Vom Prater ins „Land des Lächelns“

Mörbischer Operetten-Spektakel mit peinlichem Gag zur Pause

Elissa Huber, Maximilian Mayer, Benno Schollum und Statisterie
Elissa Huber, Maximilian Mayer, Benno Schollum und Statisterie © APA/Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Von Ingo Rickl

Franz Lehárs Meisteroperette „Das Land des Lächelns“ als erneuerte Fassung der 2013 in Wien gespielten „Gelben Jacke“ ist zweifelsfrei für die Seebühne Mörbisch kaum geeignet. Zu viele intime Szenen zieren das an Schlagern reiche Musikdrama, womit es ein Regisseur von Haus aus schwer hat.

So stand Leonard C. Prinsloo vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Gemeinsam mit Bühnenbildner Walter Vogelweider verlegte er aus Gründen großer Schauerlebnisse den ersten Akt aus dem Haus des Grafen Lichtenfels in den Wiener Prater. In der Nähe liegt die (leider ehemalige) Galopprennbahn Freudenau, wo Lisa ein Turnier gewinnt, zu dessen Feier ihr der chinesische Gesandte Sou-Chong einen Buddha schenkt. In einem Otto Wagner nachempfundenen Salon lernen einander Lisa und Sou bei einem „Tee en deux“ kennen und verlieben sich sofort unsterblich. Vater Ferdinand Graf Lichtenfels und Freund Gustl sind gegen eine Verbindung. Und nun werden die Librettisten Ludwig Herzer und Fritz Löhner-Beda samt „Vordenker“ Victor Leon schwer beschädigt: Kurz nach dem durch den Walzer „Gold und Silber“ verlängerten Kennenlernen heiraten Lisa und Sou vor ihren Freunden und dem peinlich berührten Publikum samt statierendem Priester christlich. Die Pausengespräche gipfelten in Verständnislosigkeit, manche strebten frühzeitig zu den Ausgängen …

Die religiöse Farce sollte später in China ein Nachspiel finden. Als Sou-Chong, von seinen traditionellen Sitten eingeengt, keinen Ausweg bezüglich der Auseinandersetzung mit Lisa findet, zerschlägt er seinen goldenen Buddha.

Vor dem ausgezeichneten Festival-Orchester und dem Chor der Seefestspiele steht mit Thomas Rösner der richtige Mann für Lehár und seine famosen Sänger. Die Kostüme von Christof Cremer sind für Lisa zu damenhaft, für Mi einigermaßen kindisch und für alle anderen farbenfroh abwechslungsreich, jedoch vor allem in China abgestimmt auf die Farbgebung der massiv drohenden Drachen. Ballett und Akrobatinnen ergänzen den optischen Genuss.

Der Koreaner Won Whi Choi, zuletzt in New Yorks Metropolitan Opera erfolgreich, ist ein kleiner, kräftiger Sänger-Darsteller mit makellosem lyrischen Tenor. An seiner Seite fehlt Elissa Huber ein wenig das wienerische Flair. Sie gibt das Mädchenhafte sehr früh zugunsten des divenhaft Dramatischen auf: eine tolle Leistung mit dem Höhepunkt „Ich möcht’ wieder einmal die Heimat seh’n“. Maximilian Mayer gefällt als unkomplizierter, realistischer, aktiver Gustl, Katerina von Bennigsen als humorvoll verliebte Mi sowie Benno Schollum als Aushängeschild typisch wienerischen Adels von einst. In China sorgen Koichi Okugawa als Onkel Tschang und Gernot Kranner als Fu-Li für strenge Ordnung und Tradition.

Harald Serafin begeistert als Obereunuch

Dann gibt es noch zwei heftig akklamierte Auftritte des unverwüstlichen, charmanten Harald Serafin (97) als unkonventioneller Obereunuch. Im Mittelpunkt steht natürlich Serafin samt seinen Verdiensten um Mörbisch: eine ausgezeichnete Hommage an einen unersetzlich vielseitigen Künstler und Manager.

Das Feuerwerk nach unübertrefflicher Mörbischer Art bot den Ausklang eines doch ein wenig zu langen Operetten-Abends …

Vorstellungen bis 24. August (wechselnde Besetzungen)

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