Vier Gewinner und ein blauer Absturz

SPÖ, ÖVP, Grüne und Neos legen bei Wien- Wahl zu — HC dürfte scheitern

Noch stützt sich der voraussichtliche Wahlausgang — siehe Grafik — auf Hochrechnungen, denn die Wahlkarten werden erst heute ausgezählt. Doch auch die Schwankungsbreite der diversen Hochrechnungen gab am Sonntag dem Team Strache kaum eine Chance, die Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug in den Wiener Landtag zu überspringen. Um Platz vier und fünf matchten sich Neos und die FPÖ, die um mehr als 20 Prozentpunkte abstürzte.

Wahlsieger Michael Ludwig (SPÖ) zeigte sich mit dem Ergebnis „sehr zufrieden“. Er wollte sich am Abend aber auf keine Koalitionsaussagen festlegen, „wo es politische Schnittmengen gibt, werden die Gespräche zeigen“. Ziel sei es, „die Interessen der Wiener Bevölkerung gößtmöglich zu vertreten“.

Ob sich die ÖVP, die sich in etwa verdoppelt hat und von Platz vier auf Platz zwei sprang, in einer Koalition mit der SPÖ wiederfindet, ist für Parteichef Gernot Blümel offen. Man müsse das Endergebnis abwarten, „dann wird verhandelt“, so Blümel, der über das ÖVP-Ergebnis „ausschließlich Freude“ empfand. Und, so der Finanzminister und Wiener Spitzenkandidat: „Wir haben um jedes Prozentpunkterl gekämpft“.

„Unglaublicher Erfolg“

Für ÖVP-Bundesparteichef Bundeskanzler Sebastian Kurz ist das Wiener Ergebnis „ein unglaublicher Erfolg“, die ÖVP habe nun bei der achten Landtagswahl in Folge ein gutes Ergebnis erzielt. Gratulationen an Blümel und die Wiener ÖVP kamen auch aus den Bundesländern. OÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer gratulierte zum besten Ergebnis seit 30 Jahren. „Sowohl der Sieg von Gernot Blümel als auch das Ergebnis von Michael Ludwig zeigen, dass in Zeiten der Krise Vertrauen und Verantwortung zählen. Die Menschen erwarten sich einen klaren und soliden Kurs. Das ist auch der Kompass unserer Politik in Oberösterreich“, so Hattmannsdorfer.

Was die künftige Wiener Koalition betrifft, gaben sich Birgit Hebein (Grüne) und Christoph Wiederkehr (Neos) weniger bedeckt als Ludwig und Blümel. Für Hebein ist das Wahlergebnisse mit Gewinnen für den bisherigen Koalitionspartner ein „klarer Auftrag, mit Rot-Grün weiterzumachen“. Den Platz als Partner an der Seite Ludwigs will den Grünen aber Neos-Chef Wiederkehr streitig machen. Die Neos wollen „Wien in einer Reform-Koalition erneuern, wir bringen Zukunftskompetenz mit“.

Für FPÖ-Spitzenkandidat Dominik Nepp ist der Verlust von mehr als 20 Prozentpunkten „schmerzlich“. Das Ergebnis habe aber in Ibiza seinen Ausgangspunkt. Gefragt danach, ob er an Rücktritt denke, meinte er, dass nun einmal das Ergebnis analysiert werden müsse.

Der ehemalige Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat die Hoffnung, mit seinem Team Strache in den Gemeinderat einzuziehen, noch nicht aufgegeben. „Ich bin zuversichtlich, dass wir noch deutlich über fünf Prozent kommen“, sagte er im ORF nach den ersten Hochrechnungen, die jedoch alle das Team HC mit großer Wahrscheinlichkeit draußen sahen.

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