Vom News-Pionier zu Trumps Hassobjekt: 40 Jahre CNN

Es ist mitten in der Nacht im Irak, als dem jungen Nachrichtensender CNN eine der größten journalistischen Sensationen der Geschichte gelingt. „Der Himmel über Bagdad ist erleuchtet“, sind die historischen Worte des Reporters Bernhard Shaw. „Wir sehen helle Blitze überall am Himmel.“ Es ist die Nacht auf den 17. Jänner 1991.

Die CNN-Journalisten um Shaw sind die Augen und Ohren der Welt, als der Zweite Golfkrieg beginnt. Kein anderes westliches Medium kann über diesen Kriegsausbruch sofort live aus dem Irak berichten.

Elf Jahre davor war das „Cable News Network“ weltweit als erster großer TV-Sender nur für Nachrichten gestartet. CNN versammelte Millionen vor den Bildschirmen, als sich die Welt veränderte – und prägte seinerseits die Welt mit seiner direkten Live-Berichterstattung.

Von einem zuweilen von Konkurrenten belächelten Nischenprojekt brachte es der Sender zum weltweiten Player und zum Hassobjekt des amtierenden Präsidenten Donald Trump. Dieser wirft CNN vor, bei der US-Berichterstattung linkslastig zu sein und laufend Falschnachrichten zu verbreiten. Trump legt sich bei Pressekonferenzen immer wieder direkt mit CNN-Korrespondenten an. Am Montag (1. Juni) wird CNN 40 Jahre alt.

Die Geschichte des News-Kanals begann 1980 mit dem berühmten CNN-Zeichen auf rotem Grund, dann wurde auf die Feier zum Start am Hauptsitz in Atlanta umgeschaltet. „Wir können die Menschen dieses Landes und der Welt hoffentlich in Brüderlichkeit, Güte, Freundschaft und Frieden zusammenbringen“, sagte Gründer Ted Turner in seiner Rede. Neben den Flaggen der Vereinigten Staaten und des Bundesstaates Georgia wurde auch die UN-Fahne gehisst. Man hatte schließlich einen globalen Anspruch.

Doch der Sender musste sich sein Ansehen erst mühsam erarbeiten. Von Konkurrenten wegen des anfangs spärlichen Budgets als „Chicken Noodle Network“ (Hühner-Nudelsuppen-Sender) verspottet, hatte CNN unter anderem lange Zeit Probleme, Zugang zum Weißen Haus zu erhalten. Dann kam die „Challenger“-Katastrophe von 1986. Bei einem der schwersten Unglücke in der US-Raumfahrtgeschichte erregte die neuartige Arbeitsweise des CNN-Teams wohl erstmals richtig großes Aufsehen.

Der Live-News-Charakter half dem Sender, die Space-Shuttle-Explosion und ihre Folgen als einziger Kanal mit durchgehender Berichterstattung zu begleiten. Einige Jahre später kam der Golfkrieg und der Sender setzte auf Vollzeit-Kriegsberichte. Nicht nur in den USA, sondern auf der ganzen Welt übernahmen unzählige Medien die Berichterstattung der CNN-Reporter vor Ort.

Die oft schockierenden Bilder aus Kriegs- und Krisengebieten führte zu dem viel debattierten „CNN-Effekt“. Die Berichterstattung über die Proteste auf dem Tiananmen-Platz 1989 oder den fehlgeschlagenen US-Militäreinsatz in Mogadischu 1993 holte internationale Konflikte näher an die US-Bürger heran als jemals zuvor. Das veränderte und verstärkte oftmals die politische Reaktion auf sie.

Am 11. September 2001 kamen die Schockbilder dann nicht aus dem Nahen Osten oder Afrika, sondern aus New York. CNN ging nur drei Minuten nach dem Einschlag des ersten Flugzeugs in das World Trade Center auf Sendung – mit einem Bild des brennenden Gebäudes und den Wörtern „Sie sehen eine offensichtlich sehr verstörende Live-Aufnahme“. Als sich die nationale Tragödie vor den Augen der Welt entfaltete und der zweite Turm gut eineinhalb Stunden später einstürzte, rang auch der Moderator um Fassung: „Großer Gott, dafür gibt es keine Worte“.

Der große Einfluss von CNN – der sich auch in dem häufigen Vorkommen des Senders in Spielfilmen spiegelt – wurde durch wachsende Konkurrenz anderer 24-Stunden-Nachrichtenkanäle und schließlich auch des Internets geringer. Doch der CNN-Effekt funktioniert noch immer: Aufsehenerregende Bilder des Senders von einem Sklavenmarkt in Libyen trugen 2017 zum Entstehen eines internationalen Notfallplans bei.

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