Viel mehr als ein „Filmkomponist“

Salzkammergut Festwochen: Hommage an Erich Wolfgang Korngold

Würdigung Korngolds: Vinzenz Praxmarer, Orchester Divertimento Viennese
Würdigung Korngolds: Vinzenz Praxmarer, Orchester Divertimento Viennese © Rudi Gigler

Mit einem bemerkenswerten Programm ließen die Salzkammergut Festwochen Gmunden aufhorchen.

Mit einer wahren Hommage an Erich Wolfgang Korngold würdigte man den 125. Geburtstag dieses so lange vergessenen und auch verkannten gebürtigen Wieners jüdischer Herkunft, der immer wieder viel Zeit in Gmunden und Umgebung verbrachte.

Er, der vor den Nazis flüchten musste, brachte es in den USA zu einem weltweit gefeierten Filmkomponisten. Sein übriges Werk war lange Zeit kaum von Interesse.

Vinzenz Praxmarer spannte mit seinem Orchester Divertimento Viennese im erfreulich gut besuchten Toskana Congress einen Bogen vom allerersten Orchesterwerk op. 4 über das längst etablierte Violinkonzert op. 35 bis zur 1953 entstandenen „Straussiana“. War die „Schauspiel Overtüre“ des 14-jährigen Korngold ein grad mal 13 Minuten langer Wurf mit tollen virtuosen Einfällen des späteren Musikgenies, brachte das folgende op. 35 eine wunderbare Begegnung mit Benjamin Schmid.

Der 54jährige Salzburger zeigte sich im Zenit seiner Meisterschaft einer auch schon 30 Jahre währenden internationalen Karriere. Wie er die doch spezielle Tonsprache dieses 1945 in Kalifornien so kurz nach den beiden Film-Oscars entstandenen Meisterwerks erfasst und in ihren so breit angelegten Facetten gestaltet – das rührt wirklich an. Ein Glanzstück die herrliche Romanze. Speziell zu erwähnen die sehr konzentrierte und klangschöne Begleitung durch Praxmarer und sein Orchester.

Das verschlägt den Atem

Das begeisterte Publikum erklatschte eine Zugabe von atemberaubendem Zuschnitt.

Wie der grosse Nathan Milstein vor einem halben Jahrhundert mit seiner „Paganiniana“ fegt Schmid sein Instrument rauf und runter, Zitate von Bach bis Mendelssohn flirren durch den Saal, dass es einem den Atem verschlägt. Apropos Instrument: Nicht auf seiner grandiosen Stradivari, sondern auf der für ihn 2015 gebauten Geige von Wiltrud Fauler demonstrierte er die außergewöhnliche Qualität der heimischen Geigenbau-Meisterin.

Nach der Pause hatte es da sogar Schubert mit seiner sehr beliebten 3. Sinfonie, als 18 Jähriger komponiert, recht schwer. Mit viel Schwung musiziert, etwas überzogenen Tempi, vermisste man den letzten Gestaltungswillen. Gerade im Vergleich zum wenige Tage vorher am nächsten See erlebten „Schubert Krimi“ mit Michi Gaigg und dem L´Orfeo Barockorchester. Was die im Attergau boten, wischt alle konventionellen Hörgewohnheiten beiseite.

Mit Korngolds „Straussiana“ von 1953 fand ein sehr bereichernder Konzertabend seinen gefeierten Abschluss. Ein Dank den Veranstaltern für dieses Musikfest zu Ehren des wiederentdeckten Musikgenies.

K. M. Brandauer widmet seinen Abend am 18. September ebenso Korngold. Und am 24. September Premiere von Korngolds „Die tote Stadt“ im Linzer Musiktheater.

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