Viele Herzen in einer Brust

Mission Mars: „Proxima - Die Astronautin“ mit hervorragender Eva Green

Sarah (Eva Green) und Stella (Zélie Boulant-Lemesle) müssen sich verabschieden.
Sarah (Eva Green) und Stella (Zélie Boulant-Lemesle) müssen sich verabschieden. © Filmladen

Sarahs Gesicht strahlt, sie kann ein Lächeln kaum zurückhalten, durch ihre Augen sickert das Glück. Es sind Strapazen, Qualen, Leid und viele Schmerzen, die ihr das Vorbereitungsprogramm für die Mission ihres Lebens bereitet. Aber es ist auch die pure Erfüllung, die sie spürt.

Sarah wusste bereits als Kind, dass sie Astronautin werden wird. Nun ist es soweit: Sie soll die erste Frau sein, die den Mars erforscht. Sie wird nicht auf Geschäftsreise gehen, sie wird ihre Familie nicht etwa selten sehen, weil sie viel arbeiten muss. Sarah wird die Erde für ein Jahr verlassen und, das für eine Mission, die bereits in der Vorbereitung ihre ganze Konzentrationn verlangt.

Regisseurin Alice Winocour erzählt in „Proxima“ die Geschichte einer Astronautin, setzt dabei aber auf die Beziehungen zwischen ihren Akteuren, auf die emotionalen Herausforderungen, die eine Arbeit, die mehr Berufung als Beruf ist, mit sich bringt. Nicht die Weiten des Alls stehen im Mittelpunkt dieser Erzählung, sondern die kleinen Dramen, die unter uns Menschen herrschen. Und Winocour erzählt die Geschichte einer Frau, die, anders als ihre hauptsächlich männlichen Kollegen, als Mutter heraussticht und — vielleicht auch vom Kinopublikum — kritisch beäugt wird.

Mutter und Astronautin: Mission abgeschlossen

Eva Green ist hervorragend in der Rolle der Sarah, die ihre kleine Tochter ohne Zweifel liebt, die aber auch ein klares Ziel hat und deren Begeisterung für ihren Beruf auf tiefster Seele kommt. Tochter Stella (Zélie Boulant-Lemesle) weiß um die Liebe ihrer Mutter zu ihr, aber auch um die, die sie für das Weltall, die Forschung hegt. „Deine Mutter liebt das“, erklärt Stellas Vater Thomas (Lars Eidinger) medizinische Tests, die Sarah über sich ergehen lassen wird. Trotzdem leidet Stella, will ihre Mutter nicht gehen lassen und spürt, dass der größte Wunsch von Sarah im Grunde nichts mit ihr zu tun hat. Sie wird nun bei ihrem Vater leben, sich in einer für sie unbekannten Welt zurechtfinden müssen. Und damit tut sich Stella erst sichtlich schwerer, als ihre Mutter, die für den Mars alles zurücklassen muss und wird.

Es ist aber keine Entweder-Oder-Situation, in der sich Sarah befindet. Die Geschichte räumt auf mit der Vorstellung, dass am Ende eine Entscheidung stehen muss, die mindestens ein Herz zerrissen zurücklässt. In Sarahs Brust schlagen viele, und jedes mit voller Berechtigung, Inbrunst und Leidenschaft. Sie vergießt Tränen, als sie hört, dass ihre Tochter keine Freunde findet, aber auch, als das so realistisch wirkende Training mit ihrem Team (Matt Dillon und Aleksey Fateev) sie an ihre Grenzen bringt.

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Grandios ist an „Proxima — Die Astronautin“auch der Abspann, in dem Regisseurin Alice Winocour „reale“ Astronautinnen mit ihren Kindern und ihren absolvierten Weltraumflüge zeigt. Mission abgeschlossen.

Von Mariella Moshammer

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