Vieles neu macht der Martin Kusej

Mit 12. September erwartet uns ein „neues“ Burgtheater in Wien

Sie bleibt, er pausiert: Marie-Luise Stockinger und Nicholas Ofczarek in der Burgtheaterproduktion „Schlechte Partie“
Sie bleibt, er pausiert: Marie-Luise Stockinger und Nicholas Ofczarek in der Burgtheaterproduktion „Schlechte Partie“ © APA/Schlager

Man weiß, wie schwer es einem Publikum fallen kann, mit neuen Gesichtern konfrontiert zu werden: Anna Bardora tat es vor vier Jahren im Volkstheater, man hatte Mühe, sich an die Leute zu gewöhnen. Es ist gar nicht einfach, in Wien den Status eines „Lieblings“ zu erlangen. Und wenn diese Lieblinge dann weggehen (oder entfernt werden), können die Österreicher und im Besonderen die Wiener geradezu beleidigt sein.

Nun, die Jahresvorschau des Burgtheaters von Martin Kusej für seine erste Spielzeit 2019/20 liegt vor. Nun weiß man auch, welche Schauspieler bleiben, welche gehen, welche kommen. Der Aderlass war bei den Herren größer als bei den Damen. Da ist es vor allem bei den „berühmten“ Namen geblieben, deren Kündigung so viel Aufsehen erregt hat: Christiane von Poelnitz, die eine Art „Star“ des Hauses war und nach Hamburg geht, Aenne Schwarz, die sich am Burgtheater so interessant entwickelt hat, und Petra Morzé, die so vielfältig einzusetzen gewesen ist. Auch die junge Alina Fritsch hat es nicht zu Kusej geschafft (ihre Mutter, Regina Fritsch, darf bleiben), ebenso wenig die junge Irina Sulaver, die oft so positiv aufgefallen ist.

Minichmayr-„Rückkehr“

Unter den jungen Damen hat das Burgtheater glücklicherweise die hochbegabte Oberösterreicherin Marie-Luise Stockinger behalten, im übrigen einige ältere Damen wie Elisabeth Orth, Elisabeth Augustin und Barbara Petritsch. Der derzeitige „Damen-Mittelbau“ des Burgtheaters hat es fast komplett in die nächste Direktion geschafft. Auch Andrea Clausen ist dabei, die in letzter Zeit aus Krankheitsgründen selten gespielt hat, aber ein sehr kostbares Ensemblemitglied ist. Birgit Minichmayr ist ein Sonderfall: Kusej, an dessen Münchner Residenztheater sie gespielt hat (u.a. die „Hedda Gabler“, als die sie auch in Wien gastierte), spricht von ihrer „Rückkehr“ an das Burgtheater, während Karin Bergmann immer betont hat, dass die Minichmayr immer wieder „an der Burg“ gespielt hätte. Tatsache ist, dass man mit ihr eine Schauspielerin hat, die auch das Publikum anzieht.

Bei den Herren verzeichnet man erst einmal, wer schmerzlich fehlt: Joachim Meyerhoff ist angeblich auf eigenen Wunsch gegangen, weiter nach Berlin gezogen, es schien ihm eine günstige Zäsur dafür, nicht allzu lange an einem Ort zu bleiben. Gekündigt wurde Fabian Krüger, sicher einer der besten und interessantesten Darsteller des Hauses. Eine angeblich freiwillige Pause legt mit Nicholas Ofczarek ein „Star“ der Burg ein. Bei den „Jungen“ mussten mit Sven Dolinski und dem Oberösterreicher Valentin Postlmayr zwei besonders Begabte ihren Hut nehmen. Als Ensemblemitglieder werden zwei hochkarätige alte Herren geführt, aber die Chance, dass Doyen Michael Heltau oder dass Klaus Maria Brandauer noch am Burgtheater spielen, scheint gering. Michael Maertens, Markus Meyer, Johannes Krisch oder Peter Simonischek sind hochgradige Persönlichkeiten, auch Martin Wuttke (der allerdings immer nur als Gast da war) wird genannt — aber Kusej hat bei der Pressekonferenz für die kommende Saison noch keine Besetzung bekannt gegeben.

Moretti & Teichtmeister

Und er muss ja nun auch die Schauspieler beschäftigen, die er mitbringt, das sind gut 30 Personen. Einige kennt man — Tobias Moretti, Kusej sehr verbunden, für den er in Wien schon den König Ottokar gespielt hat und der dabei war, als er seine Intendanz am Münchner Residenztheater eröffnet hat (mit Schnitzlers „Weitem Land“). Kusej bringt einige Schauspieler aus anderen Wiener Häusern an das Burgtheater: Florian Teichtmeister aus der Josefstadt, Till Firit aus dem Schottenberg-Volkstheater (der musste bei Anna Badora gehen), Rainer Galke aus dem Badora-Volkstheater.

Unter den vielen neuen Namen werden sicher Gesichter auftauchen, die man gelegentlich im Fernsehen gesehen hat, für das Wiener Theater sind die Damen und Herren neu. Jeder von ihnen wird — wie jeder Schauspieler an jedem Theater — um Rollen und Positionen zu kämpfen haben. Kusej hat außerdem seinen Wunsch betont, „dass die Schauspielerinnen und Schauspieler, die fest im Ensemble engagiert sind, uns voll zur Verfügung stehen und nicht noch an anderen Theatern spielen“, wie er in einem Interview sagte.

So wird die „alte Garde“ mit den „Neuen“ zusammen wirken müssen, um des neuen Direktors Intention zu erfüllen: „Mir ist vor allem wichtig, dass der Begriff ,Burgtheater-Ensemble’ wieder einen echten, unverwechselbaren Wert darstellt und dass alle, die dazugehören, auch tatsächlich stolz darauf sein können.“ Man kann davon ausgehen, dass altgediente Mitglieder des Hauses auch bisher schon stolz auf ihre Zugehörigkeit zu diesem Burgtheater waren.

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