Manfred Maurer

Meinung

von Manfred Maurer

Vergeben & vergessen

Demonstrativ freundlich gingen Außenministerin Kneissl und ihr russischer Amtskollege Lawrow gestern in Moskau miteinander um. Und auch Zar Putin gewährte eine Audienz. Das wäre an sich keiner besonderen Erwähnung wert.

Bekanntlich hat Kneissl eine bis ins Private hinein reichende Intensivbeziehung mit Putin aufgebaut, der auch sein Außenminister mit entsprechendem Charmeniveau Rechnung zu tragen hat. Aber da war doch noch was!?

Ah ja, der im November im Bundesheer aufgeflogene russische Spion. Das fand man damals in Wien gar nicht lustig. Auch die Außenministerin vergaß kurz ihre Freundschaft und las den Russen die Leviten: „Dieser Spionagefall ist eine inakzeptable Einmischung in die inneren Angelegenheiten.“

„Vorschlag für den nächsten Spionagefall:
Weniger künstliche Aufregung täte es auch!“

Gestern wäre eine gute Gelegenheit gewesen, Putin und Lawrow noch einmal in aller Deutlichkeit zu verdeutlichen, dass wir Österreicher gar nicht gern ausspioniert werden.
Denn im November hatte Lawrow den Spionagevorwurf ziemlich unwirsch zurückgewiesen. Aber das war Teil des Rituals: Ein Spion fliegt auf, die Ausgespähten protestieren, die beschuldigte Regierung streitet alles ab — und bald ist die Sache vergeben und vergessen.
Vorschlag für den nächsten Spionagefall: Etwas weniger künstliche Aufregung täte es auch.

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