Verena Altenberger: „Die Narrenfreiheit der Künstler genieße ich sehr“

Vielseitig, viel beschäftigt: Verena Altenberger ist demnächst mit Heino Ferch in „Die Spur der Mörder“ zu sehen

Kann sich ihre Rollen aussuchen: Verena Altenberger.Ingo Thiel (Heino Ferch) und Carla Orlando (Verena Altenberger) auf dem Weg zum berüchtigten Mafia-Jäger Silvio Bertone, dessen Hilfe sie erhoffen.
Kann sich ihre Rollen aussuchen: Verena Altenberger. © Chris Singer

Kaum eine junge Schauspielerin ist so vielseitig und vielbeschäftigt wie sie: Die gebürtige Salzburgerin Verena Altenberger dreht einen (Fernseh)Film nach dem anderen.

Demnächst ist sie als Spezialermittlerein an der Seite von Heino Ferch in dem Mafia-Thriller „Die Spur der Mörder“ (12. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF) zu sehen. Altenberger über Instagram-Fotos, Ängste und die Narrenfreiheit der Künstler.

VOLKSBLATT: Ich sehe auf Instagram immer tolle Bilder, die Sie posten. Woran arbeiten Sie gerade?

VERENA ALTENBERGER: Ich drehe gerade die Serie „Wild Republic“ für den Streaminganbieter Magenta. Wir haben im Februar in Köln angefangen, dann eine Corona-Pause eingelegt und drehen jetzt seit August in Italien. Ich bin mit meinem Auto angereist und am Wochenende schaue ich mir immer die Gegend an.

Sie zählen mit 32 Jahren zu den erfolgreichsten österreichischen Schauspielerinnen im gesamten deutschen Sprachraum. Was soll da noch kommen?

So empfinde ich das selbst wirklich nicht. Es ist wahr, dass ich überhaupt keinen Grund habe zu jammern und zu den ganz wenigen gehöre, die viel arbeiten und sich die Rollen aussuchen dürfen. Ein großer Luxus. Und ich hoffe, da kommt noch ganz viel. Mein Wunsch wäre, dass ich die große Spielwiese Schauspiel weiterhin so vielfältig bespielen darf.

Macht Ihnen der Erfolg manchmal Angst?

Vor jedem neuen Film habe ich Angst, dass die Magie weg ist, Angst zu scheitern. Auch Kollegen geht es so. Und: Die Statistik beweist, dass Frauen ab 35 weniger Rollenangebote bekommen. Ich glaube auch, dass es ein Fehler wäre, sich zu sicher zu fühlen. Viel Antrieb und viel Vorbereitung kommen aus einer Unsicherheit, aber man darf sich nicht unterkriegen lassen von der Angst.

Andere Ängste betreffen wohl Corona. Wie gehen Sie mit der Pandemie um?

Das ganze Team wird mehr als einmal pro Woche getestet. Wir sind irgendwo in den Dolomiten, wo wir alle in einem Hotel untergebracht sind und während der Woche null Kontakt nach außen haben. Wenn ich wohin fahre am Wochenende, halte ich mich an alle Regeln.

Sie haben in „Tatorten“ mitgespielt, werden als ermittelnde Streifenpolizistin in „Polizeiruf 110“ hochgelobt und geben jetzt neben Heino Ferch eine italienische Mafia-Expertin. Was ist das Besondere an Krimi-Rollen?

Vor allem, dass es sie sehr oft gibt (lacht). Früher wurden Krimis nach sehr speziellen Regeln gedreht, mittlerweile ist man sehr frei in dem Format, das finde ich sehr spannend. Gerade meine beiden bisherigen „Polizeirufe“ haben nicht unbedingt eine Leich´ gebraucht, um ein Krimi zu sein. Das eine ist ein Wirtschaftsthema, das andere ist ein Mafia-Film, das nächste ein Psychothriller. Das Format ist einfach sehr breit aufgestellt.

„Die Spur der Mörder“ basiert auf wahren Ereignissen, Mafia-Morden, die sich 2007 in Duisburg ereignet haben. Geht man mit diesem Hintergrund anders an die Rolle heran?

Ja, auf jeden Fall. Meine Carla Orlando ist zwar eine der wenigen Figuren, die es nicht wirklich gegeben hat. Aber Ereignisse, die tatsächlich stattgefunden haben, bringen schon einen Ticken mehr Verantwortung in der eigenen Gefühlslage, weil man weiß, das ist Menschen so passiert.

Ein großer Teil der Dreharbeiten hat in Kalabrien stattgefunden …

Das war schön, weil Italien. Die ganze Region hat einen besonderen Zauber. Beim Frühstück haben wir den Ätna rauchen gesehen. Wir waren in Orten, aus denen manche der echten Mafiosi, die auch in unserem Film vorkommen, stammen oder wo sie sich versteckt haben. Und wir haben mit süditalienischen Mafiajägern zusammengearbeitet. Sie haben uns bei den Dreharbeiten unterstützt und auch in manchen Szenen mitgespielt.

