Verkaufen allein ist nicht genug

Wenn man Funktion eines Treffpunkts und einer Wohlfühlzone hat, ist man für die Zukunft gerüstet, betont Donaupark-Spitze

Einkaufszentren wie der Donaupark müssen zum Verweilen und Wohlfühlen einladen und ein Treffpunkt sein, betonen Helbich-Poschacher und Thun.
Einkaufszentren wie der Donaupark müssen zum Verweilen und Wohlfühlen einladen und ein Treffpunkt sein, betonen Helbich-Poschacher und Thun. © Ludwig Pullirsch Photography

„Der stationäre Einzelhandel funktioniert.“ Daran lässt Leonhard Helbich-Poschacher, Gründer und Eigentümer des Donauparks in Mauthausen, im Gespräch mit dem VOLKSBLATT keine Zweifel. Immerhin hat das Einkaufszentrum kürzlich den 30. Geburtstag feiern können.

Eines der Erfolgsgeheimnisse liege darin, nicht nur zu verkaufen, sind Helbich-Poschacher und sein Schwiegersohn Filippo Thun, der seit Mai 2019 als Centerleiter fungiert, einig.

„Ein Einkaufszentrum muss mehr bieten“, sagt Thun: Die Architektur müsse dazu einladen, „Freunde zu treffen, etwas trinken zu gehen, zu bummeln und eben auch einzukaufen.“

Sehen Online-Shops auch als Chance: Thun (l.) und Helbich-PoschacherEinkaufszentren wie der Donaupark müssen zum Verweilen und Wohlfühlen einladen und ein Treffpunkt sein, betonen Helbich-Poschacher und Thun.
Sehen Online-Shops auch als Chance: Thun (l.) und Helbich-Poschacher ©Haubner

Das habe man vor Ort auch realisiert, so Helbich-Poschacher: „Am Anfang war der Donaupark ein Ort zum Einkaufen. Jetzt ist er Treffpunkt, Unterhaltungspunkt, Verweilpunkt mit dem Schwerpunkt, auch einkaufen zu können. Das größte Kompliment ist, wenn Leute sagen, ,Treffen wir uns im Donaupark’. Wir sind Meetingpoint, haben die Funktion des Marktplatzes.“

Im Lockdown auf die Mieter zugegangen

Die Corona-Zeit stellt freilich eine besondere Herausforderung dar. Von den 59 Geschäften des Donauparks haben 48 geschlossen. Der erste Lockdown im März sei wie ein Keulenschlag gewesen, weil er unvorbereitet kam, so Helbich-Poschacher: „Man muss aber fairerweise sagen, dass die Regierung da aus der Hüfte schießen musste.“ Den jetzigen Lockdown habe man erwartet. Und die Regelung des Umsatzersatzes „ist natürlich erleichternd“.

Man habe aber auch beim ersten Lockdown nicht auf staatliche Hilfsmaßnahmen gewartet, sondern sei proaktiv auf die Geschäftsinhaber zugegangen, sagt Thun: Allen Mieter, die schließen mussten, wurden drei Monatsmieten erlassen. Und auch im jetzigen Lockdown werde es ein großzügiges Entgegenkommen geben. „Denn wir wollen, dass der Donaupark nach Corona genauso besteht wie vorher. Wir wollen keine Mieter verlieren“, betont Thun.

Dennoch ortet Helbich-Poschacher auch Wermutstropfen: Dass der Spielzeugfachhandel schließen muss, Supermärkte aber Spielwaren verkaufen dürfen, „ist ungerecht, denn die saugen das Weihnachtsgeschäft ab“.

„Kategorisches Nein“ zur Sonntagsöffnung

Auf die Frage nach einer Sonntagsöffnung kommt von Helbich-Poschacher ein „kategorisches Nein“. Die Diskussion sei „in einer Phase, in der Geschäftsinhaber irritiert sind und keinen Umsatz machen, unverständlich“.

Eine Herausforderung unabhängig von Corona ist der Online-Bereich. Man könne internationale Online-Riesen aber durchaus schlagen, betont Helbich-Poschacher, „und zwar mit ihren eigenen Waffen in Verbindung mit unseren Stärken“. So sollten regionale Geschäfte Online-Bestellmöglichkeiten mit dem Einkaufserlebnis vor Ort verknüpfen. Centerleiter Thun kann sich sogar vorstellen, dass „Einkaufszentren künftig eigene Online-Shops aufbauen und ihren Mietern als Service anbieten“.

Neben dem Donaupark besitzt Helbich-Poschacher die Firmen Poschacher Baustoffhandel, Poschacher Dachdeckerei, die Poschacher Natursteinwerke und die Austrodach, ein Großhändler für Dachdecker, Spengler und Zimmermeister.

Für diese Unternehmen mit ihren insgesamt rund 250 Mitarbeitern sei 2020 „kein besorgniserregendes Jahr“. Viele Kunden haben etwa besonders in Haus und Garten investiert. Die Corona-Zeit habe zudem dazu beigetragen, „die extreme Hektik im Bau etwas einzubremsen“.

Wie ist Ihre Meinung?