Viele Sommerbühnen bleiben leer

Auch Helfenberg wurde abgesagt, adaptiertes Programm auf Schloss Tillysburg und in Grein

Szene aus „Krach im Hause Gott“, das Mitterer-Stück ist nach 2019 auch heuer bei den Festspielen Schloss Tillysburg zu sehen.
Szene aus „Krach im Hause Gott“, das Mitterer-Stück ist nach 2019 auch heuer bei den Festspielen Schloss Tillysburg zu sehen. © Nelli Paakkanen

„Es tut allen weh. Jeder möchte im Sommer gerne spielen“ sagt Gabriele Revertera, Obfrau des Theaters in der Kulturfarbrik in Helfenberg. Schon vor der Verlautbarung der Lockerungen am Montag hatte man sich dazu entschlossen, den diesjährigen Theatersommer abzusagen.

„Mit einer Besetzung des Zuschauerraumes im Schachbrettmuster wäre es schwierig geworden. So etwas funktioniert nicht bei kleinen Indoor-Theatern, da geht jeder Sitzplatz ab. Wir hätten doppelt so oft spielen müssen, um finanziell bestehen zu können“, so Revertera.

Abgesehen davon, habe man auch in Sachen Corona-Virus keinerlei Risiko eingehen wollen. Das für heuer vorgesehene Stück „Shakespeare In Love“ wird 2021 gegeben. Geprobt werde aber schon in diesem Sommer, so will man die Darsteller finanziell unterstützen. Bereits gekaufte Karten für 2020 können zurückgegeben oder gegen Tickets für die nächste Saison eingetauscht werden.

Viele Sommertheater haben, wie berichtet, für heuer schon abgesagt und ihr Programm – so weit das möglich war – verschoben, darunter jene in Wilhering, Leopoldschlag, Bad Leonfelden oder Perg. „Wir spielen“, sagt hingegen Nikolaus Büchel, Intendant der Schlossspiele Tillysburg.

„Wir haben das Programm so reduziert, dass wir für 100 Personen spielen können und einigermaßen mit dem Budget hinkommen — wenn uns die Zuschauer nicht verlassen.“ Es wurden Stücke gewählt, die mit eher wenig Bühnenpersonal auskommen, die Frequenz der Vorstellungen etwas erhöht. Was sonst wetterbedingt ein Nachteil sein könne, erweise sich heuer als Vorteil: „Wir können flexibel sein vom Platz her, weil wir im Freien spielen.“

Die geplante Uraufführung von Hermann Bahrs Komödie „Das Prinzip und der Krampus“ wird auf das nächste Jahr verschoben. Da würden einfach zu viele Leute auf der Bühne stehen, so Büchel. Gezeigt wird wie geplant Grillparzers „Weh dem, der lügt“, zudem hat man sich für das Einpersonenstück „Leutnant Gustl“, das Aaron Karl spielen wird, und die Komödie „Oh, mein Gott“ der israelischen Autorin Anat Gov entschieden. Wieder aufgenommen wird „Krach im Hause Gott“ von Felix Mitterer. Gestartet wird in Tillysburg am 9. Juli mit „Weh dem, der lügt“.

Auch die Vorbereitungen für den Theatersommer Grein und die Nepomuk(SEE)Festspiele in Waldhausen laufen auf Hochtouren. In Grein sollen fast alle Termine wie geplant stattfinden, gespielt wird „Babytalk“ von von Peter Lund und Thomas Zaufke.

Von Melanie Wagenhofer


Proben mit Abstand und ohne Kampf, Kuss & Action

Brigitta Waschnig und John F. Kutil gehören zum Team der Kulturfabrik Helfenberg und wären am Proben für „Shakespeare In Love“. Doch auch das Leben des Künstler-Ehepaares wurde durch die Corona-Pandemie auf den Kopf gestellt.

Es sei grundsätzlich gut, dass es wieder losgehe, sagt Kutil, und dass auch ein paar im Sommer das Spielen wagen. „Da ist zumindest die Hoffnung da, dass man im Herbst wieder zum Normalbetrieb zurückkommen kann.“

Für die Produktion in Helfenberg seien die neuen Verordnungen aber zu spät gekommen, sagt Waschnig. Der Juli werde nun für zehn Tage Vorproben für nächstes Jahr genutzt, erklärt Waschnig, die die Regie bei „Shakespeare In Love“inne hat. „Für alle Beteiligten verschiebt sich ja alles nach hinten, Proben für andere Produktionen ja auch. Ich weiß gar nicht, ob ich nächstes Jahr zeitgerecht mit den Proben anfangen könnte.“ Jetzt seien aber alle frei und „wir werden mit Abstandsregel proben und natürlich keine Kampf- und Kuss- und Actionszenen. Das geht nicht.“ Das Geschehen auf der Bühne passiert laut Verordnung in Eigenverantwortung. „Wir möchten aber niemanden von den Kollegen gefährden“, betont Kutil, der in Helfenberg auch selbst auf der Bühne stehen wird. „Alle freuen sich, jetzt wieder einmal arbeiten zu können.“

Mit der Situation etwa bei den Salzburger Festspielen lasse sich das nicht vergleichen. „Die können es sich leisten, dass sie das gesamte Ensemble durchtesten lassen“, so Kutil

Die beiden Künstler sind normalerweise auch als Cliniclowns tätig, was in Corona-Zeiten nicht möglich war und jetzt erst langsam wieder anfängt, ebenso wie die Unterrichtstätigkeit von Brigitta Waschnig und ihr Einsatz als Schauspielpatientin an der MedUni. John F. Kutil hat Corona mitten in der Arbeit an der Oper Graz „erwischt“. „Von einem Tag auf den anderen waren die Vorstellungen aus.“ Die Oper habe sich kulant gezeigt und einen Teil der Vorstellungen gezahlt, aber sonst sei auf einmal alles weggebrochen. „Als Freischaffender ist man es gewohnt, zwischendurch einmal eine Durststrecke zu haben“, erklärt Kutil. Aber man habe zumindest immer die Perspektive, dass eine neue Produktion anfange. Jetzt lebe man mehr oder weniger vom auch zu Ende gehenden Ersparten.

Alle müssten versuchen, das Beste draus zu machen, auch in anderen Branchen, sagt Kutil: „Wir Künstler sind keine Einzelschicksale, aber alle hoffen halt, dass es langsam wieder losgehen wird. Nach der Pest haben sie auch wieder Theater gespielt.“

Von Mariella Moshammer

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