Vom Erben und Jodeln

Sommerakademie des Österreichischen Volksliedwerks startet in Gmunden

Martin Waldauf setzt sich am Freitag mit „Paradigmen des Familienmusizierens“ am Beispiel der Familienmusik Waldauf (oben) auseinander.
Martin Waldauf setzt sich am Freitag mit „Paradigmen des Familienmusizierens“ am Beispiel der Familienmusik Waldauf (oben) auseinander. © Lukas Streiter Vortrag

Jodelworkshops in Berlin, Polyester-Dirndl aus und für Fernost, Tausende, die zum volkstümlichen Stadionrock pilgern … „Unsere Aufgabe ist es, einen vernüftigen und aufgeklärten Umgang mit Volkskultur zu schaffen“, betont Konrad Köstlin, Vizepräsident und Leiter der Wissenschaftlichen Kommission des Österreichischen Volksliedwerks. Gerade heute würden Begriffe wie Heimat, Patriotismus, etc. neu bewertet.

Gelegenheit, sich damit intensiv auseinanderzusetzen, bietet die Sommerakademie des Österreichischen Volksliedwerks, die heute in Gmunden beginnt und bis 25. August dauert. Die Tagung beschäftigt sich heuer mit der Thematik „Erbschaften“, Untertitel: „Traditionslinien & Prägungen“. „Erbe bereichert, verpflichtet aber auch“, sagt Landeshauptmann a.D. Josef Pühringer, der dem Volksliedwerk als Präsident vorsteht. „Wir müssen unser kulturelles Erbe pflegen, aber auch ein Umfeld schaffen, damit auch von unserer Zeit ein solches Erbe bleibt.“

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In Vorträgen, Diskussionen und Workshops sowie beim gemeinsamen Singen und Musizieren werden in Gmunden an die 100 Teilnehmer „Kulturerbe“ vom europäischen wie regionalen Blickwinkel aus betrachten. Dabei werden etwa Phänomene wie der „Wiener Walzer“ oder die Tradition der Tracht beleuchtet. Mit den positiven und negativen Auswirkungen unseres Erbes beschäftigt sich etwa Ulrike Kammerhofer-Aggermann morgen im Hotel Magerl in dem Vortrag „Mythen, Magie, Männerbund“.

Liedrepertoire von Hubert von Goisern

Ebenfalls auf dem Programm der Sommerakademie steht für morgen eine Exkursion nach Ebensee, wo u.a. über „Entwicklungen und Ereignisse des Salzkammergutes 1918-1955“ referiert und diskutiert wird. Seinen feierlichen Abschluss findet der Donnerstag mit einem Festabend im Heustadl mit musikalischer Unterstützung durch die Dampfplauderer. Der Freitag steht dann im Zeichen der Musik. Vorträge etwa zur Geschichte der Musikschulen, zur Familienmusik oder zu Berührungen zwischen Mundartforschung und Volkslied stehen auf der Agenda. Am Samstag setzt man sich mit der Rolle des Volksliedwerkes, das 1904 gegründet wurde, auseinander.

Alle Veranstaltungen sind öffentlich zugänglich, Tageskarten sind vor Ort erhältlich. Auch für die Abendveranstaltung am Donnerstag in Ebensee sind noch Plätze frei.

Mit dem Schuljahr 2018/19 stellt das Volksliedwerk Schülern eine Auswahl an Liedern des Projekts „Komm, wir singen!“ zur Verfügung, das derzeit gemeinsam mit Hubert von Goisern über die Bühne geht. Ziel ist es, ein gemeinsames Liedrepertoire entstehen zu lassen, rund 350 Lieder wurden bereits eingereicht. Und in Wien wird am 11. September in der Operngasse eine „Jodler-Tankstelle“ zum gemeinsamen Muszieren eingerichtet.

mmo

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Das komplette Programm für die Sommerakademie in Gmunden und andere Projekte auf www.volksliedwerk.at