Vom süßen Traum in bittere Realität

Musiktheater: Frenetischer Beifall für Lehárs „Das Land des Lächelns“

Matthäus Schmidlechner und Franziska Stanner
Matthäus Schmidlechner und Franziska Stanner © Herwig Prammer

Mit Franz Lehár und „seinem“ Tenor Richard Tauber begab sich das Musiktheater auf eine Operetten-Traumreise. Sie führte vom Wien der Kaiserzeit nach Peking für ein Liebespaar, das wegen der Unvereinbarkeit von Tradition am chinesischen Hof und der Anpassung an europäische Regeln nicht zusammenfindet.

Eine traurige Geschichte, für deren Erzählung Andreas Beuermann ein schlüssiges Regiekonzept fern von abgenützten Klischees erfunden hat: Zum 150. Geburtstag Lehárs erweckte er den legendären Linzer Tenor Richard Tauber auf der Bühne zum Leben und machte ihn zum Hauptdarsteller.

Mit einer behutsam-respektvollen Adaptierung des Originals, dessen Libretto Ludwig Herzer und Fritz Löhner-Beda nach Victor Léon verfassten. Die neue Textfassung von Simon W. Alexander hat dem Stück nicht geschadet. Angesiedelt bleibt die Operette in ihrer Entstehungszeit 1929.

Unvergängliche Melodien, überzeugende Darsteller

Taubers Leibmelodie „Dein ist mein ganzes Herz“ kommt als hinreißendes Auftrittslied von Matjaz Stopinsek aus dem Museum einer China-Ausstellung, wo dieser als Ehrengast verwöhnt wird und spontan die Herzen des Publikums erobert. Die kontrolliert geführte Stimme ertönt in allen Höhen zum Beweis einer Spitzenqualität als Reminiszenz an den Welttenor. Als seine Geliebte reüssiert die ihm gesanglich wie darstellerisch ebenbürtige Lisa, die aus Staatsräson auf eine Heirat mit Richard verzichten muss. Nach dem Gesetz muss er vier Mandschu-Mädchen ehelichen.

Regina Riel verkörpert die Rolle der verzichtenden Frau in ihrer Sehnsucht nach der Heimat überzeugend. Von Liebesglück in China darf sie nur träumen. Die bittere Realität folgt auf das Erwachen. Im Traum trifft Lisa im goldglänzenden Palast auf ihren Tauber als Prinz Sou-Chong und begegnet auch anderen Bekannten aus dem Museum. Es sind Direktor Schang (Markus Raab), jetzt als Tschang der Obereunuch, ihre Tante Gräfin Lichtenfels als Oberhofdame (Franziska Stanner) und die entzückende Mi, als Taubers Schwester, im Museum die Sängerin Hella Kürty: Therese Grabner ist für beide Figuren eine mehr als ideale Darstellerin. Ihr Abschied in Tränen von Graf Gustav von Pottenstein aus Wien, der sich in China in sie verliebte, mit Matthäus Schmidlechner vortrefflich besetzt, zählt zu den gelungensten Momenten der „traurigen“ Operette.

Aber auch ein wenig Sentimentalität durfte sein, werden doch die unverzichtbaren Ansprüche an eine Operette wie Spiel-, Sing- und Tanztalent und wesentliche Ingredienzien wie Humor, Witz, Charme und Schwung auf höchster Ebene realisiert. Dass das chinesische Ballett einmal bei der Aufführung berücksichtigt wurde, ist besonders erwähnenswert. Bernd Franke stellte eine einfallsreiche, rasch verwandelbare Bühne auf die Beine, die Kostüme von Götz Lanzelot Fischer widerspiegeln durch ihre Farbenpracht das märchenhafte Milieu. Sogar die „Gelbe Jacke“ aus dem früheren Titel der Operette durfte für Tauber nicht fehlen.

Endlich eine „echte“ Operette in Linz

Die Musik Lehárs zündete mit ihren unvergänglichen Melodien. Marc Reibel hat sie am Pult mit allen gefühlsmäßigen Drückern und Dämpfern auf- und erleben lassen und begleitete mitlebend die Sänger. Dem von Elena Pierini betreuten Chor bereitete das Mitspielen größtes Vergnügen. Viel Szenenbeifall nach jeder Glanznummer, am Schluss wollte der mit Bravi und Jubel verstärkte Applaus nicht abreißen. Endlich eine „echte“ Operette in Linz, fast verdächtig, das Aushängeschild am Spielplan der heurigen Theatersaison zu werden. Unbedingt anschauen!

Von Georgina Szeless

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