bis kommenden Dienstag Zeit, sich zu bewerben. Spätestens dann wäre ohnehin klar gewesen, ob sie noch einmal antritt oder nicht.

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Die gebürtige Griechin begründete ihren Rückzug mit einem Versprechen, das sie, wie sie berichtete, im vergangen Jahr bei einer Landesversammlung abgegeben habe. Damals habe sie angekündigt, dass sie die Erneuerung und Öffnung der Wiener Grünen anstrebe: „Das löse ich nun ein. Und ich beginne bei mir selbst.“ Den genauen Zeitpunkt für den Abschied will sie sich mit dem neuen Spitzenkandidaten bzw. der Kandidatin ausmachen, erläuterte sie – wobei sie beteuerte, ein „tiptop geführtes“ Ressort zu übergeben.

Der Rückzug soll spätestens bis zur Rechnungsabschluss-Sitzung im kommenden Jahr erfolgen – also bis zu der im Juni 2019 anstehenden Debatte des Rechnungsabschlusses für 2018. Für die kommenden Wochen wünsche sie sich einen fairen Wettbewerb der Ideen und Visionen, sagte sie am Sonntag: „Ich will von den Kandidaten hören, wie sie die beste Stadt der Welt weiterentwickeln wollen.“ Wer letztendlich ins Rennen geht, wird erst entschieden. Öffentlich haben bisher nur Klubchef David Ellensohn und Gemeinderat Peter Kraus ihr Antreten verkündet.

Vassilakou berichtete heute auch von ihrer Übersiedlung nach Österreich und ihrer Kindheit in der griechischen Hauptstadt Athen. Das Land, so schilderte sie, sei damals nach dem Bürgerkrieg gespalten und arm gewesen. Sie wisse dadurch, wie wichtig es sei, ohne Armut und Angst in Freiheit leben zu können. Und dass die Olivenhaine und Weinfelder beim Haus ihrer Eltern einst ohne Grünraumplanung zubetoniert worden seien, habe sie zu einer „leidenschaftlichen Planungsstadträtin“ gemacht.

„Ich bin glücklich und dankbar für das Privileg, acht Jahre an der Spitze der lebenswertesten Stadt der Welt gearbeitet zu haben.“ Sie liebe es, gemeinsam mit den Wienerinnen und Wienern Projekte umzusetzen, aber auch „Probleme anzufassen“. Als wichtige, bereits umgesetzte Vorhaben nannte sie unter anderem die Mariahilfer Straße, die 365-Euro-Jahreskarte oder die Umgestaltung des Stephansplatzes. Andere wesentliche Projekte wolle sie noch abschließen bzw. auf Schiene bringen – wobei sie etwa die Neugestaltung der Rotenturmstraße oder die Entscheidung über einen neuen Busbahnhof erwähnte.

Die Debatte um die Citymaut will sie nun übrigens nicht beenden. Diese sei ernst gemeint gewesen, hielt sie heute fest. Die begonnen Gespräche dazu sollen nun fortgesetzt werden. Sie hoffe, alle Fraktionen für einen gemeinsamen Weg zu gewinnen.

Der Rückzug habe aber auch persönliche Gründe, berichtete die Vizebürgermeisterin. Das Leben in der „ersten Reihe“ sei sehr intensiv. Sie werde demnächst 50 und habe immerhin die Hälfte ihres Lebens in der Politik verbracht – „25 wunderbare, erfüllte Jahre“, wie sie hervorhob. Bis zum endgültigen Ausscheiden, will die „hyperaktive Frau Vassilakou“ jedenfalls noch voller Lust und Tatendrang für die Stadt arbeiten.

Auf eine weitere Kooperation hoffte auch die Wiener SPÖ, wie Landesparteisekretärin Barbara Novak erklärte: „Die Entscheidung von Vizebürgermeisterin Vassilakou respektieren wir. Wir haben mit ihr immer gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Nachdem die Entscheidung bei den Grünen über den zukünftigen Spitzenkandidaten gefallen ist, rechnen wir auch weiterhin mit einer konstruktiven Zusammenarbeit innerhalb der Regierung. Unser Ziel ist es, gemeinsam für Wien bis zum Ende der Legislaturperiode zu arbeiten.“

Die FPÖ freute sich hingegen über den Rückzug, wie der geschäftsführende Obmann der Wiener Blauen, Johann Gudenus, betonte: „Besser spät als nie! Vassilakou hat sehr lange gebraucht, ihr damaliges Versprechen – sollten die Grünen bei der Wien-Wahl 2015 verlieren, so würde sie zurücktreten – einzulösen.“ Er sprach von einem missglückten Politikexperiment, wobei er unter anderem das seiner Ansicht nach „ohne Rücksicht auf Bürgerinteressen“ umgesetzte Heumarkt-Projekt erwähnte.

Der Wiener ÖVP-Chef Gernot Blümel befand, es sei an der Zeit, nun den Weg für Neuwahlen in Wien freizumachen: „Die Wienerinnen und Wiener sollen über die Zukunft ihrer Stadt entscheiden“, forderte er: „Viel zu lange schon geht es bei Rot und Grün ausschließlich um interne Personal- und Führungsfragen. Die Zukunft unserer Stadt bleibt dabei auf der Strecke.“