57. Viennale mit einer politischen Gala der Frauen eröffnet

Die Viennale 2019 ist offiziell eröffnet: Mit der traditionellen Eröffnungsgala im Gartenbaukino ist Österreichs größtes Festival in seine 57. Ausgabe gestartet. Nach Wortspenden von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) läutete Festivalchefin Eva Sangiorgi die zweite Viennale unter ihrer Ägide ein.

Die Italienerin erinnerte zum Auftakt an den erst vor kurzem im Alter von 95 Jahren verstorbenen Viennale-Ehrenpräsidenten Eric Pleskow – mit einem Audiofile von dessen legendärer, gewohnt politischer Eröffnungsrede 2012. Auch Sangiorgi stimmte die Anwesenden in ihrer Ansprache auf eine politische Ausgabe ein. Von der Ukraine über Hongkong bis zur Türkei seien die Menschen angesichts einer drückenden ökonomischen Situation, dem Druck von Grenzen oder aufgrund politischer Repression in Aufruhr: “Wir müssen uns heutzutage an die Notwendigkeit des Widerstands erinnern – mehr denn je.” Die Aufgabe der Filmfestspiele sei dabei klar. “Ich sehe die Viennale als ein Festival, das seine Wurzeln in der eigenen Geschichte und in der Geschichte als solches hat”, so die 41-jährige Festivalchefin.

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein – mit tosendem Applaus empfangen – verwies angesichts des feministischen Eröffnungsfilms auf die Position der Frau im Allgemeinen: “Die Rolle der Frau in der Gesellschaft ist nach wie vor von höchster Relevanz.” Nicht zuletzt das Kino sei hier ein wichtiger Ort der Reflexion: “Wir gewinnen daraus einen anderen Blick auf uns selbst und auf andere.” In Zeiten, in denen Diskussionen allzu oft von Unwissenheit und Halbwissen geprägt seien, gelte: “Film ist ein relevantes Medium und der Kinosaal ein besonderer Raum, der Menschen zusammenbringt.” Und dies sei in unserer Zeit notwendiger denn je: “Auch die Politik muss sich immer erneuern, um Antworten auf die aktuellen Fragen zu finden.”

Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) zeigte sich angetan von den Worten ihrer Vorrednerin: “Die Frau Bundeskanzlerin hat mich sehr positiv überrascht. Es ist schon sehr, sehr, sehr lange her, dass ich einem Bundeskanzler oder einer Bundeskanzlerin zustimmen konnte – und das freut mich heute besonders.” Die Viennale als Festival sei ein Feuerwerk. “Und ich hoffe, dass Sie dieses Feuer weitertragen”, appellierte sie an die Zuschauer.

Nach dem Damentrio der Rednerinnen erstrahlte dann erstmals der heurige Viennale-Trailer der argentinischen Regisseurin Lucrecia Martel auf der Leinwand, bevor auch beim Eröffnungsfilm die Frauen regierten. So kommt Celine Sciammas “Portrait de la jeune fille en feu” (“Porträt einer jungen Frau in Flammen”) doch praktisch ohne Männer aus. Hauptdarstellerin Adele Haenel war hierfür eigens zur Eröffnung nach Wien gereist. “Es ist ein Film, in dessen Zentrum Homosexuelle stehen”, so die Französin. Und genau um diese Art des Blickwechsels im Kino gehe es.

Bis sich am 6. November erneut alle zur Abschlussgala im Gartenbaukino zur Österreichpremiere der italienischen Erfolgsproduktion “Martin Eden” und zur Vergabe der heurigen Viennale-Preise versammeln, stehen nun in diversen Wiener Innenstadtkinos gut 300 Werke aus 40 Ländern auf dem Programm.

Zu sehen sind etwa die neuen Arbeiten von Marco Bellocchio (“Il Traditore”), den Gebrüdern Dardenne (“Le jeune Ahmed”) oder Elia Suleiman (“It Must Be Heaven”). Auch Nadav Lapids Berlinale-Gewinner “Synonymes” oder Agnes Vardas letzter Film “Varda par Agnes” werden projiziert. Und nicht zuletzt gibt auch das österreichische Filmschaffen heuer ein starkes Statement von sich, wenn neben Jessica Hausners Cannes-Schauspielgewinner “Little Joe” etwa auch Sabine Derflingers Politikerinnenporträt “Die Dohnal” Premiere feiert.

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