Verbindende Nähe und Sehnsucht

Netzbühne: Aktuelles Musiktheater-Projekt „Crossopera“ aus Modena

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Anderssein: Angst und Entdeckung ist das Generalthema einer hochrangigen, auf die jetzige Zeit abgestimmte Opernproduktion „Crossopera“, die früher als die geplante Premiere am 10. Dezember in den Kammerspielen Linz durch Übertragung auf die Netzbühne aus Modena zu erleben war.

Am Sonntag fand in Modena die Uraufführung statt, die das Live-Erlebnis möglich machte. Man sollte die Begegnung mit dem neuen Musik-Opus keineswegs versäumen und die Vorstellungen in Linz jetzt schon vormerken.

Manchmal gibt es nämlich trotz der trostlosen Kulturpause angenehme Überraschungen, bei denen schöpferische Fantasien anregt werden und die den literarischen Radius von Musikliebhabern erweitern.

„Crossopera“ ist ein im Rahmen von „Creative Europe“ gefördertes Opernprojekt der Europäischen Gemeinschaft, das drei Nationen zu einer internationalen zeitgenössischen Opernproduktion des Teatro Comunale di Modena, des Serbischen Nationaltheaters Novi Sad und des Landestheaters Linz gemeinsam vereint.

Die Auftragswerke titeln mit „Traum“, „Die Flucht nach Ägypten“ und „Was weißt du über die Zukunft“. Den Hintergrund dazu bilden Migrationsprobleme der Gegenwart mit dem Thema „Otherness: Fear and Discovery“, also Anderssein: Angst und Entdeckung.

Harmonie & Kreuzungen

Das Resultat nähert sich den Sujets in unterschiedlichen Formen der Erzählung, auch in der Musik mischen sich zu einer absoluten Harmonie mit großer Einfühlung gekonnte stilistische Kreuzungen. Nach Atonalität, Zwölftönigkeit oder anderen willkürlich konstruierten Mustern wird man erfolglos suchen. Kluge Köpfe schöpferisch prominenter Autoren waren da am Werk, denen es fühlbar nicht um bloße Auftragserfüllung ging, sondern um Menschen verbindende Nähe und Sehnsucht mahnende Gewalt und Misstrauen zu überwinden, um mit national übergreifender Solidarität eine Zukunftsperspektive zu finden.

Für die einaktige Oper „Traum“ schrieb Jasmina Mitrusic den Text und die Musik, „Die Flucht nach Ägypten“ – (aus der Flucht wurde an einer Stelle „Flug“) erfand Intendant der Linzer Hermann Schneider in freier Anlehnung an die Bibel eine erschütternde Erzählung, basierend auf den apokryphen Kindheitsevangelien, komponiert von Valentin Ruckebier.

Die 14 Szenen der dritten Oper „Was weißt du über die Zukunft“ reizten Sandro Cappelletto, einen der bedeutendsten Musikkritiker Italiens, zu einer narrativen Ballade mit einem fantastischen Text in Anknüpfung an Schillers „Ode an die Freude“, in Musik gesetzt von Luigi Cinque. Sehr treffende Parallelen zur Musik Beethovens, freilich nicht notengetreu aber auch im Text nach Ideen und Hinweisen suchend, wie in unserer Welt der Sinn der „Brüderlichkeit“ verankert werden kann.

Zum befreienden Appell aller dieser bewegenden Worte und Klänge der „Crossopera“-Bewegung wird es freilich noch dauern. Es bleibt aber die Hoffnung auf ein Wunder, was alle Beiträge irgendwie zum Ausdruck bringen wollten und konnten. Alle Ausführenden setzten sich mit unbeugsamem Willen und überzeugter Energie für das Unternehmen ein: Djordje Pavlovic als Dirigent, Gregor Horres als Regisseur, Mariangela Mazzeo für Bühne und Kostüme und Katharina John als Dramaturgin.

Von Georgina Szeless

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