Vatikan bereitet sich auf Kardinalserhebung im Pandemie-Jahr vor

Wie verbindet man moderne Hygienevorschriften unter ständig veränderten Rahmenbedingungen mit dem jahrhundertealten Ritual der Kardinalserhebung? Vor dieser kniffligen Aufgabe stehen Papst Franziskus und sein Zeremonienmeister Guido Marini. Bis zum 28. November müssen sie eine Lösung gefunden haben. An dem Termin will der Papst 13 Kirchenmänner zu Kardinälen erheben.

Normalerweise ist ein Konsistorium ein großes Ereignis im Vatikan – mit Hunderten persönlichen Gästen, Tausenden Gottesdienstteilnehmern und Schaulustigen. Petersplatz, Audienzhalle, Petersdom werden geflutet mit Menschen. Selbst die Pforten des Apostolischen Palastes werden zu einem solchen Ereignis für Empfänge und deren Besucher geöffnet. Auch kommen fast alle anderen Kardinäle: jene, die in Rom leben oder die es irgendwie dorthin schaffen. Nicht so in diesem Jahr.

Das Konsistorium im Pandemiejahr 2020 muss deutlich kleiner ausfallen. Zwei Kandidaten, Cornelius Sim (69) aus Brunei sowie Jose Advincula (68) von den Philippinen, können wegen Reisebeschränkungen gar nicht erst kommen. Sie werden ihre Insignien in einer Zeremonie in der Apostolischen Nuntiatur überreicht bekommen – je nachdem, wann und wie es regionale Umstände zulassen. Kardinalserhebungen vor Ort gab es auch schon früher – etwa wenn ein Kandidat alt oder krank war.

Erzbischof Celestino Aos aus Santiago de Chile, der eine der weitesten Anreisen hat, ist bereits seit mehreren Tagen in Rom. Aos und die anderen zehn, die laut aktuellem Stand kommen, dürfen jeder maximal zehn Gäste mitbringen. Früher konnte eine solche „Kardinalsfamilie“ gut 50 Personen umfassen, bei Kandidaten bedeutender Bischofssitze auch mehr. Die Zusammenstellung dieser Gäste-Delegationen erfolgte meist nach einem komplizierten Schlüssel, um Eifersüchteleien zu vermeiden. Was mit der Obergrenze von zehn Personen sicher nicht leichter wird.

In den „Kardinalsfamilien“ werden sich die sonst untersagten Ansammlungen kaum vermeiden lassen. Auf den von vatikanischen wie italienischen Behörden vorgeschriebenen Masken werden die Organisatoren aber wohl bestehen. Ob Franziskus selbst sich daran hält, hängt davon ab, wie nahe ihm andere kommen dürfen. Ein Grund, warum der Papst selbst so selten mit Maske zu sehen ist, könnten seine Atembeschwerden wegen eines fehlenden Lungenteils sein. Aber das ist eine Vermutung.

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Wie nahe die Männer, die der Papst zu seinen besonderen Vertrauten ernennt, ihm tatsächlich kommen, wird sich zeigen. Trotz vorheriger Tests und Desinfektionen wird die sonst übliche Umarmung schwer möglich und vermittelbar sein. Vielleicht gibt es eine Verbeugung in gebührendem Abstand oder ein anderes Zeichen der Reverenz und gelobten Treue.

Birett, Ring und Urkunde, die Franziskus an die neuen Kardinäle zu überreichen hätte, werden sicher ausgiebig desinfiziert. Eventuell wird der Kandidat sich die Zeichen seiner neuen Würde von einem Tablett nehmen und nicht vom Papst persönlich aufgesetzt oder angesteckt bekommen.

Mindestabstände zwischen den Gläubigen wären im Petersdom kein Problem. Mit gut 20.000 Quadratmetern bietet der Raum genügend Platz. Wie zu hören ist, wird die Messe mit den ähnlichen Maßgaben gefeiert wie schon jene in der Lockdown-Zeit im Frühjahr: wenige Teilnehmer und vorne am Kathedra-Altar, nicht am Hauptaltar unter dem Bronzebaldachin. Die anschließenden Empfänge, bei denen die neuen Purpurträger Glück- und Segenswünsche entgegennehmen, sind dem Vernehmen nach bereits abgesagt.

Wie genau Zeremonienmeister Marini, das vatikanische Gesundheitsamt und Franziskus selbst das Puzzle „Konsistorium 2020“ lösen, wird sich zeigen. Ihr Ziel ist wie gesagt: Möglichst kein Ansteckungsrisiko bei möglichst würdevoller Feier. Immerhin sollen die neuen Kardinäle bereit sein, im Ernstfall ihr Leben für den Papst zu geben – ihn aber nicht mit einem Virus anstecken. An eines mag derzeit keiner im Vatikan denken: An ein mögliches Konklave unter Pandemie-Bedingungen.

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