Von allen Seiten betrachtet

Industrial Design an der Linzer Kunstuni präsentiert Arbeiten im splace

Zum Stichwort Industriedesign kommen vielen gleich Autos und Möbel in den Sinn. Dass aber das Feld, das die Sparte beackert, sehr viel größer ist und Problemstellungen und Lösungen sehr viel weiter gefasst, zeigt noch bis 16. April beeindruckend eine Ausstellung der Linzer Kunstuni im splace am Linzer Hauptplatz.

Unter dem Titel „Design Days“ sind Arbeiten der Abteilung Industrial Design, kuratiert von March Gut — auch Absolventen der Kunstuni —, in großer Vielfalt und Breite zu sehen.

Der Pulsschlag der Mutter & eine digitale Harmonika

Eine Art Kopfhörer, der bequem aufzusetzen und exakt an die Kopfform angepasst werden kann, unterstützt Menschen nach einem Schlaganfall bei der Mobilisierung. „Industriedesign in der Medizin ist ein wichtiger Bereich“, erklärt Universitätsprofessorin Elke Bachlmair. Geräte dieser Art bestehen sonst aus unzähligen Kabeln an einer mühsam zu tragenden Kappe. Mit dem Redesign der Kunstuni, der Masterarbeit von Bernhard Hierner, wird die Handhabung wesentlich erleichtert.

Das medizinische Tool wird in Rehakliniken eingesetzt. Berührend: Bo.By von Aleksandra Radlak simuliert Körpernähe zwischen Mutter und Frühgeborenem, wenn dies aufgrund des Gesundheitszustandes des Babys noch nicht möglich ist: Eine Matratze für das Kind und ein Gerät, das die Eltern tragen, übermitteln den Herzschlag, das vertraute Pulsieren.

Erwin Klinglhubers Arbeit an der Konstruktionsoptimierung der Steirischen Harmonika für den Mollner Erzeuger Schwarz hat die digitale Fassung eines Instrumentes gezeitigt. Bachlmair: „Ein Synthesizer mit dem Spielgefühl der Harmonika.“

„Ästhetik ist dabei nur eine von vielen Anforderungen“, sagt die Professorin. „Lange, bevor wir uns ans Zeichnen machen, werden die Problemstellungen analysiert, recherchiert und hinterfragt.“

Nachhaltigkeit, Umwelt, Verwertung von Abfällen: Studenten entwickelten aus Nuss- und Orangenschalen ein widerstandsfähiges Material. Daraus ergeben sich diverse Möglichkeiten.

Eine Gruppe von Studenten recycelt Plastikabfälle zu Lebensmittelbehältern, Schulboxen mit Rechenbrett, Rasierklingen-Haltern oder Spielzeug. Die Teile dafür könnten in Entwicklungsländern mit handbetriebenen Spritzgussmaschinen erzeugt werden.

Freilich sind da auch Fahrzeuge und Möbel: Kleine, autonom fahrende Schienenfahrzeuge, mit denen das vorhandene Schienennetz der Regionalbahnen besser genutzt werden könnte – konzipiert von Industrial Design-Studenten für Passagiere und Ware. „Das Projekt hat es bis in die Vorstandsetage der ÖBB geschafft und wird dort weiter diskutiert“, sagt Bachlmair.

Die schönen Outdoor-Möbel von Michael Partisch sind äußerst langlebig, die Einrichtung für das Design Thinking Lab in der Grand Garage der Tabakfabrik von Lukas Kerschbaum aus gefrästen Sperrholzplatten superflexibel und vielfältig einsetzbar.

Materialkunde, Kenntnisse in Technologien, Herstellungsverfahren oder die Auseinandersetzung mit Bedürfnissen … All das verlangt neben den klassischen Grundlagen des Industriedesigns eine vielfältige Ausbildung. An der Linzer Kunstuni hat man darin viel Erfahrung, besteht das Institut doch seit der Gründungszeit der damals noch Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung, die übrigens nächstes Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Eine Handvoll Professoren unterrichtet, arbeitet und forscht aktuell mit rund 70 Studenten am Institut. Dazu gibt es einen Pool an externen Experten. Viele Projekte entstehen in Kooperation mit der Wirtschaft, nicht selten werden Studenten und Abgänger gleich von Firmen engagiert.

Von Melanie Wagenhofer

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