Vokale Kunst aus fünf Jahrhunderten

Von Paul Stepanek

Das bekannte und beliebte Vokalensemble „Voices“ gestaltete am Sonntag in der überaus stimmungsvollen Linzer Ursulinenkirche den vierten und abschließenden Teil des Passionszyklus der musica sacra mit dem Titel „Lamentations“ (Klagelieder). Für die Widmung des Konzerts an den am 10. April verstorbenen Balduin Sulzer, von dem außer Programm seine sehr berührende Vertonung des 23. Psalms aufgeführt wurde, hätte sich kein passenderer Titel finden können.

Die eigentliche Werkfolge umfasste vielfältige Variationen des Passionsthemas „Klage, Leid, Mitleid, Trauer“ aus fünf Jahrhunderten und war quasi zyklisch in die namengebenden „Lamentations“ des Renaissance-Komponisten Robert White eingebettet. Im Vordergrund des frühen Abends standen verschiedenste Spielarten kunstvoller Polyphonie und Kontrapunktik aus Renaissance (Robert White, Orlando di Lasso, Claudio Monteverdi, Tomas L. de Victoria, William Byrd, Erasmus Widmann) und Barock (Antonio Lotti, Henry Purcell, Johann L. Bach) und des „Grenzgängers“ zwischen beiden Stilen, Heinrich Schütz. Werke des 19. und 20. Jh. von Anton Bruckner, Francis Poulenc und John Tavener, die leider etwas unterrepräsentiert waren, brachten reizvolle und nicht minder kunstvolle Abwechslung.

Zusammen mit Ensemble-Leiter Josef Habringer (Tenor) bot das sehr homogen wirkende „Sextett“, das auch Sopran (Andrea Schedlberger), Mezzosopran (Renate Reichl), Altus/Bariton (Gottfried Haider), Bariton (Paul Grünbacher) und Bass (Wolfgang Rath) umfasst, vokale Kunst auf hohem Niveau. Die stilistischen Eigenheiten der jeweiligen Kompositionen forderten einerseits Gleichgewicht aller Stimmen, andrerseits aber auch Akzentuierung (vorzugsweise der Oberstimmen). Diesem Wechselspiel der Nuancen und Kräfte, das klanglich Gleichschritt, Dominanz und Unterordnung von Mal zu Mal anders einfordert, wurde von den sechs „Voices“ bewundernswert entsprochen.

Das zahlreiche Publikum gab empathisch viel herzlichen Beifall.

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