Vom Aschenputtel zum Weltwunder

Vom Pin-Up-Girl zum Megastar – vor 60 Jahren starb die Ikone Marilyn Monroe. Ihr Leben war nicht einfach: sie lebte in den verschiedensten Waisenhäusern und Pflegefamilien, bis sie jung heiratete. Der Ruhm ließ nicht lange auf sich warten, denn mit 21 bekam sie ihre erste Rolle. Alkohol- und Tablettensucht waren ihre Flucht aus der grausamen Hollywoodwelt. Das bei Schirmer/ Mosel erschiene Buch „Silver Marilyn. Marylin und die Kamera" enthält exklusive Fotos und ein intimes Interview von Georges Belmont mit dem Weltstar.

„Wenn ich ein Star bin, dann haben mich die Leute zu einem Star gemacht!" – Marilyn Monroe. © John Florea/ courtesy Schirmer/ Mosel

„Marilyn verkörperte den amerikanischen Traum und ließ das Märchen vom Aschenputtel wahr werden. Sie kam aus einfachen Verhältnissen, wurde zum Filmstar in Hollywood und damit schon zu Lebzeiten eine Legende“, so Peter Schnug, ein Filmhistoriker aus Düsseldorf.

Norma Jeane Baker kam am 1. Juni 1926 in Los Angeles als uneheliches Kind auf die Welt. Eine richtige Bindung zu ihren Eltern hatte sie nie: Wer ihr Vater ist, weiß man nicht so genau, Gerüchten zufolge war er Norweger und ist bei einem Motorradunfall verstorben. Bei ihrer psychisch kranken Mutter hat die Ikone nie gelebt, stattdessen wurde sie in insgesamt elf Familien und zehn Waisenhäusern untergebracht, in denen sie immer nur kurz lebte.

Als Kind habe sie vielen Frauen und Männern hinterhergerufen, weil sie dachte, dass diese ihre Eltern seien. „Die Frau mit den roten Haaren“, so nannte die spätere Schauspielerin ihre leibliche Mutter, die als Filmcutterin der „R.K.O.-Studios“ tätig war. Eine der Familien, die sie für gewisse Zeit aufnahmen, brachten ihr das Kino näher. Mit nicht einmal acht Jahren wurde sie zu einem der großen Filmpaläste in Hollywood, etwa dem „Egyptian“ oder „Grauman’s Chinese“ gebracht. Stundenlang sah sie sich dort verschiedenste Filme an und fand Gefallen daran.

Qual der Wahl: Ehe mit 16 oder Waisenhaus

Da man in Kalifornien bereits ab 16 heiraten darf, stand das junge Mädchen nun vor der Wahl: entweder im Waisenhaus bleiben bis zur Volljährigkeit oder einen Ehemann suchen. Sie entschied sich für letzteres. Bald darauf fand die Hochzeit, arrangiert von ihrer Pflegefamilie, mit James Dougherty statt. Er war Fabriksarbeiter und ging später zur Handelsmarine. Nach vier Jahren Ehe ließen die beiden sich scheiden.

Auch Norma Jeane war in einer Fabrik tätig, wo sie Fallschirme prüfte und Zielflugkörper herstellte. Weil ihre Arbeit so langweilig war, freute sie sich die ganze Woche lang auf das Wochenende, da sie dann endlich Zeit hatte, um ins Kino zu gehen. Die männlichen Fabriksarbeiter mochten sie und so bekam die junge Frau oft Briefe von ihren Verehrern. Armeefotograf David Conover entdeckte Monroe in der Fabrik. Er erkannte ihr Modeltalent und bot ihr die Chance, bei Propaganda-Aufnahmen für die Armee erste Modelerfahrungen zu sammeln. Kurz darauf wurde sie von Emmeline Snively unter Vertrag genommen und absolvierte eine Ausbildung zum Fotomodel und Mannequin.

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Ihren Künstlernamen hat sie Ben Lyon, Talentsucher der „20th Century Fox“ zu verdanken. Laut ihm sah Norma Jean dem Musical-Star Marilyn Miller ähnlich. Monroe war der Mädchenname ihrer Mutter.

