„Very good, my Schatzis“

Der kanadische Pop/Rock-Barde Bryan Adams vergnügte sich in Clam

Bescherte dem Publikum beglückenden Abend in Clam: der gut gelaunte Bryan Adams.
Bescherte dem Publikum beglückenden Abend in Clam: der gut gelaunte Bryan Adams. © AFP/Kubani

Von Christian Pichler

Ikonische Bilder, seit bald vier Jahrzehnten globales Popkulturgut. Das linke Bein angewinkelt nach vorne geschoben, zuckt im Takt mit. Die Gitarre hochgerissen, der hemdsärmelige Weltstar, nach der dritten Nummer „Run To You“ grüßt er kokett: „Well, guten Abend, my name is Bryan.“ Im Übrigen sei er hier heut’ Nacht der Sänger.

Bryan Adams am Sonntag in Clam, der Kanadier erfreute sich am „beautiful and wet castle“. Feucht nicht nur die Burgmauern, am Abend hatte es ordentlich geschüttet. Mit Ina hörte der Regen auf, ein mehrfach variiertes Sprachspiel ward in Clam geboren. Die in Gallspach aufgewachsene Ina Regen trat vor Bryan Adams auf, genoss sichtlich den Jubel der eigens mitgereisten Fans und wurde für die gefühlvolle Darbietung am Piano gefeiert.

Reinkippen ins wohlige Gefühlsbad

Adams profitierte von den Besänftigungskünsten Ina Regens, zwei Stunden ungetrübtes Pop- und Rock- und Schmachtvergnügen. Auftakt mit „Ultimate Love“, schon bald das tatsächlich himmlische „Heaven“, nach der ersten Zeile übernimmt die Menge im Chor. Eine Band mit einem Ausnahmekönner steht Adams zur Seite, mit Keith Scott spielt er bereits seit seinen Soloanfängen 1981 zusammen. Scott liebkost und würgt seine Gitarre, schmust in einem Jimi-Hendrix-Tribute mit den Saiten, singen kann er auch passabel. Das berühmte Riff, so simpel wuchtig geht Rock, Adams und Scott zelebrieren „It’s Only Love“, der originalen Duettpartnerin Tina Turner wird gehuldigt.

Adams könnte auch richtig auf „wild“ machen, der Blues-Hadern „If Ya Wanna Be Bad — Ya Gotta Be Good“ lässt das ahnen. Aber die dunkle und dreckige Seite des Rock’ n’ Roll blendet Adams weitgehend aus, zu perfekt bedient er Emotionen. Spielt das alte Hin- und Herspiel zwischen Sehnsüchteln und Verlassenwerden, kaum möglich, als Besucher nicht auch in das wohlige Gefühlsbad reinzukippen. Den clamischen Nachthimmel beschwört er mit „(Everything I Do) I Do It for You“, kein Entkommen auch beim fidel-traurigen „When You’re Gone“. Ein kollektives Mitklatschen, der Taktgeber vergibt ein fettes Mitarbeitsplus: „Very good, my Schatzis.“

„Shine A Light“, namensgebend auch für das jüngste Album, live ein laues Song-Lüftchen, Adams hat es auf Tonträger mit dem netten Ed Sheeran eingesungen.

Am beliebtesten sind die alten Hadern

Die Älteren in Clam klatschen höflich, sie gelüstet es nach bewährtem und immergrünem Stoff. „Summer Of 69“, natürlich, „Cuts Like a Knife“, „Kids Wanna Rock“, mindesten die Refrains kann man mitsingen und wird dabei auch noch verdammt sentimental. Überhaupt viel Mitsingerei, Adams der freundliche Dirigent, zu „I Need Somebody“ wirft er ausgewählter Weiblichkeit in den vorderen Reihen Gitarrenplättchen zu. Hostien, quasi. Jeder braucht irgendwen, manche Rockweisheit unkaputtbar, ein vergnügter und beglückender Clam-Auftakt.

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