Sie sprechen sieben Sprachen und haben sich diverse Dialekte für Filme angeeignet. Wie gehen Sie bei den Vorbereitungen vor?

In „Die Spur der Mörder“ war Südtiroler Akzent gewünscht. Ich habe mich immer wieder mit einer Südtirolerin getroffen und mit ihr den Akzent erarbeitet. Sie hat mir das Drehbuch aufs Handy gesprochen, so dass ich mir das immer wieder anhören konnte. Gemeinsam haben wir das perfektioniert.

Sie sind auch sonst vielseitig, haben eine Tanzausbildung und früher Leistungsturnen betrieben. Wie können Sie das für Ihren Beruf nutzen?

Gott sei Dank total viel. Ich hab´ ein-, zweimal schon im Film tanzen dürfen. Gerade die Tanzausbildung ist aber noch viel mehr: Tanzen hat so viel mit Timing zu tun. Und meine Rolle in „Magda macht das schon“ war für mich mehr Tanzen als Schauspiel, weil auch Comedy Timing ist. Wie eine Choreografie, da ist ein Takt vorgegeben und an den musst du dich halten. Jetzt gerade bringt mir das Leistungsturnen sehr viel, weil wir in „Wild Republic“ viele Actionszenen haben und ich viele Stunts selber mache.

Von der Sitcom „Magda macht das schon“ über die Kommissarin bis zur drogenabhängigen Mutter. Sie haben von komödiantisch bis ernst mittlerweile die ganze Palette abgedeckt. In welchem Genre fühlen Sie sich am wohlsten?

Irgendwie taugt mir alles, vor allem durch die Abwechslung. Nach einer Staffel „Magda macht das schon“ lechze ich nach einer tief dramatischen Rolle und wenn ich dann zwei Monaten in Seelenabgründen herum gegrundelt bin, freue ich mich wieder auf leichtere Kost. Ich mag Extreme, ein wirklich krasses Drama, Slapstick-Comedy, Grenzen von Kunstformen ausloten.

Nach Engagements an Burg- und Volkstheater in Wien haben Sie in den letzten Jahren vor allem Film und Fernsehen gemacht. Zieht es Sie gar nicht zurück auf die Bühne?

Doch, auf jeden Fall. Es hat sich ergeben, dass ich so viel Film mache, weil mir nach Magda und „Die beste aller Welten“ sehr viele interessante Rollen angeboten worden sind. Ich fühle mich noch total wohl in dieser Filmwelt. In dem Moment, wo mir aber tolle Menschen ein tolles Theaterprojekt anbieten, bin ich die erste, die wieder rüberspringt zum Theater.

Wäre die Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen, quasi ein Heimspiel für Sie, etwas, das Sie reizen würde?

Das muss ich wirklich mit ja beantworten. Wenn man als Salzburger Mädchen aufwächst und schon immer den Traum hat, Schauspielerin zu werden, dann ist natürlich die Buhlschaft eine Rolle, zu der man aufschaut und von der man träumt, ja.

Vielleicht an der Seite von Philipp Hochmair?

Das wäre sehr cool…

Woher kam der Wunsch, Schauspielerin zu werden?

Der war immer schon da. Und KünstlerInnen wird nach wie vor eine gewisse Narrenfreiheit zugestanden. Ich genieße das sehr in den Rollen, aber auch bei öffentlichen Auftritten. Man wird zum Gesellschaftenwandler, wandelt durch verschiedenste Schichten. Das Aufwachsen in den Salzburger Bergen hat wohl auch irgendwie den Wunsch nach Freiheit gefördert.

Sie haben gerade mit Adrian Goiginger „Märzengrund“ nach dem Stück von Felix Mitterer gedreht. Mit dem Salzburger Regisseur und Ihrer Rolle in seinem Film „Die beste aller Welten“ haben Sie den Durchbruch geschafft und Preise eingeheimst. Gibt es da eine Seelenverwandtschaft?

Es gibt eine sehr tiefe Freundschaft und Verbundenheit und Dankbarkeit in beide Richtungen. Das führt auch zu einem sehr tiefen Vertrauen und dazu, dass ich mich total fallen lassen kann bei der Arbeit mit ihm.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Abgedreht ist die vierte Staffel von „Magda macht das schon“. Da habe ich noch keinen Sendetermin. Dann habe ich den österreichischen Kinofilm „Me We“, der coronabedingt noch nicht im Kino war. „Wild Republic“ kommt im März auf Magenta TV. „Märzengrund“ wird wahrscheinlich Winter 2021, eventuell sogar Frühjahr 2022 ins Kino kommen. Und dann habe ich noch die deutsche Komödie „Generation beziehungsunfähig“, die kommt auch Anfang nächsten Jahres ins Kino. Der nächste Dreh wird der dritte „Polizeiruf“.

Mit VERENA ALTENBERGER sprach Melanie Wagenhofer

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