Nach ihren ersten Probefilmaufnahmen 1946 bekam die damals 21-Jährige ihre erste Rolle 1947 als Kompasin im Film „The Shocking Miss Pilgrim“. Im Filmmusical „Ich tanze in dein Herz“ war Marilyn Monroe erstmalig als Hauptdarstellerin auf der Leinwand zu sehen. Baseball-Legende Joe DiMaggio war der zweite Ehemann Marilyns, die beiden lernten sich bei einem Blind-Date während des Drehs zu einem Film kennen. Im Januar 1953 kam „Niagara“ in die Kinos, der Film war ein Meilenstein für die Schauspielerin und machte sie zu einem internationalen Star. Marilyn Monroe wurde in dem Film als „achtes Weltwunder“ angekündigt. 1954 erhielt sie den „Henrietta Award“ bei den „Golden Globes“ als weltweit beliebteste Darstellerin.

Psychische Probleme trotz großen Erfolges

Marilyn Monroe hatte Angst vor psychischen Erkrankungen, die mehrmals in ihrer Familie auftraten, deshalb ging sie ab 1955 regelmäßig zum Psychiater. Die in den USA sehr bekannte Psychoanalyse gefiel ihr und so wurde sie im Laufe der Jahre zum Freud-Fan.
1956 heiratete Monroe den Schriftsteller Arthur Miller, für den sie zum Judentum konvertierte. Nach zweijähriger Drehpause war die Kalifornierin 1958 im Film „Manche mögen’s heiß“ auf der Leinwand zu sehen. Auch gesanglich hatte sie einiges zu bieten: Lieder wie „I wanna be loved by You“ von Evergreen sang sie für den Film.

Die Dreharbeiten gestalteten sich jedoch als eher schwierig, da die Ikone zu dieser Zeit viel Alkohol trank und tablettenabhängig war. Trotzdem wurde der Film sehr erfolgreich: er galt damals als die beste Filmkomödie aller Zeiten und brachte ihr viele Preise ein.
Zu diesem Zeitpunkt erlitt Marilyn Monroe ihre erste Fehlgeburt. Aufgrund der Gebärmutterschleimhautkrankheit Endometriose erlitt Monroe noch zwei weitere. 1962 entstand einer ihrer vielen Skandale: Bei der Produktion des Filmes „Something’s Got to Give“ wurde Marilyn fast nackt gezeigt.

Zeitgleich bekam sie die Möglichkeit, dem damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy ein Geburtstagsständchen im Madison Square Garden zu singen. Die Fotoserie „The Last Sitting“ von Bert Stern für die Vogue erschien im selben Jahr und enthielt ebenfalls einige Aktfotos. Monroes letzter vollendeter Film war „Misfits – Nicht gesellschaftsfähig“. Zu den insgesamt 32 Filmen, die sie im Laufe ihres Lebens drehte, gehören Erfolge wie „Asphalt-Dschungel“, „Blondinnen bevorzugt“ und „Das verflixte 7. Jahr“.

Am 4. August wurde Marilyn mit 36 Jahren tot in ihrem Haus aufgefunden. Die Umstände ihres Todes sind bis heute umstritten: Die einen sagen, sie sei ermordet worden, eventuell von den Kennedys, da sie laut Gerüchten eine Affäre mit John F. Kennedy und seinem Bruder Robert Kennedy gehabt haben soll. Die anderen jedoch verdächtigen ihren Psychiater Ralph R. Greenson. Klar ist jedenfalls, dass sie an einer Überdosis Schlaftabletten starb. Der Rolling Stone schrieb: „Mit Marilyn Monroe starb eine der größten Schauspielerinnen, die Hollywood je gesehen hat.“ Die Kultfigur war eine Inspiration für viele: Sie inspirierte Künstler wie Salvador Dalí oder Andy Warhol zu „Shot Sage Blue Marilyn“, das heute 195 Millionen US-Dollar wert ist. Weiters gibt es unzählige Songs über sie, wie Elton Johns „Candle in the Wind“. Ihr Aussehen inspirierte Megastars wie Madonna oder Gwen Stefani.

Im Vorwort von „Silver Marilyn. Marilyn und die Kamera“ spricht Jane Russel, Monroes Schauspielkollegin, der Hauptteil ist Fotografien aus den Jahren 1945 bis 1962 gewidmet. Zu den bekanntesten Fotografen zählen Richard Avedon, Philippe Halsman, Cecil Beaton oder Bert Stern. Das Busch enthält auch ein persönliches Interview mit der Ikone, geführt von Georges Belmont. Die amerikanische Schauspielerin sprach selten so offen und frei über ihr Privatleben, ihre Kindheit und die dunklen Seiten ihres Lebens wie in diesem Gespräch. „Marilyn. Ein Requiem” wird im Herbst dieses Jahres bei Schirmer-Mosel erscheinen.

„Silver Marilyn. Marilyn und die Kamera“. Schirmer-Mosel Verlag. 30, 70 Euro

Von Elisa Knechtel

 

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