Verdoppelung des FWF-Budgets „ein Klacks“

Prominente Fürsprecher bekommt der Wissenschaftsfonds FWF zu seinem 50. Geburtstag: „Eine Verdoppelung des FWF-Budgets wäre ein Klacks im Vergleich zu anderen Budgetposten“, sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei der Eröffnung des Wissenschaftsfestival „Be Open“, das der FWF anlässlich seines 50-jährigen Bestehens bis 12. September am Wiener Maria-Theresien-Platz veranstaltet.

Während Österreich viel für angewandte Forschung tue, habe die Grundlagenforschung zu wenig Geld zur Verfügung, insbesondere der FWF, sagte der Bundespräsident. Hier könne man noch viel mehr tun. Van der Bellen lobte die Aktivität des Fonds, die Forschung einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln. Er kenne die „Vorurteile über die Hirngstopften“, und entgegne ihnen immer, sie sollten sich doch beim nächsten Zahnarztbesuch vorstellen, wie die Behandlung vor 100 Jahren gewesen wäre. Als einen wesentlichen Punkt der Forschung nannte der Bundespräsident die Offenheit, bis man solide Evidenz für seine Argumente habe. „Das ist das Gegenteil dessen, was sich heute in den Echokammern der virtuellen Welt abspielt.“

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Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) kam auf die vielen Anträge zu sprechen, die der FWF mangels Budget ablehnen müsse. „Dem stimme ich zu, eine Erhöhung der durch den FWF zu verteilenden Mittel ist auch mein Ziel“, sagte Faßmann, der aber nicht die Kritik teilt, dass die Ablehnung eine Ressourcenvergeudung sei. Auch er habe als aktiver Wissenschafter viele Anträge gestellt, die abgelehnt wurden. Man ärgere und kränke sich darüber, „aber man hat dabei unglaublich viel gelernt – abgelehnte Anträge sind wertvoll und brauchbar für das Wissenschaftssystem“, so der Minister.

Der Forschung in der Mitte der Stadt und damit der Gesellschaft Raum zu geben, sei ein „starkes Symbol“, betonte Faßmann. Österreich sei ein Forschungsland geworden, das werde aber von der Öffentlichkeit manchmal nicht zur Kenntnis genommen. „Unser Zukunftskonzept sind gut ausgebildete Menschen, Forschung und Innovation. Wenn dies von der Bevölkerung essenziell mitgetragen wird, ist das wesentlich“, so der Minister.

FWF-Präsident Klement Tockner strich die Rolle einer „freien und unabhängigen Wissenschaft hervor, das ist eine zentrale Säule einer aufgeklärten Gesellschaft, so wie Presse- und Meinungsfreiheit und ein sicherer Sozialstaat“. Man könne nicht zulassen, dass Entscheidungen nicht auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse getroffen werden.

Die deutsche Kulturwissenschafterin Aleida Assmann definierte in ihrer Festrede mit „Fortschrittsversprechen“, „Risikobewältigung“ und „Nachhaltigkeit“ drei verschiedene Bedeutungen von Zukunft, und plädierte dafür, „über Zukunft nicht im Singular, sondern im Plural nachzudenken“. Die Zersplitterung der Wissenschaft zeigt sich ihrer Meinung nach darin, dass sich Naturwissenschaft und Technik, Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften an diesen drei unterschiedlichen Zukunftsbegriffen orientieren. Notwendig sei aber, die Disziplinen enger miteinander zu verschränken.

Bei dem Wissenschaftsfestival zwischen Natur- und Kunsthistorischen Museum, das Samstag Mitta bereits regen Zulauf erhielt, widmen sich 18 Pavillons zentralen Fragen der Gesellschaft, etwa „Klimawandel: Haben Gebirgsgletscher Zukunft?“, „Was bringen 40.000 Jahre Migration?“, „Wie entwickelt sich die Bevölkerung?“ oder „Was können Stammzellen?“. In Österreich tätige Spitzenforscher erzählen dort anhand von Objekten über ihre Arbeit, darunter Allergieforscher Rudolf Valenta von der Medizin-Uni Wien, Artificial-Intelligence-Experte Gerhard Widmer von der Uni Linz, Stammzellforscher Jürgen Knoblich von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften oder Solarzellen-Experte Serdar Sariciftci.

Zudem finden während der Veranstaltung zahlreiche Podiumsgespräche und Publikumsveranstaltungen statt. Das Europäische Kernforschungslaboratorium CERN gastiert mit der Wanderausstellung „Der Code des Universums“ über Hochenergie-Physik und Teilchenbeschleuniger am Maria-Theresien-Platz (bis 31.10.). Für Kinder gibt es u.a. zwei Physikmobile mit Experimenten und einen „Mini-Forschungsclub“.