Verstorbene Kleidungsstücke und das Ticken der Zeit

Linzer Ursulinenkirche macht Kunst in der Fastenzeit erlebbar

Eine fast bis zu Gänze aufgelöste Jacke
Eine fast bis zu Gänze aufgelöste Jacke © Heribert Friedl

Von Aschermittwoch bis zum Karfreitag am 2. April wird in der Linzer Ursulinenkirche in der Reihe „Memento mori“ des Forum St. Severin Kunst von Heribert Friedl die Fastenzeit begleiten. Ausgangspunkt zweier künstlerischer Interventionen ist die Auseinandersetzung mit Tod und Zeit.

Bekannt wurde der in der Steiermark geborene und in Wien lebende Künstler mit Arbeiten über Duftstoffe und deren Wirkung. Musik, Klang, Sound und vor allem Geräusche verbindet er zu raumbezogenen Installationen in visuell vermeintlich leeren Räumen.

Die Auflösung der menschlichen Existenz

Für die Krypta der Ursulinenkirche hat Friedl eine Installation aus getragenen, fast bis zu Gänze aufgelösten Kleidungsstücken geschaffen. Die Skulptur schwebt als Hülle eines Körpers zwischen den beiden Mauern mit den Nischengräbern der Ordensfrauen. Der Künstler bezeichnet sie als seine „verstorbenen Kleidungsstücke“.

Die Textilskulptur ist Metapher und Memento mori für die Auflösung der menschlichen Existenz und zugleich Erinnerung.

Eröffnet werden die Arbeiten von Heribert Friedl in der Ursulinenkirche heute um 18 Uhr, um 19 Uhr beginnt eine Klangperformance mit dem Künstler.

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Die Klanginstallation im Kirchenraum dauert rund 15 Minuten und wird täglich um 9, 11, 13, 15, 17 und 19 Uhr zu hören sein. Die Installation in der Krypta ist auf Anfrage (Tel. 0676/87763505) und einzeln zugänglich.

Der barocke Kirchenraum führt die Besucher in eine andere Zeit. Die Fülle und Pracht der Ausstattung sollte den Menschen damals einen Vorgeschmack auf das Paradies, als Zustand himmlischer Freuden und ewiger Sorglosigkeit vor Augen führen.

Die Uhr als Symbol der Unendlichkeit

Heribert Friedl fügt diesem barocken Gesamtkunstwerk mit seinen Bildern, Skulpturen und Ornamenten kein zusätzliches visuelles Element hinzu. Er nutzt vielmehr die spezifische Atmosphäre dieses Raumes, um eine neue Sinneserfahrung zu erzeugen: Die Klanginstallation besteht aus dem Ticken einer Uhr, einem sich verändernden Orgelton, den Flageolett-Tönen einer Gitarre und dem „Atmen“ eines Blasebalgs — und sie unterbricht sechsmal am Tag die Stille der Ursulinenkirche.

Heribert Friedl knüpft mit dem Ticken der Uhr und den Orgelklängen an vertraute Hörerfahrungen und Metaphern zur Begrenztheit von Zeit und menschlicher Existenz an.

Er versteht die Uhr aber auch als Symbol der Unendlichkeit, in Anlehnung an den Lebensrhythmus, der immerfort weitergeht. Die Klänge in unterschiedlichen Frequenzbereichen überlagern einander und scheinen Ort und Zeit entzogen.

Was bleibt, ist die Erinnerung — das Nachleuchten, der Nachhall über die Zeit hinaus. Raum und Klang verschmelzen zu einer Einheit.

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