Vermeintlich freier kleiner Grenzverkehr florierte in OÖ

Nach der Ankündigung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag, dass der kleine Grenzverkehr nun wieder geöffnet sei, kannten am Mittwoch etliche Innviertler und Niederbayern kein Halten mehr.

Viele Innviertler nutzten die vermeintliche Freiheit, um ihre Einkäufe wie gewohnt über der Grenze zu erledigen, ergab ein Lokalaugenschein der APA in den Nachbarorten Schärding (Oberösterreich) und Neuhaus (Bayern), getrennt lediglich durch den Inn.

Dabei betonte die Leiterin des oberösterreichischen Krisenstabs, Carmen Breitwieser, in einer Presseausendung eilends, dass „weiterhin die aktuelle österreichische Covid-19-Einreiseverordnung“ gelte, also Quarantäne nach Einreise aus Bayern, und ersuchte vor allem auch Bewohnerinnen und Bewohner im Grenzgebiet, dringend von Einkaufsfahrten ins jeweilige Nachbarland abzusehen. „Freies Einkaufen ist damit bis auf weiteres NICHT möglich“, hieß es.

Davon hatte die Bevölkerung zumindest Mittwochvormittag nichts gehört, denn auf dem Parkplatz einer beliebten Drogeriekette und eines Diskonters gleich über der Grenze in Neuhaus waren bei weitem mehr österreichische als deutsche Autokennzeichen auszumachen.

„Wir haben damit gerechnet“, kommentierte eine Kassierin in der Drogerie die vielen österreichischen Konsumenten, denen sie das Prozedere – jeder nimmt ein Wagerl oder einen Korb, damit nicht zu viele Leute im Geschäft sind – geduldig immer wieder erklärte. Dass dieser Einkauf über der Grenze eine Quarantäne nach sich ziehen könnte, war den Österreicherinnen und Österreichern nicht bewusst.

Auf dem Schärdinger Stadtplatz waren hingegen nur vereinzelt bayrische Autokennzeichen auszumachen – das konnte aber auch am Regenwetter und den noch geschlossenen zahlreichen Lokalen liegen. In Braunau sah die Sache ganz anders aus.

Am beliebten Wochenmarkt tummelten sich zahlreiche Besucher aus Simbach bzw. Bayern, das nur eine Innbrückenlänge entfernt ist, erfuhr die APA aus dem Stadtmarketing. Wie es andersherum aussah, wusste man dort nicht. Kontrolliert wurde Mittwochvormittag an den kleinen Grenzübergängen Braubau-Simbach und Neuhaus-Schärding nicht.

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Verärgert zeigte sich Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) über die Unklarheiten: „Von medialen Ankündigungen haben die Pendler und Pendlerinnen nichts. Was es braucht, sind rasche und verlässliche Regelungen. Ich erwarte mir vom zuständigen Gesundheitsministerium, dass unverzüglich eine neue Verordnung erarbeitet wird“, so Stelzer.

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