Vier zentrale ÖVP-Forderungen sollen Pflege langfristig absichern

Hattmannsdorfer und Wöginger präzisieren: „Mobil statt stationär“ — Genug Pflegekräfte — Mitarbeiterentlastung — Finanzierung sichern

Die beiden ÖVP-Sozialsprecher Wolfgang Hattmannsdorfer (Land OÖ/l.) und August Wöginger (Bund) setzen sich für eine nachhaltige Absicherung der Pflege ein.
Die beiden ÖVP-Sozialsprecher Wolfgang Hattmannsdorfer (Land OÖ/l.) und August Wöginger (Bund) setzen sich für eine nachhaltige Absicherung der Pflege ein. © OÖVP/Wakolbinger

Die beiden ÖVP-Sozialsprecher LAbg. Wolfgang Hattmannsdorfer (Land OÖ) und NR-Abg. August Wöginger (Bund) präsentierten am Freitag ein gemeinsames Programm zur langfristigen Absicherung der Pflege — mit vier zentralen Forderungen an die nächste Bundesregierung. Denn das Thema Pflege sei die wichtigste soziale Frage des 21. Jahrhunderts.

Pro Tag nimmt etwa die durchschnittliche Lebenserwartung in Mitteleuropa um rund sechs Stunden zu — und damit auch das Risiko der Pflegebedürftigkeit. Der Anteil der Senioren in Oberösterreich wird bis zum Jahr 2040 von 18 auf über 27 Prozent steigen. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird Prognosen zufolge landesweit von derzeit rund 80.000 auf zirka 126.000 im Jahr 2040 steigen.

Bonus für Pflege daheim

„Mobil vor stationär“ — Entlastung für Pflegende Angehörige und Förderung der Pflege in den eigenen vier Wänden: In OÖ werden 80 Prozent aller Pflegebedürftigen daheim betreut. „Es braucht einen Paradigmenwechsel beim Pflegegeld. Viele Heime sind mittlerweile voll ausgelastet. Durch den Wegfall des Pflegeregresses ist die Nachfrage nach Heimplätzen zusätzlich gestiegen.

Daher braucht es vor allem einen Bonus für die Pflege zuhause. Der größte Wunsch der älteren Menschen ist es, so lange wie möglich daheim zu blieben. Es ist unser Ziel, dass jeder Mensch, solange er das möchte, daheim betreut und gepflegt wird. Auch soll es zu einer dringend notwendigen Entlastung pflegender Angehöriger kommen“, sind sich Hattmannsdorfer und Wöginger einig.

Pflege als Lehrberuf

Sicherstellung von ausreichend Pflegekräften: In der Altenbetreuung werden laut Prognosen allein in OÖ schon bis 2025 insgesamt 1600 zusätzliche Vollzeitkräfte in der Pflege gebraucht. „Ziel muss sein, die Pflegeausbildung gerade für junge Menschen so attraktiv wie möglich zu gestalten und die Ausbildungslücke zwischen der Beendigung der Schulpflicht und dem 17. Lebensjahr zu schließen. Viele jungen Menschen, die sich für einen Lehrberuf Pflege interessieren, gehen leider verloren, weil die Pflegeausbildung erst ab 17 Jahren möglich ist“, so Hattmannsdorfer und Wöginger.

Entlastung der Pflege-Mitarbeiter: „Es geht darum, Menschen zu pflegen und nicht irgendwelche Akten. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter ist eine zentrale Aufgabe. Im Sozialbereich wurde ein Bürokratieberg geschaffen, unter dem die Mitarbeiter täglich leiden und der wertvolle Zeit raubt, die für die eigentliche Arbeit für und am Menschen genutzt werden sollte“, plädieren Wöginger und Hattmannsdorfer für eine Deregulierung etwa bei den Dokumentationspflichten.

Mittel bei AUVA bündeln

Nachhaltige Finanzierung der Pflege: Die pflegerische Grundversorgung soll nicht anders behandelt werden als die medizinische Grundversorgung. Beides muss finanziell auf gesicherten Beinen stehen. Daher soll neben der Kranken-, Pensions-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung die Pflegeversicherung als fünfte Säule einführt werden. „Die derzeit für die Pflege zur Verfügung stehenden rund fünf Milliarden Euro sind wie ein Fleckerlteppich verteilt“, erklärt Wöginger.

„Wir wollen diese Mittel künftig in einem Topf bündeln, für den die AUVA zuständig sein soll. Die dort eingehobenen Dienstgeberbeiträge wurden von 1,3 statt auf 0,8 nur auf 1,2 Prozent reduziert. Die frei werdenden Mittel von rund 400 Mio. Euro sollen in diesen Pflegetopf fließen.“ Wie in der Pensionsversicherung soll es auch in der Pflegeversicherung eine Abgangsdeckung durch das Bundesbudget geben. Die Menschen müssen einfach die Sicherheit haben, eine notwendige Pflege auch zu bekommen.

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