Verschollene Bilder: Stadt Linz gibt auf

Luger erklärt Rechtsstreit für beendet – 8,31 Mio. Schadenersatz für Erben von Olga Jäger

Die „Tote Stadt“ ist ein häufig gemaltes Motiv des Expressionisten Egon Schiele
Die „Tote Stadt“ ist ein häufig gemaltes Motiv des Expressionisten Egon Schiele © APA/Stiftung Leopold

Von Heinz Wernitznig

Neun Jahre lang haben die Stadt Linz und die Erben der Kunstmalerin Olga Jäger (1880 – 1965) verbissen einen Schadenersatzprozess um vier verschollene Klimt- und Schiele-Bilder geführt, der vier Mal alle Gerichtsinstanzen durchlaufen hat. Erst Ende Oktober hat das Landesgericht Linz zum zweiten Mal die Wiederaufnahme des Verfahrens, in dem die Stadt rechtskräftig zur Zahlung von 8,310 Millionen Euro verurteilt wurde, abgelehnt.

Nun resigniert die beklagte Partei, wie sie am Freitag via Presseaussendung bekanntgab. Demnach habe Bürgermeister Klaus Luger entschieden, das Verfahren nicht weiter zu führen und keine Berufung einzulegen. Die Stadt übernehme für das Verschwinden der Bilder die Verantwortung.

Fehlverhalten schuld am Verschwinden der Bilder

Begründung: Mit Auftauchen der Klimt-Zeichnung „Zwei Liegende“ im Jänner 2018 gehe man nun davon aus, dass die Bilder der Neuen Galerie (heute Lentos) 1951 von Olga Jäger tatsächlich als Leihgabe übergeben wurden, echt sind und durch das Fehlverhalten einer Bediensteten verschwunden sind.

Wie berichtet hatte eine 1977 pensionierte und 2017 verstorbene Sekretärin der Neuen Galerie das Bild widerrechtlich an sich genommen. Sie bereute dies und verfügte, das Bild nach ihrem Tod der Stadt zurückzugeben. Die Rückgabe der Klimt-Zeichnung ging übrigens am 11. Juli gegen Rückzahlung des anteiligen Schadenersatzbetrages samt Zinsen in Höhe von 67.000 Euro über die Bühne.

Die Suche nach drei Bildern geht weiter

Die Beendigung des Rechtsstreits ändert aber nichts daran, dass die Stadt weiter nach dem Verbleib der drei noch verschwundenen Schiele-Bilder – darunter das auf einen Wert von 6,5 Millionen Euro geschätzte Ölgemälde „Tote Stadt“ – forscht. Auch kriminalpolizeiliche Erhebungen laufen weiter. Die öffentliche Auslobung von 5000 Euro für Hinweise, die zum Auffinden der Bilder führen, ist weiter aufrecht.

Sehr zufrieden zeigt sich im Gespräch mit dem VOLKSBLATT Andreas Cwitkovits, der die siegreichen Kläger vertritt. „Die Stadt Linz hat alle möglichen Argumente bemüht, etwa dass es sich um Fälschungen handelt oder die Ansprüche verjährt sind. Letztlich ist es für sie aber immer teurer geworden“, sagt der Wiener Rechtsanwalt. Ein Vergleich wäre für Linz jedenfalls billiger gewesen, jedoch seien die zahlreichen Vergleichsgespräche ergebnislos geblieben.

Sollten die drei verschwundenen Bilder eines Tages auftauchen, wäre das aus Sicht von Cwitkovits erfreulich. Ausgeschlossen ist das nicht: Wie die Erfahrung zeigt, ist dies oftmals bei Todesfällen, Scheidungen oder Schulden des Besitzers der Fall.