Thomas Cook ist pleite – Weltweit 600.000 Urlauber betroffen

Nach den Milliardenverlusten und der Zahlungsunfähigkeit des in London börsennotierten Reiseveranstalters Thomas Cook Group plc hängen auch Tausende Urlauber aus Österreich in der Luft. Per heute, Montag, befinden sich 4.600 österreichische Gäste in den Zielgebieten, teile ein Sprecher von Thomas Cook Österreich der APA mit. Für heute und morgen seien je 400 Anreisen geplant.

Reisende müssen jedenfalls trotz Turbulenzen weiter aktiv bleiben, damit ihre Ansprüche nicht verfallen. Der heimische Reiseveranstalter Verkehrsbüro und der zu ihm gehörende Vermittler Ruefa bemühen sich um Lösungen für verunsicherte Urlauber der Reisegruppe Thomas Cook. Pauschale Aussagen, dass Reisende an den beiden Tagen nicht befördert werden könnten, seien nicht zulässig. Sie müssten auf jeden Fall zum Flughafen fahren und vor Ort sehen, ob die Reise angetreten werden könne. Damit sei die sogenannte “Reisebereitschaft” seitens der Kunden sichergestellt. Gleiches gelte für Reisende, die schon am Urlaubsort sind und die Heimreise antreten wollen.

Wer eine Pauschalreise gebucht hatte, ist jedenfalls bessergestellt. Grundsätzlich sollte die Versicherung ihre Reisekosten erstatten und den Rückflug organisieren und bezahlen. Einziges Risiko wäre, dass Thomas Cook unterversichert ist. Sollte dies der Fall sein, würden Kunden ihre Kosten nur anteilig zurückerstattet bekommen.

Weltweit dürften etwa 600.000 Menschen von der Pleite betroffen sein. Außer Deutschland sind vor allem Reisende aus Großbritannien betroffen. Da der britische Konzern nun kein Geld mehr hat und der Betrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt wurde, sitzen allein aus Großbritannien etwa 150.000 Urlauber fest.

Für sie wirft die Regierung in London die “Aktion Matterhorn” an – die größte Rückholaktion in Friedenszeiten seit dem Zweiten Weltkrieg, wie es die Behörden formulieren. Die Luftfahrtbehörde CAA hat Dutzende Maschinen gechartert, um Urlauber von 55 verschiedenen Reisezielen heimzubringen, aus Kuba, Spanien, Griechenland oder den USA. “Jeder einzelne da draußen wird zu der Zeit zurück nach Hause kommen, zu der sein Urlaub endet”, verspricht CAA-Chefin Deirdre Hutton im Sender BBC. Den Anfang machen unter anderem Urlauber auf den griechischen Ferieninseln Kos, Korfu und Zakynthos.

Aus Spanien startete ein erster Sonderflug mit 350 Passagieren an Bord Richtung Glasgow. Mindestens vier weitere Sonderflüge der spanischen Gesellschaft Iberia waren am Montag von Mallorca aus geplant – nach East Midlands, Manchester, Birmingham und Newcastle. Von dort aus soll es mit Bussen in die Heimatstädte gehen.

Geradezu historisch wurde es am Montagvormittag in Manchester. Dort landete nach Flughafenangaben der letzte Flug in der 178-jährigen Unternehmensgeschichte von Thomas Cook. Die Maschine war in der US-Stadt Orlando gestartet, kurz bevor der Konzern den Betrieb eingestellt hat. Passagiere berichteten von emotionalen Szenen an Bord.

“Die Besatzung wusste bis zur Landung nicht, was passiert. Einige haben geweint”, sagt ein Reisender namens Grant am Montag dem Sender Sky News. Die Crew habe sich aber bis zuletzt äußerst professionell verhalten. Passagier Gary Bell berichtete, dass an Bord für die Besatzung gesammelt worden sei. Immer wieder hätten die Reisenden der Crew applaudiert. Die Piloten und das Kabinenpersonal sehen schwierigen Zeiten entgegen – weltweit sind etwa 21.000 Mitarbeiter von der Pleite betroffen, davon rund 9.000 allein in Großbritannien.

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