Vier Frauen und ein Coup

Exzellenter Thriller: „Widows“ von Steve McQueen

Der durchtriebene Politiker Jack Mulligan (Colin Farrell) kondoliert Veronica Rawlin (Viola Davis).
Der durchtriebene Politiker Jack Mulligan (Colin Farrell) kondoliert Veronica Rawlin (Viola Davis). © Centfox

Von Philipp Wagenhofer

Witwer, die rot sehen, also die Pobacken zusammenkneifen und auf Rachefeldzug gehen, gibt es im Kino genug. Warum sollte dies umgekehrt nicht auch möglich sein? Okay, die Pobacken lassen wir aus sexistischen Gründen weg, aber es werden die Muskeln angespannt, wenn unsere vier Witwen losziehen, um den Verlust ihrer besseren Hälften, die freilich eher Sauhunde waren, zu kompensieren. Dem vorangegangen ist ein Raubüberfall unter der Leitung von Harry Rawlin (Liam Neeson), der von der Chicagoer Polizei abrupt beendet wird und vermeintlich alle per Sprengstoff die Himmel- oder Höllenfahrt antreten.

Der britische Oscar-Regisseur Steve McQueen, ein Meister seines Fachs, schafft in seinem 130-Minuten-Streifen über weite Strecken Kurzweil. Neben den rasanten Action-Szenen und dem coolen Schauplatz Chicago überzeugen die vier sehr verschiedenen „Weiber“, die nach dem Tod ihrer dominanten Männer auf sich und die Probleme des Alltags zurückgeworfen werden. Sie schlagen sich fortan emanzipiert durchs Leben, wollen einen Coup landen. Allen voran Rawlins Frau Veronica, von Viola Davis als unbedarft wirkende Ehefrau gespielt, die sich fulminant zur Checkerin steigert, bestimmt den Fortgang. Und der politische Strang, der von Robert Duvall und Colin Farrell bedient wird, die sich in schmutzigen Machenschaften aufreiben, ist stark. Vier Frauen und ein Todesfall: der mächtige Tom Mulligan (Duvall).