Meinung

von Manfred Maurer

Vermeidbares Drama

Kommentar zum Rücktritt von Premier Johnson.

Manchmal ist das Ende einer politischen Karriere allen außer dem Betroffenen sonnenklar. Wie im Fall Boris Johnson.

Der britische Premier klebte sich an seinen Sessel in Downing Street 10 und wollte nicht wahrhaben, dass das nur noch ein Schleudersitz ist. Die Absetzbewegung bisheriger Weggefährten war zu massiv, als dass Johnson noch eine Chance gehabt hätte. Als letzter begriff er erst am Donnerstag, was seit Wochen klar war: Game over!

Die britischen Konservativen hätten sich dieses für die Partei und das Land, letztlich aber auch für Europa desaströse Politdrama mit etwas mehr Weitsicht ersparen können.

Denn der in Johnson tickende Selbstzerstörungsmechanismus war schon vor 14 Jahren erkennbar, als der neue Tory-Star das Londoner Bürgermeisteramt eroberte. Sein exzentrisches Gehabe, seine mit wirrer Frisur illustrierter Hang zum Erratischen, seinen lockerer Umgang mit der Wahrheit empfanden aber damals viele weniger als Risiko, sondern als erfrischend neu.

Nicht einmal die Lügen, mit denen Johnson später den Brexit-Irrweg einschlug, sensibilisierten die Torys für die Gefahr. Sie kürten einen zum Chef, der sich zwar für eine Reinkarnation Winston Churchills hielt, aber alles andere als ein Staatsmann war. Die Rechnung für diese Fehlbesetzung ist nun fällig geworden.

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