Venedig trifft Indien in Wilhering

    Theaterspectacel präsentiert heuer „Volpone“ und Dorfer-Hader-Klassiker

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    Joachim Rathke und Martin Dreiling fahren durchs Ödland und wähnen sich in „Indien“.
    Joachim Rathke und Martin Dreiling fahren durchs Ödland und wähnen sich in „Indien“. © Claudia Erblehner

    Jetzt ist es passiert! Keine Bürgerinitiative, kein Streik, kein Facebook-Aufruf — nichts hat Venedig retten können. Das Wasser ist gestiegen, von der Lagunenstadt sind nur noch die Dächer übrig. Doch das Leben ist noch nicht gewichen, Signore Volpone treibt seine Spielchen mit Möchtegern-Erben, die die Gier genauso antreibt wie ihn …

    Das Wesen der Gier

    Noch ist es nicht soweit, aber ab 10. Juli wird sich eben dieses Szenario in der Scheune des Stiftes Wilhering beim Theaterspectacel abspielen, wenn die Komödie „Signore Volpone und seine Erbschleicher“ von Ben Jonson Premiere feiert. Jonson, Zeitgenosse Shakespeares und phasenweise berühmter als dieser, schuf ein Werk, dessen sich Stefan Zweig 1926 annahm und es aus dem Gedächtnis heraus übersetzte. Dieser Version widmet sich nun Joachim Rathke und setzt es in ein heutiges bzw. zukünftiges Venedig. „Zweig hat das Stück auf die kommende Weltgier übertragen, deshalb ist es auch heute so modern“, sagt Rathke. „Wir machen uns über das Wesen der Gier Gedanken, es ist einfach ein Wesenszug des Menschen.“

    Der seit vergangenem Jahr begonnenen Tradition, je ein „ernsteres“und ein humorvolles Stück zu bringen, bleibt man in Wilhering heuer treu und feiert am 4. August mit „Indien“die zweite Sommer-Premiere. Die Tragikomödie von Josef Hader und Alfred Dorfer sei trotz ihres Alters — die Verfilmung kam 1993 ins Kino — aktuell, so Rathke. „Die Sprachlosigkeit der Männer hat sich nicht viel entwickelt. Der Biss des Stückes hat sich nicht verändert.“Man bringe die Geschichte von Fellner und Bösel ganz reduziert, „und wir versuchen, dem Vorbild so weit wie möglich auszuweichen.“Rathke wird in der Dorfer-Rolle des Fellner auf der Bühne stehen, Martin Dreiling als Haders Bösel. Regie führt Doris Happl.

    Im vergangenen Jahr besuchten 6640 Besucher die Vorstellungen in Wilhering (Auslastung: 93 Prozent), 62 Prozent beträgt die Eigendeckung. Trotz einer Kürzung der Subventionen durch das Land OÖ von 20 Prozent wolle Rathke, wie er betont, weder an den Gagen für die Schauspieler sparen, noch die Kartenpreise erhöhen.

    mmo

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    „Volpone“bis 29. Juli; „Indien“ bis 17. August; Karten: 0699/10976739