Vereinsamung der Älteren geht auch die Politik etwas an

OÖ Seniorenbund lud am Donnerstag in Linz Experten zum Dialog

Die Corona-Krise hat das Thema Einsamkeit und Vereinsamung in der älteren Generation drastisch vor Augen geführt. Was die Politik dagegen tun kann, wurde am Donnerstag beim Seniorendialog des OÖ Seniorenbundes mit hochrangigen Vertretern der Landespolitik und Experten im Linzer Ursulinenhof diskutiert.

„Einsamkeit kann jeden treffen und tut vor allem im Alter besonders weh“, ist sich LH Thomas Stelzer bewusst. Bis 2040 wird sich der Seniorenanteil von derzeit 18,2 auf 27,6 Prozent deutlich erhöhen und der Anteil der jungen Menschen an der Bevölkerung von 18,2 auf 17,6 Prozent reduzieren.

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„Großfamilien, in denen es früher selbstverständlich war, sich um Eltern und Großeltern zu kümmern, verschwinden immer mehr“, so Stelzer. Die Politik könne nicht jeden aus der Einsamkeit herausholen, aber durch das Sozialbudget Rahmenbedingungen schaffen. Auch das geschnürte 34-Mio.-Euro-Pflegepaket, das eine Verbesserung für die Pflegekräfte bringt, setzt in dem Bereich an.

„Auf zwei Schienen ist der Seniorenbund aktiv, zum einen geht es um Besuchsdienste bei Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, sich in die Gesellschaft zu begeben, zum anderen gibt es ein breites Aktivitätsprogramm für jene, die einen Anschluss an die Gemeinschaft suchen“, betont OÖ Seniorenbund-Obmann LH a. D. Josef Pühringer.

Seelsorge in den letzten Stunden ermöglichen

Er hat zudem die Initiative ergriffen, damit es künftig nicht mehr passiert, dass Seelsorger schwer kranke Menschen in Heimen wegen eines Lockdowns nicht besuchen können. Gerade in den letzten Stunden, sei es extrem wichtig, nicht alleine gelassen zu werden, so der generelle Tenor. Es werde derzeit ein Papier ausgearbeitet, dass an alle Landeshauptleute geht, die für die Änderung der Heimgesetze zuständig sind.

ÖVP-Sozialsprecher LAbg. Wolfgang Hattmannsdorfer will in der Sozial- und Wohnpolitik aber auch im Pflegebereich ansetzen. Die älteren Menschen sollen so lange wie möglich im Familienverbund leben können, gleichzeitig sollen aber auch Wohnformen entstehen, wo es soziale Raume gibt, in denen sich verschiedene Generationen treffen. Aber auch die Raumordnung könne viel dazu beitragen, „dass die Infrastruktur im Dorf nicht ausstirbt, was vor allem für die älteren Menschen wichtig ist.“

Neuere Forschungen gehen, laut Alterswissenschafter Univ.-Prof. Franz Kolland, davon aus, dass sich acht bis zehn Prozent der über 65- Jährigen einsam fühlen. Östereichweit seien etwa 700.000 bis 900.000 davon betroffen. Gerade einsame Menschen, würden in der Öffentlichkeit wenig Abstand halten, weil sie die Nähe bräuchten. Theologe Univ.-Prof. Paul Zulehner sprach an, dass Vereinsamung einem Tod vor dem Tod gleichkomme. Man müsse schon frühzeitig ein soziales Netz knüpfen, auf das man dann zurückgreifen könne.

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