Volvo XC40 T5: An der langen Leine

Volvo hängt sein kleinstes SUV an die lange Leine, will heißen: Die Schweden verbauen im XC40 einen Dreizylinder plus einen Elektromotor, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Rein elektrisch fährt der Hochsitz in der Praxis gut 40 Kilometer weit – das prädestiniert ihn zum hippen Stadtfahrzeug.

Volvo hat sich ja vom Dieselmotor verabschiedet und kürzlich noch dazu eine freiwillige Selbstbeschränkung auf 180 km/h Höchstgeschwindigkeit auferlegt. So bleibt man als relativ kleiner europäischer Hersteller (wenn auch unter chinesischer Hoheit) im Gerede.

Was Volvo nämlich auch konsequent forciert ist die Hybrid-Technologie, so auch im kleinsten SUV der Marke im XC40. Kombiniert werden im Plug-in ein Dreizylinder-Benziner mit 180 PS und ein Elektromotor mit 82 PS.

Typenschein

Volvo XC40 T5 Twin Engine Inscription

Preis: ab € 50.080,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 60.688,- unter anderem inklusive Park-Assistent Paket € 1200,-, IntelliSafe-Pro Paket € 1620,-, Laderaum Pro-Paket € 600,-, Licht-Paket € 960,-, Sitzkomfort-Paket € 780,- Winter Plus-Paket € 540,-, Xenium-Paket € 1560,-, elektrischer Kindersicherung € 84,-, Alarmanlage € 480,- und induktivem Ladesystem € 216,-; einen Volvo XC40 (Momentum Core) gibt es ab € 30.990,-
NoVA/Steuer: 0 %/ € 665,28 jährlich
Garantie: 2 Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 3 Jahre Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung
Service: alle 30.000 km oder jährlich

Technische Daten:
Benzinmotor: R3, 12V, Turbolader, Partikelfilter, Direkteinspritzung, 1477 cm³, 132 kW/180 PS bei 5800 U/min, max. Drehmoment 245 Nm bei 1500-3000 U/min
Elektromotor: 60 kW/82 PS bei 4000 U/min, max. Drehmoment 160 Nm bei 0-3500 U/min, Batteriekapazität 10,7 kWh
Systemleistung: 192 kW/262 PS
Getriebe: Siebengangautomatik
Antrieb: Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,3 s
Leistungsgewicht: 7 kg/PS
MVEG-Verbrauch: 2,2 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 6,9 Liter
CO2-Ausstoß: 47 g/km
NOx: 0,01 g/km; Euro 6d-TEMP

Eckdaten:
L/B/H: 4425/1863/1652 mm
Radstand: 2702 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1835/2290 kg
Kofferraum: 452-1328 Liter
Tank: 48 Liter (Benzin)
Reifen: 4 x 245/45 R20 99V auf 20“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/BSD/RSR/LKA/ACC
Airbags: 8

Damit ist das Auto mehr als ausreichend motorisiert. Die Kraft wird über eine neu entwickelte Siebengang-Doppelkupplung übertragen – allerdings nur auf die Vorderräder, denn Allrad gibt´s für den Schweden nicht.

Der Fahrer hat drei Fahrmodi zur Auswahl: Hybrid, Pure und Power. Mit Pure kann der Wagen bis Tempo 125 rein elektrisch fahren. Über das Menü auf dem hochkant stehenden Touchscreen lässt sich ein Batterievolumen für spätere Elektrofahrten einfrieren, ebenso kann man über einen Charge-Button die Batterie während der Fahrt über den Benzinmotor aufladen.

Das führt dann auch schon zum größten Nachteil des XC40, der von Volvo angegebene Verbrauch von 2,2 Litern ist in der Praxis schlicht nicht erreichbar. Sparwunder ist der XC40 also keines – mit knapp sieben Litern muss man schon rechnen, wenn man regelmäßig die 10,7 Kilowattstunden große Batterie auflädt. An der Haushaltssteckdose ist diese nach sechs bis acht Stunden voll. Besteht keine Möglichkeit zum Laden, steigt der Verbrauch auch auf acht Liter und mehr an – je nach Fahrweise.

Und Stichwort Fahrweise: Der XC40 ist eher der sanfte Gleiter, denn der rabiate Hetzer. Gut, er schafft den Hundertersprint in 7,3 Sekunden und 262 PS Systemleistung zeigen schon, dass er zur Not druckvoll agieren kann. Allerdings sehr zu Lasten des Verbrauchs. Eine Bank ist der XC40 hingegen bei der Fahrwerksabstimmung die eine perfekte Mischung aus Sportlichkeit und Komfort bereithält.

Auch die Traktion lässt keine Wünsche auf, selbst bei flotten Kurvenfahrten. Dafür sorgt auch die geschickt positionierte Batterie und ein daraus resultierender, niedriger Schwerpunkt. Bei rein elektrischer Fahrt ist der XC40 im Innenraum darüber hinaus wirklich flüsterleise. Die Lenkung wiederum ist äußerst präzise und reagiert blitzschnell was übrigens auch für die Bremsen gilt.

Die Siebengangautomatik wiederum leistet sich ebenfalls keine Blöße, schaltet behände in den jeweils passenden Gang und was die Assistenzsysteme anbelangt ist Volvo sowieso Vorreiter. Der Pilot Assist zum (fast) autonomen Fahren auf der Autobahn funktioniert tadellos, die Rückfahrkamera liefert ein glasklares Bild auf den Bildschirm, Licht- und Regensensor sowie Toter-Winkel-Warner und Verkehrszeichenerkennung sind beim Schweden ebenfalls mit an Bord.

Das hat allerdings auch seinen Preis. Der XC40 in der Inscription-Ausstattungslinie fährt mit zahlreichen Extras um knapp 61.000 Euro vor; ein recht stolzer Preis für ein 4,425 Meter langes Auto.

Sehen lassen kann sich der XC40 nicht nur von außen sondern auch innen. Helle, bequeme Ledersitze, dezente Chromapplikationen, Holzeinlagen und jugendliche Frische dominieren das Cockpit, das leicht auf den Fahrer zugeschnitten ist. Ins Auge stechen darüber hinaus die nicht vollständig durchgezogenen Armlehnen in den Vordertüren – ein lässiger Effekt mit dem angenehmen Beigeschmack, dass dort große Getränkeflaschen Platz haben.

Generell ist der helle, lichtdurchflutete Innenraum eine Wucht mit großzügigen Abmessungen auch in der zweiten Reihe. Und im Gegensatz zu anderen Plug-in-Hybriden schrumpft beim XC40 Twin Engine das Kofferraumvolumen nicht, dieses beträgt 452 Liter und lässt sich auf 1328 Liter ebene Fläche erweitern. Die Heckklappe öffnet elektrisch, auch mittels Fußkick.

Fazit

Die Doppeltechnik im XC40 funktioniert grandios, darüber hinaus spielt Volvo seine Stärken bei Verarbeitung und Assistenzsystemen aus. Für wen ist so ein Auto? Vermutlich Leute, die gutes Design schätzen, nicht so sehr aufs Geld schauen müssen und einen unaufgeregten Fahrstil pflegen.

Wie ist Ihre Meinung?