Viele Drogensünder & ein Erpresser

7 Tory-Kandidaten nahmen Drogen, Johnson droht EU mit Zahlungsstopp

Boris Johnson empfiehlt sich den Torys als Erpresser der EU.
Boris Johnson empfiehlt sich den Torys als Erpresser der EU. © AFP/Leal-Olivas

Der Kampf um die Nachfolge der britischen Premierministerin Theresa May ist eröffnet und treibt seltsame Blüten: Ein gutes Dutzend Tory-Politiker bewirbt sich um den mit dem Amt des Premiers verbundenen Vorsitz der Konservativen.

Mehr als die Hälfte davon — exakt sieben — haben Drogensünden zugegeben. Sechs haben frühere Cannabis geraucht, Umweltminister Michael Gove, hat sogar Kokainkonsum vor 20 Jahren gestanden.

Kokainmissbrauch hatte Ex-Außenminister Boris Johnson schon 2008 einmal angedeutet, das aber zurückgenommen.

Der Favorit für die May-Nachfolge machte zu Pfingsten anderweitig Schlagzeilen: Er drohte der EU, die für den Brexit vereinbarte Abschlussrechnung in Höhe von 44 Milliarden Euro nicht zu zahlen, bis es bessere Bedingungen gebe. Im Klartext: Johnson will der EU einen neuen Brexit-Deal abpressen. Genau diese Vorgangsweise hatte den Briten übrigens vorige Woche US-Präsident Donald Trump empfohlen.

Die Empörung auf dem Kontinent hielt sich freilich in Grenzen. Dies wohl weniger, weil Johnsons Ansage nicht als empörend empfunden wurde, sondern vielmehr, weil man dem Kandidaten keine größere Bedeutung geben will, als er (noch) nicht hat.

Im Umfeld des französischen Präsidenten Emmanuel Macron machte man aber klar, was Johnsons Vorstoß bedeuten würde: die Pleite Großbritanniens. „Wenn man seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt, verstößt man gegen internationale Zusagen, was einem Zahlungsausfall von Staatsschulden entspricht“, so ein Macron-Vertrauter.

Der ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, Othmar Karas, kritisierte Johnson scharf. Ein Zurückhalten von Zahlungen sei ein Rechtsbruch und lande beim Europäischen Berichtshof. Ohne Rückzahlung werde es keine Zustimmung (des EU-Parlamentes, Anm.) zum Brexit-Vertrag geben.

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