Vom Leben „Tür an Tür“: Dominik Barta legt zweiten Roman vor

Dominik Barta veröffentlicht seinen zweiten Roman © APA/TOBIAS STEINMAURER

Autor sei er nicht und wolle das auch nicht sein, erklärt Dominik Barta. Ungewöhnlich für jemanden, dessen Debütroman „Vom Land“ vor zwei Jahren bei Kritik und Publikum Erfolg hatte und der nun seinen zweiten Roman vorlegt. „Wenn man mich fragt, sag’ ich: Ich bin ein Lehrer“, meint der 39-Jährige im APA-Interview. „Vom Schreiben zu leben war nie mein Ziel.“ Am Montag erscheint „Tür an Tür“. Das Buch ist ganz anders als sein Erstling – nicht nur, weil es in der Stadt spielt.

In „Vom Land“ beschrieb der am Land aufgewachsene Oberösterreicher eindringlich die Verweigerung einer Bäuerin, weiterhin zu funktionieren, und erzählte von familiären Notständen und dörflichen Problemen. In „Tür an Tür“ hat er rund um eine Mansardenwohnung in Naschmarktnähe, in der er ein halbes Jahr gewohnt hat, eine vielschichtige Handlung ersonnen. Im Personengeflecht um den frisch eingezogenen Lehrer Kurt vermengt sich Privates und Politisches.

Den einzelnen Handlungs- und Motivsträngen ist dabei gar nicht so einfach zu folgen, weswegen die Frage naheliegt: Worum geht’s eigentlich? „Es geht um das Leben eines Ich-Erzählers und der ihn umgebenden Personen und wie deren Leben sich ineinander verhaken und verstricken. Es geht um Alltäglichkeiten, die aufgrund verschiedener Zufälle eine Tiefendimension bis in die Weltpolitik bekommen. Es geht um das benachbart Werden, darum, dass man das Leben nicht alleine führt. Man wird von den Leben der anderen berührt – ob das einem passt oder nicht. Das Mehrparteienhaus ist eine Metapher für das Leben, das wir nebeneinander führen.“ In der Stadt tauche man rasch in die Anonymität, obwohl man Wand an Wand mit anderen wohne. Gleichzeitig gebe es auch dort die Sehnsucht nach dem „Wie am Land“-Gefühl, die sich in der Beliebtheit funktionierender Grätzln niederschlage.

Derzeit wohnt Barta, der in Wien, Bonn und Florenz studierte, in der Troststraße in Wien-Favoriten und unterrichtet Deutsch als Fremdsprache an der FH Campus Wien sowie Geschichte der Psychologie an der Uni Wien. „Das mache ich mit größter Leidenschaft und würde es gerne noch lange so machen. Schreiben als Beruf ist dagegen eine Idee, die mir nicht behagt.“ Was treibt ihn dann dazu, Bücher zu schreiben? „Ich bin kein Maler. Ich bin kein Tänzer. Ich bin kein Pianist. Aber ein Ausdrucksbedürfnis habe ich. Ich habe schon immer geschrieben. Das ist meine Ausdrucksform. Ohne Schreiben bin ich unglücklich.“

„Tür an Tür“ ist nicht nur geografisch, sondern auch zeitlich recht genau verortet. Eine Rede, die der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan in Wien hielt, spielt eine große Rolle – das war im Juni 2014. Verschränkt hat der Autor dies mit der Flüchtlingsbewegung von Sommer 2015. „Ich finde, dieses Ereignis hat eine historische Bedeutung. Es war die Zeit, in der es klar wurde, dass viele Dinge rund um uns nicht in Ordnung sind, und dass uns das berühren und heimsuchen wird; die Zeit, in der die Illusion zerstört wurde, wir wären eine Insel.“ Er habe damals eigentlich in Warschau gelebt und sei im Sommer auf Heimaturlaub in Wien mit großen Augen durch die veränderte Stadt gegangen. „Ich war Tag und Nacht draußen und hab mir das mit soziologischem Interesse angeschaut.“

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Der Literaturbetrieb hat keinen gesteigerten Reiz für Dominik Barta, obgleich ihm Lesungen durchaus Spaß machen. „Es ist immer interessant zu hören, wie jemand das Buch liest. In der nicht-professionalisierten Meinung liegt eine Unmittelbarkeit, die interessant ist.“ Und die professionalisierte Meinung? „Die ist Teil des Geschäfts.“ Störend sei jedoch, wenn jemand offenbar das Buch bestenfalls quergelesen habe, dennoch aber darüber schreibe, meint Barta. Dabei habe er großen Respekt vor professionellen Lesern und sei schon bei seiner Hospitanz in der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ von den vor den Rezensenten aufgetürmten Bücherstapeln beeindruckt gewesen. Er selbst sei nämlich eher ein langsamer Leser und lese theoretische Texte genauso gerne wie Belletristik. Dabei gebe er jedoch amerikanischer, italienischer und spanischer Literatur häufig den Vorzug – Letztere möglichst in Originalsprache.

Und ist ein drittes Buch im Werden? Nichts Konkretes, wehrt Dominik Barta ab. Ein Sachbuch würde ihn reizen, es gäbe aber schon auch Ideen für „etwas Narratives“: „Irgendwas möchte man ja immer aufschreiben. Irgendwas ist immer!“

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

Dominik Barta: „Tür an Tür“, Zsolnay Verlag, 208 Seiten, 23,70 Euro

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