Verhöhnung der Opfer des Genozids

IKG-Deutsch fordert Rücktritt des umstrittenen Politologen Hafez

Der Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Oskar Deutsch, hat den Rücktritt des an der Salzburger Universität arbeitenden Politologen Farid Hafez verlangt, der von der Razzia gegen die Muslimbrüder betroffen war. Hafez habe die Polizeiaktion mit der Schoah verglichen. „Diese inakzeptable Opfer-Täter-Umkehr ist eine Verhöhnung der Opfer des Genozids“, wurde Deutsch im Kurier zitiert (Donnerstag-Ausgabe).

Wie Deutsch nun sagt, habe die IKG den Rektor der Uni Salzburg in einem Brief aufgefordert, Konsequenzen zu ziehen. Dieser habe aber bis dato nicht reagiert. „Ich fordere eine Entschuldigung, die Rücknahme dieser unhaltbaren Äußerungen und den Rücktritt von Hafez“, sagte Deutsch. Kritik übte Deutsch auch an der Muslimbruderschaft in Österreich. Diese gebe sich gemäßigt, wolle aber islamistische Prinzipien durchsetzen und unterwandere die Gesellschaft.

Proteststurm ausgelöst

Wie vom VOLKSBLATT ausführlich berichtet, hatte Hafez — ein gebürtiger Oberösterreicher — die im Rahmen der „Operation Luxor“ bei mutmaßlichen Muslimbrüdern durchgeführten Razzien in einem Atemzug mit den Nazi-Pogromen vom 9. November 1938 und der Repression gegen Muslime im chinesischen Xinjiang genannt. Der einen Proteststurm auslösende Text war auf der Website der Bridge-Initiative der Georgetown Universtität (Washington DC) veröffentlicht worden. Der Politologe indes sah sich missverstanden, er habe solche Vergleiche nicht angestellt, sondern kritisiert, dass die Aktion ausgerechnet am Jahrestag der sogenannten „Kristallnacht“ stattgefunden habe. Ungeachtet dessen erneuerte er damals seine Kritik am Vorgehen von Politik und Polizei.

Der Rektor der Universität Salzburg, Hendrik Lehnert, hatte Anfang Dezember erklärt, dass er dem Islamforscher persönlich klargemacht habe, dass sich die Leitung der Universität auf das Schärfste von dessen umstrittenen Aussagen distanziere. Von dem Wissenschafter trennen werde sich die Uni vorerst aber nicht, so Lehnert, der das damals damit begründet hatte, dass gegen den Forscher noch keine Anklage erhoben worden sei. Auch gehe er nicht von einer strafrechtlichen Verurteilung des Politologen aufgrund dessen Aussagen aus, so der Salzburger Rektor damals.

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